Landwirthschaftliche Chemie.
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gut aus einem Boden, der schon Pflanzennahrung enthält. Somit ist wohldie Gründüngung ein sehr wichtiger Behelf zur Bodenbereicherung, aber den-noch kann ihr Gebrauch nie so allgemein werden, als die des Stallmistes.
Der Stallmist ist ein Gemenge von Excrcmenten und Streu-Materialien.Es läßt sich denken, daß dieß Gemenge bei erforderlichem Wärme- und Feuch-tigkeits-Grade, sowie Luftzutritt bald in Gährnng übergehen wird, wobei sichdenn viele gasförmige Producte der Zersetzung verflüchtigen, der Nest aber immerweniger an Volumen und Gewicht, auch compacter — speckartig —, endlich selbstganz humificirt wird, dessen weitere Veränderung dann durch eine Reihe vonSäuren (Humin- und Humussäure, Ulmin-, Gein-, Quell- und Quellsatzsäure) undSalzen bekannt ist.
Die Geschichte hat uns oben gelehrt, daß man in älterer Zeit den Mistin der Regel nur erst nach langem Liegen anwandte. Mit dem Anfange diesesJahrhunderts begann sich, nachdem übrigens schon die praktischen Landwirthe(wie Münchhausen, Neichart, Lüders rc.) lange vorher den nicht zu sehrvergoltenen Zustand des Mistes als besten bezeichnet hatten — die Wissenschaftdamit zu befassen und der Stifter der Agricultur-Chemie, Humphry Davy,wollte zuerst den Mist immer frisch angewandt wissen, weil er durch Versuche diePflanzennährendc Eigenschaft der sonst entweichenden Gase kennen gelernt hatte.
Allein weder die Zeit erlaubt eine immer beliebige Anwendung frischenMistes noch auch die Umstände, welche die Landwirthschast selbst setzt. Auchist nicht für jeden Boden und jede Pflanzenart frischer Mist zuträglich, aller-dings aber für viele! Die Gährnng vollständig abzuhalten, ist ebensowenigökonomisch thunlich (Vorschlag, den Misthaufen mit Theer einzuhüllen!) und esbleibt Nichts übrig, als in der Mittclstraße zu verharren, d. h. den Mist jenach Boden und Pflanzenart, nach Zeit und Umständen, ja nach seiner eigenenBeschaffenheit bald im frischen, bald in schon etwas morschem öder selbst spcck-artigem Zustande anzuwenden, die Verflüchtigung von Gasen durch Bedeckenund Zumischcn solcher absorbircnde Körper möglichst zu hindern, sie selbst zufixiren, niemals aber im Allgemeinen einen Dünger zu weit in der Humificirungvorschreiten zu lassen. Gazzeri bemächtigte sich im zweiten Decennium unsersJahrhunderts dieser Frage zuerst und Thaddei, Blok und Körte folgten ihmnach, indem sie bewiesen, daß der Mist bis zur Erreichung eines mürbenZustandes schon 16 — 25 °/g verliere, meist durch Bildung von entweichenderKohlensäure, kohlensaurem Ammoniak und geschwefeltem Wasserstoffgas; bis erspeckartig wird, d. i. keine Ammoniak-Entwickelung weiter mehr vor sich geht(Einhof) und die Streu-Materialien ihr organisches Gcfüge völlig verlorenhaben, verliert er 50°/, und bei seiner völligen Humificirung selbst 85 °/,, sodaß 100 Theile Stallmist geben 15 Humus, der wieder aus 5 Theilen anor-ganischen Substanzen oder Asche, 4 Theilen enger gebundenem Wasser und 6Theilen organischen Resten besteht. Es gibt eine volle Düngung von 250 Ctr.Stallmist auf einen Morgen 12'/> Ctr. unorganische Stoffe.
Vor Allem auch ist die Einrichtung einer guten Dungstätte wesentlich zum Ge-deihen ackerbaulichen Betriebes. Dieselbe sei so nahe als möglich beim Stalle, mehrauf der nördlichen als südlichen Seite, horizontal und dem Zuflüsse von Wasser nichtausgesetzt. Der Boden muß mit Steinen belegt oder jedenfalls wassernndurchlassendsein, die Jauche und Gülle sammle sich in einem eigenen Behälter nebenan, vondem aus sie durch eine Pumpe über den Mist oder zur unmittelbaren Verwendungherausgebracht werden kann.
Bequemer Zu- und Abfluß und Abtheilung des Haufens in zwei Theile, umden frisch er,i nicht mit dem schon viel ältern zusammenzubringen, sind sehr räthliche