Landwirthschaftliche Chemie.
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zieht endlich viel Feuchtigkeit aus der Lust an, die es dem Boden zuführt.25 — 50 Pfd. auf einen Morgen soll schon starken Effect machen; Andere wollenaber 16 bayr. Metzen anwenden! Pfannenstein, Dornstein.
Der Kalk kommt als Aetzkalk, als schwefelsaurer (Gvps) und phosphvr-saurer Kalk (gebrannte Knochen) in Anwendung. Daß der Aetzkalk freie Säuren,im Boden vor Allem die Humussäure ncntralisire und so den Pflanzen besseradaptire, ist gewiß ein Grund seiner Wirksamkeit, noch mehr sein Einfluß aufdie schnelle Zersetzung organischer Reste, allein insbesondere wichtig auch ist seineWirkung aus nicht aufgeschlossene, aber an Pflanzen-Nahrung reiche Mineralien,z. B. Urgebirgs- und vulkanische Gesteine, wie Granit, Gneis und Glimmer-schiefer. Er wirkt hier nämlich auf die Befreiung der Alkalien aus festen Ver-bindungen fordernd ein. Ist er damit aber zu Ende und sind auch keine organischenReste mehr da, so hört seine Wirkung auf. Die Kalkdüngung soll das Reifender Früchte beschleunigen und besonders den Getreidearten, den Hülsenfrüchten undden Kartoffeln, welche davon mehlreicher werden, Vortheilhast, dagegen aberdem Flachse schädlich sein (Zierl). Man soll in England 80 bayr. Metzen fürden Morgen anwenden, doch möchten auch schon 10—20 Metzen von Wirkungsein. Auch kohlensaurer Kalk, der so häufig im kohlensäurehaltigem Wasser ist,wird namentlich in den Mergeln als Düngermittel gebraucht.
Mehr als sechzehn verschiedene Ansichten waren noch nicht im Stande,die Wirkungsweise des Gypses in's Unzweifelhafte zu stellen. Doch aber neigtman sich mit den besten Gründen der Annahme Braconnot's, Bemrd'S,Sprengcl's, Hlubek'S rc. zu, daß derselbe nämlich durch seinen Schwefel-gehalt (in seiner Schwefelsäure) als directes Nahrungsmittel diene, und zwarzunächst in Form von Schweselwasscrstoffgas, das sich aus kohlensäuerlichcmGypswasser in der Sonne entwickelt. Auch durch Firation von Ammoniak, durchBildung von schwefelsaurem Ammoniak im Miste wirkt derselbe.
Salpetersäure Salze sind von außerordentlicher Wirkung als Dünger-Materialien, und ihre Anwendung ist mehr als 200 Jahre alt.
Auch R u ß und schweselhaltige Kohlen (Oppelsdorfer Kohle) werdenals Dünger-Materialien mit viel Erfolg angewandt.
Die Asche wird unausgelaugt oder ausgelaugt als Holz- oder Torfascheangewandt. Im ersten Zustande ist sie natürlich am Wirksamsten, denn sie ent-hält da viele pflanzennährende Verbindungen, freilich nach der Holzart und demBoden, worauf diese wuchs, sehr verschieden. Weniger wirksam als Holz-asche ist jene des Torfes und der Steinkohlen, welche in der Regel keine Salzevon Alkalien enthält, sondern aus kieselsauren Verbindungen mit ätzendem undhalbgebranntem Kalk, Gyps und Spuren von phosphorsauern Salzen besteht.Da die Zusammensetzung all' dieser Stoffe sehr verschieden ist, so ist auch dasQuantum, in dem sie angewandt werden, sehr verschieden. Auf Wiesen, be-sonders auf feuchten, bringt Holzasche zu 6 —10 Ctr. angewandt, schon sehrbedeutende Wirkung hervor, fördert namentlich die Entwickelung der Kleeartcnund tritt der Moosbildung entgegen. Die Anwendung von Äsche überhauptrichtet sich indessen besonders nach ihrer Zusammensetzung und jener des Bodensselbst. Eine Änalyse beider wird bald zeigen, wo und wie angewandt Aschewirksam ist.
Bedeutender als bei der Asche tritt die physikalische Wirksamkeit der mine-ralischen Dünger-Materialien beim Thon und Mergel auf, auch wenn sievorher gebrannt werden und nicht bloß als bleibende Verbefferungsmittel dienen.Im Mergel finden sich außer Thon, Sand und Kalk auch noch sehr verschiedene,aber nicht constante Bestandtheile, wie Alkalien, phosphorsaurer Kalk, Kochsalz,