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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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tzandwirthschastliche Chemie.

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Beurtheilung. Daß der Boden größtenteils Product der mechanischen Zer-kleinerung oder Verwitterung der Gebirgsarten ist, ward schon erwähnt, daß dieseProcesse, durch Herabstürzen und Zertrümmern von Felsmaffeu, durch Wasser,welches gefriert und stark sich ausdehnende Pflanzenwurzeln, durch Einfluß derAtmosphärilien und des, chemische Wirkungen vermittelnden, an fremden Bestand-theilen oft reichen Wassers überhaupt, endlich durch die Pflanzenwurzeln selbstbeständig noch fortschreiten, ist eine bekannte Thatsache. Diesen Erde prodnciren-den Grundlagen nach hat Hundeshagen die Bodenarten in vier Hauptabthei-lungen gebracht:

I. in sehr kräftige (wohin sämmtliche Kalkformationen, Gyps, Mergel-lager , Trapp und vulcanische Formation, Talksteingebirge, Porphyr- undFeldsteinarten gehören).

II. mäßig kräftige (quarzreicher Thonschiefer, Granit, Gneis, Kiesel-schiefer, Grauwake, Glimmerschiefer, alter Sandstein und verschiedeneModifikationen desselben).

m. schwache (bunter Sandstein im Allgemeinen, jüngere Sandsteine überdem Muschelkalk, Molassen und Sandsteine der jüngsten Formation).

IV. sehrmagere (Schuttablagerungen und Triebsand).

Man hat dei?Boden auch nach den darauf wild wachsenden Pflanzen einge-theilt, was freilich sehr unbestimmte Resultate gibt. Diese Methode dürste nachden neuesten Erfahrungen über das Vorkommen der Pflanzen, in soweit dieß vomBoden bedingt sein soll, ganz aufgehoben werden.

Aus der Gesammt-Beachtung aller aufgeführten Boden-Eigenschaften ver-glichen mit der wirklichen natürlichen oder künstlichen Vegetation geht die Bestimmungder Güte des Bodens (Bonität) hervor, die aber noch besonders bestimmt wird:

1) von der Tiefe der fruchtbaren Bodenmischung;

2) vor der Unterlage der Krume;

3) von der geneigten oder ebenen Lage;

4) von den nächsten Umgebungen.

Es ist sehr schwierig, die Größe der Produktivität in Zahlen auszudrücken.Die Productivität eines Bodens ist gleichsam sein natürlicher Werth; sein gewöhn-licher Kauf- oder Tauschwerth ist aber sein künstlicher, der sich nach dem Reinerträgedes Bodens richtet.

Nimmt man alle auf die Fruchtbarkeit des Bodens Bezug habende Einflüssezusammen, wie wir sie oben in physikalischer, chemisch-geognostischer Beziehung auf-geführt haben, so erhält man auch wohl eine genaue, aber nur sehr schwer undunsicher anzustellende Schätzung. Man nennt diese von Thaer zuerst verfolgteMethode die chemisch-physikalische. Wird aber der Weg zu diesen Resul-taten praktischer und somit einfacher (oder umgekehrt) gemacht und urtheilt manzunächst nach der Anlage des Bodens, gewisse Pflanzen besonders hervorzubringen,so verfährt man nach der naturhistorischen Methode, welche insbesondere vonSchönleutner und nach ihm von Zier! berücksichtigt und sehr vervollkommnetwurde.

Schönleutner und Zierl zeigten zuerst, daß die Tiefe der Ackerkrumeeine von Thaer allzusehr vcrnachläßigte, aber sehr gewichtige Bedingung sei.Zierl stellte daher den Grundsatz auf:^ derjenige Boden sei der frucht-barste, welcher die pflanzennährenden Stoffe in gehöriger Menge enthält undbei einer entsprechenden Tiefe und Unterlage einen angemessenen Grad von Feuch-tigkeit und Zusammenhang besitzt, wodurch der günstige Einfluß der Atmosphäreauf den Boden bedingt wird.

Schönleutner hat zur Basis seiner Classification das Gedeihen der Futter-