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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Landwirthschastliche Chemie.

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Salpetersäure, frei gemacht, wird zugebrachte Indigo - Tinctur beimErhitzen gelb färben; - wch w efelsäure gibt sich kund beim Zusätze von salz-saurem Baryt durch eine weiße Trübung, die durch schwefelsauren Baryt ent-steht; Chlor wird durch salpetersaures Silberoxyd als Chlorsilber in käsigemNiederschlage gefällt; Phosphorsäure wird in der von Chlor befreitenFlüssigkeit, die durch Ammoniak neutralistrt und von Kalk (durch Kleesäure)getrennt ward, dadurch erkannt, daß man durch Zubringen von etwas Wein-säure das Gesälltwerden des Eisenoxyds und der Alaunerde durch Ammoniakhindert, dann Ammoniak im Ueberschuß und nun Ammoninmtalci um-Chloridzubringt, worauf phosphorsaure Ammoniak-Talkerde im krystallinischen Nieder-schlage entsteht. Schwefelwasserstoff bildet im kupferhaltigen Wasser imschwarzen Niederschlage Schweselkupfer; gelbes Blutlangensalz im eisenoxyd-haltigen Berlinerblau, rothe Blntlauge im eisenoxydulhaltigen dasselbe;Thonerde aber und Eisenoxyd zusammen werden vom Ammoniak gefällt.Aus der von diesen beiden durch Filtration getrennten Flüssigkeit wird durchkleesaures Kali der Kalk als kleesaurer Kalk gefällt und das sind die denLandwirts) am Meisten interessirenden Bestandtheile.

Allein die größte Anzahl der weiteren Verbindungen sind im Wasserauszugenicht löslich, doch aber eben jene, welche für die nächste Vegeta-tionszeit in Betracht kommen! Will man weiter gehen und auch diefür die Zukunft eignenden Bestandtheile erforschen, so muß man noch dasselbemit Wasser eben, wie gesagt, ausgezogene Quantum Erde mit Salzsäure be-handeln, so lange sich noch etwas löst, dann filtriren und das Abfiltrirte ineinzelnen Partieen wieder untersuchen, was jedoch schon mehr in's Weite, aberkeinesweges in's Schwierige geht. Die Reagentien sind im Allgemeinen die-selben, wie beim Wasseranszuge angegeben wurde.

Der auf dem Filtrum gebliebene Rest wird zur fernern Zersetzung mitSchwefelsäure gekocht, dann abfiltrirt, das Filtrirte abgedampft, der Rückstandin Salzsäure gelöst und wie eben gesagt wurde, wieder verfahren.

Der letzte Rest der zu untersuchenden Erde wird endlich mit kohlensauremKali oder kohlensaurem Baryt geglüht, um die kieselsauren und schwer löslichenVerbindungen zu zersetzen.

Wichtiger nächst der Untersuchung des Wasserauszuges ist jene aus orga-nische Reste (Hnmussänre, Humuskohle, Ammoniak, Wachs und Harz). Manverfährt Hiebei wie folgt:

Die zu untersuchende, getrocknete und gewogene Erde wird mit einer Auf-lösung von kohlensaurem Natron bei 60 70 ° R. mehrere Stunden langvigerirt, wobei sich dann humussaures Natron bildet. Wird dieses mit zuge-gebener Salzsäure zersetzt, d. h. bildet sich salzsaureö Natron, so scheidet sichdie Humus säure in braunen Flocken ab und kann auf dem Filtrum gesammeltwerden. Die von Humussänre so befreite Ackererde enthält aber noch Humus-kohle und um diese zu bestimmen, erhitzt man die Erde mit Kalilauge einigeStunden lang, wodurch die Humuskohle in Humussäure umgewandelt wird, diedann, wie eben gesagt, dargestellt wird.

Mischt man einen kleinen Theil Erde mit gleichviel gebranntem Kalk underhitzt das Ganze in einer Glasröhre, so zeigt sich der Gehalt an stickstoff-haltigen Substanzen durch Entwickelung von Ammoniak, welches Curcu-wapapier> bräunt, das die Farbe in der Hitze wieder verliert.

Will man auf Wachs und Harz operiren, so übergießt man die Ackererdewit Weingeist von wenigstens 90 °/g Tralles und erwärmt es bis zum Sieden.Man filtrirt nun und süßt mit heißem Weingeiste fleißig aus. Aus dem Filtrat