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Die Landwirthschaft.
Die Anwendung der Streu-Materialien richtet sich nach der Lebensweiseder Thiere, der Bodenbeschassenheit, für die der Dünger bestimmt ist, undnach der Einrichtung der Stallungen überhaupt. Auch die Menge der Einstreuist hiernach verschieden und rechnet man 3 — 4 Pfund für das Pferd, 4 — 6Pfund für das Rindvieh, ^ ^ Psd. für das Schaf und 2 — 4 Pfd. für das
Schwein täglich.
Einer großen Ausbildung fähig und viele Fortschritte versprechend, ist vor-züglich auch noch die Lehre von der Gründüngung. Nirgends hat mau sichin der Agricultur so breit gemacht mit Entdeckung und nirgends ist man wenigerden Alten voraus als hier. Schon Theophrast der Eresier kannte Gründüngungüberhaupt und richtige Anwendung derselben bei passender Zeit und mit denrechten Pflanzen, die noch jetzt die geschätztesten sind. Vorzüglich Giobertnahm sich um diese Düngungsweise sehr an. — Unter den Bedingungen, dieman für eine zum Behufe der Gründüngung gebaute Pflanze stellt, sind diewichtigsten: 1) sie soll aus der Atmosphäre" oder dem Untergründe mehr Nah-rungsstoffe, als aus dem gearteten Boden (der Krume) ziehen; z. B. dieFutterpflanzen, Hülseufrüchte, Buchweizen und Spergel, denen nur eine Er-schöpfung von ^4 tbres trockenen Erzeugnisses zur Last gelegt wird; 2) sie sollinsbesondere viel Stickstoff binden, sei es aus Boden oder Atmosphäre (?).Demgemäß wären allerdings die Alkaloide enthaltenden Giftpflanzen (wie schonHermbstädt vorschlug) die passendsten, wie Stechapfel, Schierling, Bilsenkraut.Ihnen zunächst nach dem Stickstossgehalte stehen die Blätter der Weißrüben(mit 4,66 o/g Stickstoff», der Runkelrüben, des Kopfkrautes, — des Klees, derWicken, Erbsen, Lupinen (0,43), des Spergels, Roggens und Buchweizens.In der That, hieraus könnte besser hervorgehen, daß die Classificatiouweniger nach dem Stickstossgehalte als nach dem Trockengchalte zu machenwäre, soll sie praktischen Werth haben. Sprengel ist auch so verfahren, wenner eintheilt:
1) Spergel enthält in 100 Theilen 22 Theile feste Masse,
2) Buchweizen „ „ „ „ 18 „ „ „
3) Wicken ,, „ „ „ 25 „ „ „
4) Reps „ „ „ „ 23 „ ^ „
5) Weiße Lupine „ „ „ „ 20 „ „ „
allein die Lupine gibt im Ganzen schon mehr Masse als die anderen, nächst ihrReps, dann Wicken und Buchweizen; 3) soll sich eine GründüngungS-Pflanzedurch Schnellwüchflgkcit und einen großen Ertrag an Stengeln und Blätternauszeichnen; 4) der Samen muß leicht zu gewinnen und darf nicht kostspieligsein.
Man hat zu Zeiten die grüne Düngung so hoch erhoben, daß man jedeandere Düngung dadurch ersetzen zu können glaubte. Allein da solche Pflanzendoch auch aus der Krume Nahrungsstosse brauchen und der Untergrund nachund nach erschöpft werden kann, so ist klar, daß endlich eine Zeit kommen muß,wo die Gründüngungs-Pflanzen nicht mehr gedeihen werden und diese Operationalso ihr Ziel finden wird. Nach Liebig'schcn Grundsätzen wäre dieß freilich beiüberflüssig atmosphärischen Düngmitteln nicht so bald denkbar. Wenn auchgleich bei der Gründüngung Ausfuhr und Bereitung wegfällt, so stellen sichdoch dafür die Kosten für Samen, Feldbestellung und der Entgang einer Erntegewichtig genug in die Wagschale. Auch ist wohl zu bemerken, daß bei diesermehr natürlichen Düngungsweise auch die Hauptwirküng aller Düngung —nämlich die physikalische Wirkung — stärker auftritt und somit mit dem Bodenvorsichtig in Einklang gebracht werden muß; auch wachsen solche Pflanzen nur