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Die Landwirthschaft.
Von der Zumischnng anderer Boden-Bestandtheile hängt die weitere Beurtheilungseiner Fruchtbarkeit ab. So erklärt Thaer einen Boden mit 75 Proccnt Thon,
10 —12 Procent Humus, 4—5 Procent Kalk und den Rest Sand für den frucht-barsten Boden und nennt ihn kalkhaltenden, humosen Thonbodcn. Je mehr derKalk- und Humusgehalt sich mindert, um so strenger wird der Boden und leidetsehr von Nässe und Kälte.
Wenn der Boden nur 30 — 50 Procent Thon enthält (das Ucbrige Sand,Kalk und Humus), so heißt er Lehm, wenn nur 20 —30 Procent Thon, dannsandiger L ehmboden und wenn nur 10—20, so heißt er lehmiger Sand-boden. Fällt der Thongehalt unter 10 und steigt jener des Sandes auf80 —90 °/g, so heißt er Sandboden. '
Die Fruchtbarkeit des Sandbodens hängt sehr von der Größe der Sandkörner(Gries, Schotter, Flußsand, Flugsand rc.), von Zumengung anderer Boden-bestandtheile und von der Zeit seiner Entstehung ab. Flugsand und Gerölle bildennächst nackten Felsen die unfruchtbarsten Gegenden der Erde.
Dasselbe gilt vom Kalkboden, der in einem Zustande (über Kreide und ver-witterten Kalktuff) sehr unfruchtbar ist.
Mergelige Bodenarten besitzen im Allgemeinen die größte, natürliche Produc- itivität, zumal wenn ihnen Humus beigemengt ist, dessen Wirksamkeit dadurch unge-mein befördert wird.
Sehr verschieden nach Art ihrer Entstehung wirken auf die Vegetation diesogenannten humosen Bodenarten, welche man weiter eintheilt: 1) in Moor- undTorfboden, 2) in humosen Haidebodcn, 3) humosen Waldboden, 4) humosenGarten- und Feldboden, 5) humosen Marschboden.
Tors ist eine zusammenhängende, aus mehr oder weniger verwerten Pslan-zenresten entstandene Substanz, welche brennbar ist und aus noch häufig kennbarenPflanzenrcsten und schon ausgebildetem Humus (Humussänre und Humuskohle)mit etwas Wachs und Harz besteht. Nach Alter und Wassermenge ist der Torfsehr verschieden und bildet von der lockern obern Schichte bis in die Tiefe hinabimmer dichtere Massen. Durch Zerfallen des Torfes entsteht der Moorboden,namentlich auf entwässerten Mooren, der wegen seiner physikalischen Eigenschaften,besonders wegen seines geringen Zusammenhanges und des Mangels an minera-lischen Stoffen eine geringe Fruchtbarkeit entwickelt.
Haidebodcn entsteht zunächst auf trocken gelegten Mooren, auf denendann Haidekraut wächst, das durch seine verwesenden Reste den Humus dortmehrt.
DerhumoseBodendcrWäldcrist verschieden nach der Beschaffenheitder Waldungen, des Bodens und der Fcuchtigkeitsgrade. Gerbsäurereiches Laub,wie harzreiche Nadeln geben einen unlöslichem und schlechtem Humus, als anderePflanzenabfälle. Am häufigsten ist der ein Uebermaß nicht enthaltende humoseGarten- und Feldboden, der in den Marschen von der Natur am Besten com-ponirt ist.
Nach den oben erwähnten physikalischen Eigenschaften wird der Bodennoch ferner eingetheilt in schweren, zähen, strengen, mürben oder lockern — nachseinem Zusammenhange; ferner in nassen, feuchten, frischen, trockenen, dürren,nach seinem Wassergehalte; dann in kalten, warmen oder hitzigen — nach seinerErwärmungsfähigkeit.
Nach seiner Thätigkeit bezüglich der Vegetation kennt man fetten, kräftiges,starken, trägen oder magern Boden; auch leichten und schweren kennt man, je nach-dem er eben zu bearbeiten ist. Nichts ist interessanter und verspricht mehr Erfolgefür die Zukunft agronomischer Untersuchungen, als die geognostissche Boden-