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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

Unter Proteinstoffen versteht man die in allen Pflanzen vorkommendenstickstoffhaltigen Materien des Pflanzenreiches. Aus ihnen, nimmt man an, bildensich die stickstoffhaltigen Grundmaterien des Thierkörpers Albumin, Fibrinund Easein. Dem Thieralbumin entspricht der in allen Pflanzensäften und St-reichen Samen vorzugsweise vorhandene Pflanzen-Eiweißstoff, dem Thierfibrin(Faserstoff) entspricht der Kleber der Cerealien (Glutin, Mucin, Albumin), demEasein das Legumin der Hülsenfrüchte und mancher ölartigen Samen. Alleverhalten sich bezüglich ihrer Elementar-Zusammensetzung (Sauerstoff, Wasserstoff,Kohlenstoff, Stickstoff, etwas Schwefel und manchmal Phosphor) und bei derAuflösung in kaustischem Kali und Fällung durch Essigsäure als gelatinöserKörper Protein gleich. Sie sind im trockenen Zustande amorphe, weißeoder gelbgraue, geschmacklose Massen, die bei höherer Temperatur zerstörtwerden und viel Ammoniak liefern. In feuchtem Zustande gehen sie in stinkendeFLulniß über.

Aus dem Kleber (Mucin) der Getreidearten bildet sich beim Keimennamentlich der Gerste der stickstoffhaltige Körper, Diastas genannt, welcher,im Wasser gelöst, große Mengen von Stärkmehl in Traubenzucker zu verwandelnim Stande ist-

Von den Säuren verdienen Erwähnung: die Essigsäure, Aepfelsäure,Weinsteinsäure, Citronensäure, Gallussäure und Kleesäure.

Von den Pflanzen-Alkaloiden vorzüglich das Solanin, welches in denKräutern und Keimen der Kartoffeln gesunden wird. Es ist ein weißes, ausKrystallblättchen bestehendes Pulver, ohne Geruch, von widrig kratzendem Ge-schmacke, im Wasser wenig löslich, giftig.

Alle Organe und Gewebe des Thierkörpers bestehen zuletzt aus folgendennäheren und einfach zusammengesetzten Stoffen: dem Albumin, Fibrin, Globulin,Easein, Hämatin, den leimgebenden Geweben und Fetten. Zur Bildung desfesten Gelüstes dienen noch phosphorsaure und kohlensaure Kalkerde. Aus demAlbumin, -Fibrin, Globulin und Hämatin als Hauptbestandtheilen des Blutes,sind die meisten Organe und Gewebe des Körpers gebildet. Wie sie aus denPflanzen-Proteinstoffen (siehe oben) und aus Stärke, Zucker, Gummi und Fettenunter Einfluß der Respiration gebildet werden, oder Ernährung, Wachsthumund Reproduction zu erklären, ist Aufgabe der Physiologie.

Blut, Milch und Käsestoff sind die hauptsächlichsten Gegenstände derBetrachtung für den Landwirth.

Das Blut besteht, noch in den Adern, aus einer klaren Flüssigkeit undzahllosen darin schwimmenden, nur unter dem Mikroskop erkennbaren Kügelchen.Diese Kügelchen enthalten das Hämatin, oder eine Verbindung von stickstoff-haltiger Substanz mit Eisenoxyd, den färbenden Bestandtheilen des Blutes, und.das Globulin, eine dem Albumin ähnliche Substanz, die den Hauptlheil der-selben ausmacht. Die klare Blutflüssigkeit aber ist eine Auflösung des Albumin'sund Fibrin's. Dieses Letztere gerinnt, aus der Ader gelassen, sogleich, bildetden Blutkuchen und schließt die Blutkörperchen ein. Nach einiger Zeit scheidetsich das gelös'te Albumin als eine gelbe Flüssigkeit Blutwasscr darausab. Bis zu 70 " C. erhitzt, gerinnt das Blutwasser zur gelatinösen Masse.

Wird das Blut geschlagen, so scheidet sich das Fibrin in weißen, faserigenMassen ab, ohne die Blutkörnchen einzuschließen, die dann im Blutwasserbleiben.

Die Milch besteht aus Wasser, Fett, Easein und Milchzucker. Diebeiden Letzteren befinden sich in Auflösung, das Fett aber ist in Gestalt vonKügelchen (Butterkügelchen) darin snspendirt. Diese Fettkügelchen scheinen mit