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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschast.

schnell zu Boden sinkt und getrennt werden kann. Die feineren Thontheilchenaber bleiben längere Zeit im Wasser suspendirt, aus dem sie übrigens auchbald niederfallen. Sie sind die achchlämmbare Substanz. Im Wasser bleibenlösliche Salze, welche als die zunächst für die Vegetation verwendbaren un-organischen Stoffe betrachtet werden können, von denen gleich weiter die Redesein wird.

Die Elementarstoffe des Bodens sind seine entferntesten Bestandtheile undzwar die häufigsten: Kiesel, Aluminium, Calcium, Talcium, Eisen, Maugan,Schwefel, Kohlenstoff, Stickstoff rc., es läßt sich denken, daß auch jedereinfache Körper (Element) im Boden vorkommen kann. Allein die Kenntniß derStoffe als Elemente ist uns in praktischer Beziehung ohne besondern Nutzen,selbst noch nicht einmal die Erforschung derselben in ihren binären Verbindungen, als Kieselsäure, Thonerde, Kalkerde, Talkerde, Eisenoxyd, Manganoxyd rc.hilft viel denn sie sind auch in diesem Zustande in der Regel nur selten imBoden vorhanden, sondern erst die nächsten Bestandtheile d. h. ihreweiteren Verbindungen als kieselsaure Thonerde und kieselsaures Kali, kohlen-saurer oder schwefelsaurer Kalk, kohlensaures oder schwefelsaures Eisenoxyd rc.haben für uns Wichtigkeit Behufs der Beurtheilung von Bodenarten, denn dieEigenschaften der verschiedenen Körper erleiden bei ihrer wettern Verbindungsehr wesentliche Veränderungen.

Indessen ist aber höchst schwierig, genau zu bestimmen, in welcher Ver-bindung die Körper im Boden vorhanden sind und nur die bekannte Ver-wandtschaft derselben zu einander läßt uns ein wahrscheinliches Resultaterkunden. Diese indessen und die Anwendung von Auflösungsmitteln, wie siedie Natur anwendet oder wenigstens von solchen, die ihr am Aehulichsten wirken,gestatten uns doch schon einen tiefen Blick in das innere Wesen des chemischenVerhaltens der Bestandtheile. Als solche natürliche Lösungsmittel dienen vorAllem das Wasser, dann Kohlensäure und Humussäure. Da letztere allzulangsam wirken, braucht man zur raschen chemischen Lösung eine stärkere Säure,namentlich Salzsäure. Man verfährt bei einer chemischen Boden-Analyse über-haupt auf folgende Weise: die von verschiedenen Theilen der zu untersuchenden,keine sehr auffallenden äußeren Unterschiede zeigenden Ackerkrume (oder auch nachAbsicht bloß vom Untergründe) gesammelte und wohl gemischte Masse wird inverschiedene Theile abgetheilt. Nun kann die weitere Analyse eine quantitativeoder qualitative sein bei manchen wichtigen Bestandtheilen lassen sich beidesehr leicht vereinigen, jedenfalls ist die bloß qualitative für den Landwirth zu-meist ausreichend und die quantitative mehr Sache des Chemikers von Fach.

Ein Theil der trockenen Erde wird gewogen und mit destillirtem Wasser(auch wohl Regen- oder Schneewasser) behandelt, auf ein Filtrum gebracht unddas Abfließende wohl verwahrt, etwas abgedampft, um die Lösung concentrirterzu erhalten und dann aus die Flüssigkeit in einzelnen Partiten derselben reagirt.Das Auswaschen der Erde auf dem Filtrum soll so lange fortgesetzt werden,bis das Abfließende auf einem Uhrglase abgedampft, keinen Rückstand mehrhinterläßt. Indessen würde dieß manchmal zu lange dauern; aber es genügt,die leicht im Wasser löslichen Stoffe zu erhalten.

Die zu untersuchende Flüssigkeit kann nun enthalten Humussäure und ex-traktive Substanzen aus den Ueberresten der Pflanzen und der Düngermaterialien,auf welche zu reagiren unten besonders angegeben werden soll, dann Salpeter-säure, Kohlensäure, Schwefelsäure, Chlor, Phosphorsäure, Kieselsäure, Ammniak,Eisenoxyd und Eisenoxydul, Kupferoxyd, Thonerde, Manganoxydul, Kalk, Talk,Kali und Natron.