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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Landwirthschaftüche Chemie.

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einer aus coagulirtem Casem bestehenden Hülle umgeben zu sein, die beimButtern zerreißt und das Aneinanderhängen der Buttertheile zu Einer MasseMöglich macht.

Außerdem enthält noch die Milch die gewöhnlichen extractartigen Materienund Salze der thierischen Flüssigkeit und darunter besonders Erdsalze und etwasEisenoxyd. Die festen Bestandtheile der Milch betragen überhaupt 1013 °/g(3 °/o Fett, 4 °/o Milch, 5 °/o Casem, >/- Salze.)

Die Milch coagulirt nicht beim Erhitzen, wohl aber durch Säuren, durchfreiwillige Säuerung und durch die Schleimhaut des Kälbermagens (i. o. desLabtheites Lab). Beim Abdampfen bildet sie auf der Oberfläche eine Hautvon coagulirtem Casem.

In der Ruhe scheiden sich auf der Milch die meisten Milchkügelchen abund bilden den Rahm, der specifisch leichter ist und oben schwimmt. Die darausdurch Zerreißen der Hüllen gebildete Butter hesteht aus Margarin, Elain undButyrin, die als Fettsäuren an Glycerin gebunden zu sein scheinen (Wühler).

Außer den noch problematischen Hüllen der Fettkügelchen ist wohl allesCasei'n in der Milch in Auflösung und läßt sich daraus abscheiden. Es ist demAlbumin und Fibrin als Protein-Körper sehr ähnlich, coagulirt bald, ist trockengelblich, gummiartig, geschmacklos und stellt, durch Lab bei 3040 ° C. er-wärmt, ein mit Fett vermengtes Coagulum dar, den Käse der durch Gährungeigenthümliche Veränderungen erleidet und ganz besondere Substanzen bildet(Äposepedin). Nach Abscheidung des Käsestoffes aus der Milch bleiben dieMolken übrig, aus denen, bis zur Syrupdicke eingedampft, der Milchzuckeranschießt, der sehr wenig süß ist, sich im Wasser langsam löst und mit Hefeversetzt in Alkohol und Kohlensäure durch die Gährung zersetzt wird.

Nachdem wir das Wichtigste aus der organischen Chemie erwähnt haben,in so weit es den Landbau angeht, sei uns verstattet, durch das Gebiet geo-gnostischer und geologischer Forschung auf die Agronomie überzugehen, wobeiaus der unorganischen Chemie die noch übrigen Stoffe Erwähnung finden wer-den, welche oben bei der speciell landwirthschastlichen Chemie nicht schon zurErörterung kamen.

Mineralogie Agronomie

Nach den Forschungen über die Felsarten, welche unsere Erde constituiren,wid über ihre Lagerung ( das ist nämlich Aufgabe der Geognosie) bestehtdie Erde hauptsächlich aus Kiesel-, Thon-, Talk- und Kalkerde, Mangan- undEisenoxyd, Kali, Natron, Kohlen- und Schwefelsäure (siehe oben bei chemischerBodenanalyse). Diese Körper sind entweder in einer homogenen Masse ohneOiaumunterbrechung als einfache Mineralien vorhanden, oder esÜnd mehrere von diesen einfachen Mineralien mit einander vereinigt alsZusammengesetzte Mineralien. Die Oryktognosie zählt dann weiterihre Arten aus und beschreibt sie, was bis auf die Verwitterungssähigkeit ein-zelner den Landwirth wenig berührt.

Sehr hartnäckig trotzen der Verwitterung die Quarzgesteine und ver-halten sich daher im Allgemeinen zur Vegetation sehr ungünstig. Nach ihremlangsamen, mechanischen Zerfallen bilden sie einen unfruchtbaren Schutt, grob-vder feinkörnig ohne pulverige Erdtheile, nutzlos für die meisten Vege-iabilien. Viel günstiger sind insofern die Feldspathgesteine, welche,lvie der Weißstem, der dichte Feldspath, der Trachyt, selbst der Gneis und derGranit, leicht verwittern, und noch mehr durch die dabei frei werdende Bei-