120
Die Landwirthschaft.
Gyps, Salpeter, selbst humusartige und erdharzige Substanzen. Daß derThon durch das Brennen an Cohäsion verliert, weiß man wohl, nicht minderaber darf angenommen werden, daß er dadurch an Auflöslichkeit bezüglich derDarreichung von Nahrnngsstoffen gewonnen hat und der Mauerschutt, sowiezerfallene Ziegel- und Backsteine haben ihre Eigenschaft als pflanzennährendlängst erprobt. Noch mehr gilt dieß vom kalkhaltenden Thone, der endlichMergel wird. Außer der durch Brennen sich ausschließenden Kieselsäure, Thon-erde und Alkalien, ist's auch vorzüglich der so gebrannte Kalk, der kräftigerwirkt. Das Brennen des Thones als Befruchtungsmittel der Felder ward voretwa 20 Jahren mit marktschreierischen Zierrathen vom Engländer Beatson alsRadikalmittel aller landwirthschaftlichen Cultur empfohlen, ist aber seitdem aufseinen wahren Werth, wie wir ihn eben dargcthan haben, zurückgeführt worden.
Eine der giltigsten Erklärungsarten de'- Wirkung des Mergeins istoffenbar jene von Körte, welcher darin Steigerung der Absorptions-Fähigkcitder Ackererde bezüglich der den Pflanzen zusagenden Gasarten und die Bildungneuer Verbindungen, namentlich salpctersaurer Salze, steht, eine Ansicht, welchezugleich auch wichtige und förderliche Aenderung des Einflusses der Wärme undFeuchtigkeit — des Klima's — auf die Vegetation in den Vordergrund stellt,deren Wichtigkeit wir schon oben angedeutet haben. Hlub ek nimmt geradezu dieBildung von salpetersaurcn Salzen durch den Mergel an. Es darf indessennicht entgehen, daß der Mergel auch noch anderswie durch seine sehr mannig-faltigen Bestandtheile fördernd auf die Vegetation wirken muß. Als Grund-regeln für das Mergeln mag man annehmen, daß solches zunächst nur da mitVortheil geschehe, wo dadurch die Thätigkeit des Bodens, zumal bezüglich derZersetzung organischer Reste — gefördert wird, daß man deßhalb mit Stallmistfleißig zur Seite stehe und die herrschende Bodenart bezüglich der vorherrschendenBestandtheile des Mergels berücksichtige (auf Sandboden, Thonboden rc).Lein, Klee, Hafer, Gerste und Möhren sollen in Trabant auf gemergeltenAeckern besonders gut gedeihen.
Beurbarrrirg.
Was Düngerarten für bleibende Verbesserungen wirken oder die Agronomiehiefür und für Beurbarung überhaupt zu thun lehrt, ist schon erwähnt worden,nur vom hinwegzuräumenden Ersten der bedeutendsten Hindernisse der Cultur magnoch in Kurzem die Rede sein.
Selten liegt es in der Gewalt des Landwirthes, die Hindernisse ökono-misch zu beseitigen, welche das Klima setzt oder welche mangelnde Krume oderSeichtigkeit derselben bietet, öfter aber gelingt es ihm, überflüssige Feuchtigkeitzu entfernen und die fehlende zu verschaffen.
Das Umfrieden der Grundstücke mit Hecken und Bäumen, das man inEngland so gar wesentlich für eine gute Cultur hält, ist nur von schwacherWirkung, um Winde abzuhalten und Feuchtigkeit zu mehren, leicht werden auchschädliche Thiere nur um so zahlreicher gelockt und der Raum zur Nutzungvermindert.
Mangelnde Krume durch künstliche Erhöhung mit Menschenhänden undZugkraft zu ersetzen, ist selten ökonomisch thunlich, häufiger aber durch Auf-schwemmen, wo Wasser, das Schlamm und Erde führt, gegeben ist. DiesesErhöhen der Krume durch Stau-Bewässern und Anschwemmen dürfte gar viel