Sandwirthschastliche Chemie. 97
den Gehalt an Alkohol und dieser als ckuplum (circa!) genommen, gibt denZuckergehalt der untersuchten Rübenmenge.
Erfahrungsgemäß gehen Sauerstoff, Wasserstoff, Stick- und Kohlenstoffnebst Schwefel, Phosphor vorzüglich und viele andere unorganische Körperzur Bildung der vegetabilischen und thierischen Producte in die Organismen ein.Die Lebenskraft verwendet sie dort nach uns noch unbekannten Gesetzen zur Bildungder sogenannten näheren Bestandtheile der Pflanzen und Thiere. Man theilt jeneder Pflanzen gewöhnlich in Säuren, Alkaloide und indifferente Stoffe ein.
Zu den indifferenten Stoffen dieser Abtheilung gehören: der Pflanzenschleim,als Hauptbestandtheil und plastische Grundlage des rohen Pflanzensaftes, dasGummi, die Stärke, Pflanzeneiweiß, der Zucker, Pectin, Protci'nstoffe, fetteund flüchtige Oele, Harze, Chlorophyll und Lignin.
Unter diesen verdienen zunächst Stärke, Zucker und die Protemstoffe einenähere Betrachtung.
Die Stärke findet sich in großer Menge in den Samen der Getreide-arten, den Hülsenfrüchten, Kastanien, Kartoffeln, in den meisten Wurzeln,manchen Rinden, selbst in Obstarten und erscheint in mikroskopischen Kügelchenin den Pflanzenzellen abgelagert, welche Kügelchen aus concentrischen von außenangesetzten Lagen bestehen, deren Dichte in der äußern Schichte am Beträcht-lichsten ist (Rafpail's Hülle.) Wie sie gewonnen wird, lehrt die Technik (steheunten.)
Die Stärke ist geruch- und geschmacklos, im kalten Wasser unlöslich, solange die äußere Schichte unversehrt ist. Zerriebene Stärke quillt im kaltenWasser aus und wird davon partiell aufgelöst. Auch ist sie unlöslich im Alkoholund Aether. Mit Wasser bis 60 ° C. erhitzt, werden die Hüllen zersprengtund die Stärke bildet eine gallertartige, durchscheinende Masse (Kleister.) MitJod bildet die gewöhnliche Stärke einen tiefblauen Körper, daher es als bestesReagens darauf dient; mit einer andern Stärkeart, dem Jnulin, bildet Jodeine gelbe, mit der Moosstarke eine braune Berbindung.
Nom Zucker unterscheidet man mit Gewißheit zwei Arten, den Rohrzuckerund Traubenzucker; deren charakteristische Merkmale sind der süße Geschmack,und ihre Gährungsfähigkeit oder das Vermögen, in Berührung mit Ferment inAlkohol und Kohlensäure zu zerfallen.
Der Rohrzucker (im Zuckerrohre, Zuckerahvrn und Runkelrüben) bildet einvollkommenes, farbloses Aggregat von kleinen Krystallkörnern, als Kandiszucker^ber ausgebildete, regelmäßige Krystalle. Er ist im Wasser nach allen Ver-hältnissen löslich, im Alkohol um so weniger, je wasserfreier er ist. Bei160 o schmelzbar.
Der Traubenzucker (im Traubeusaste, den Pflaumen, Feigen und vielenanderen Früchten, im Honig, im Harn bei der Harnruhr w.) bildet farblose,N'enig harte, körnig-krystallinische Massen, schmeckt viel weniger süß als Rohr-zucker und ist im Wasser langsamer und weniger löslich. Schmilzt bei 100 ".Er wird auch aus Stärke durch Einwirkung von Diastas (stehe unten) oderSchwefelsäure gewonnen. Mit dem Diastas im Malze geschieht dieß beimVierbrauen und Branntweinmaischen, indem man auf 100 Theile Stärke 8Theile Gerstenmalz in 400'Theilen Wasser bis 70 ° C. erhitzt rechnet, wobeidas Stärkmehl zuerst in Dertringnmmi, dann in Dextrinzucker übergeht.
Wenn man mit 1000 Theilen Wasser 15 Theile Schwefelsäure mischt,siedet und nach und nach 500 Theile in Wasser gerührte Stärke einträgt, sowird nach mehrstündigem Kochen auch hier die Stärke in Dextringummi, endlich>u Dextrinzuckcr umgewandelt.
Neue Encyklopädie. Band l. Nro. 2.
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