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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Lmidwirthschast.

Winter und kühl im Sommer, Ostwinde trocken und frisch, Nordwinde kaltfür Europa doch immer sehr verschieden nach den verschiedenen Erdtheilen!

Als praktische Regeln werden folgende aufgestellt:

1) Ein regelmäßiger Gang der Temperatur ist der Vegetation beson-ders günstig.

2) Gleichförmiger ist dieser Gang in den meisten Gegenden der heißen Zone,und die Temperatur-Extreme sind geringer, als die in der gemäßigte», woNiederungen und Küsten wieder eine gleichförmigere Temperatur als hoch-gelegenes Binnenland und Gebirge haben;

3) da die Einflüsse der Temperatur auf Thiere und Pflanzen durch Vielerleisehr modificirt werden, da ferner der Charakter des Klima's (d. h. seinemittlere Temperatur und seine Extreme nebst den gedachten Einflüssen)auf die Erzeugung und Qualität der Pflanzen den größten Einfluß hat,die Kenntniß der mittlern Temperatur uns überhaupt zwar schon guteAnhaltspunkte für Beurtheilung möglicher Culturen gibt, aber docheine genaue Kenntniß der Extreme, ihrer Verthcilung und Einwirkunganf die Pflanzenwelt noch besonders nöthig ist, so kann man sich niemalsmit vereinzelten Daten über das Klima, namentlich der mittleren Jahres-temperatur allein, vielleicht gar noch mit Ausschluß der hygroskopischenVerhältnisse des Klima's begnügen, sondern es ist eine Zusammennähmealler eben angedeuteten Beziehungen zur Schlußfassung nöthig.

Ohne solche Zusammennähme hat man übrigens das Klima von Deutsch-land, wie folgt, landwirthschaftlich eingetheilt:

1) Das Wein-Klima derjenigen Gegenden, welche eine mittlere Tempera-tur von 812° R. besitzen, eine Vegetationszeit von 7 Monaten undeine Bodenbearbeitungszeit von 9 Monaten.

2) Der Hopfen (Hopfen-Klima) erfordert zum Gedeihen eine mittlere Tem-peratur von 7 8° R., eine Vcgetationszcit von 6 Monaten und eineBearbeitungszeit von 8 Monaten.

3) Das Wintergetrcide, worunter vorzüglich Weizen verstanden wird,erheischt eine mittlere Temperatur von 7° R., eine Vegetationszeit von5 Monaten und eine Bearbeitungszeit von 7 Monaten.

4) Sommergetreide gedeiht noch bei einer mittlern Temperatur von65 o N., bei einer Vegetationszcit von 4 Monaten und einer Bearbei-tungszeit von 6 Monaten.

5) Unter 5° R. hört der Getreide- und Ackerbau auf, und es beginnt dienatürliche Prodnction herrschend zu werden.

In wenig günstigen Klimaten gedeihen noch Roggen, kleine Gerste, Hafer,Buchweizen, Kartoffeln, Esparsette, Leinrc.; ein gutes Winterwcizen-Klima ver-langen der polnische, englische und Talavera-Weizen, die sechszeilige und nackteGerste, die Bart- und Himmelsgerste, die Feldbohne, Lucerne, Mohn, Reps,Krapp, Fenchel, Tabak und Weber-Distel; ein Hopfen-Klima wollen Mais, Hirse,Anis, Fenchel rc.

Eine landwirthschastliche Abtheilung der Erde in Zonen würde in die Tro-pen zunächst jene Culturpflanzen verlegen, deren Samenerzeugung höchste Auf-gabe ist; in die warme gemäßigte Zone jene mit schönster Fruchtbildung (Obst,Wein, Oliven, auch Cerealien rc.)in die mittlere gemäßigte Zone jene vor-züglichster Blatt- und Grünstopbildung überhaupt (Futterkränkr, Gräser); indie kalten Zonen die der vorherrschenden Wurzelentwickelung oder die amBoden hinkriechenden (Kryptogamen Alpenpflanzen).

Nächst der Wärme ist Feuchtigkeit der zweite wichtigste Factor deS