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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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öfter anwendbar sein, als man gewöhnlich glaubt und was, wie Fossornbronigezeigt hat, einen sehr wichtigen Theil der Bewässerungslehre bildet.

Die Verbesserung des Landes durch Bewässerung und Anschlemmen wirdbeim Wiesenbaue näher erörtert werden. Nur der Entwässerung wollen wirnoch etwas genauer gedenken. Um hierin sicher vorzuschreiten, ist durchausnöthig, vorerst die Ursachen des Wasser-Ueberflusses aufzufinden. Dieser ent-steht nun entweder aus dem Untergründe oder durch Rückstauung und Ueber-strömen von Bächen und Flüssen, oder endlich durch übermäßige atmosphärischeNiederschlägt, deren Uebermaß weder durch den Untergrund versinken, noch ander Oberfläche verdunsten oder abfließen kann. Am Fuße großer Gebirgszüge,denen sich weite und sehr flache Hochebenen anlagern, in den Niederungendes Flachlandes gegen das Meer zu entstehen oft genug Quellen tief unter derErde, imprägniren, da sie sich nicht immer zu Flüssen oder Bächen vereinigen undabfließen, den Boden in großer Ausdehnung und geben einer eigenthümlichen Halb-sumps-Vegetation den Ursprung, deren vermodernde Reste im kalten Wasser eherverkohlen, denn verwesen und nach und nach eine, je nach dem Wasserzuflusse immerwachsende Schichte von Torfmasse bilden. So die meisten Moore im südlichen undnördlichen Deutschland. Aber auch durch Rückstauen der Flüsse bilden sich Moore,wie nicht minder in muldenförmigen Thälern durch Regenmenge, durch unterirdischeQuellen selbst an Abhängen, in Thal-Einschnitten oder mitten in fruchtbaren Wiesen(Filze).

Durch menichüchen Scharfsinn und ausdauernden Fleiß hat man indessen aufoft sehr großartige Weise für den Ackerbau ausgedehnte Moorländereien gewonnen.Gering zwar ist der zn erreichende Grad der Trockenlegung, der durch Vermehrungder Verdunstung erzielt wird, nicht viel größer jener durch künstliche Vorrichtung,wie Pump- und Schöpfwerke rc. erstrebte, auch durch Ableiten des Wassers in denUntergrund wird selten viel ausgerichtet; es bleibt das Hauptmittel zur Wasser-ableitung Gräbenziehen, bald zur Sammlung bloß, bald auch zum unmittelbarenAbflusse, wo es die Lage vergönnt. Die Einrichtung der letzter,, Entwässernngsartist aber verschieden, je nach der Art der Entstehung des Moores, der Größe- undLage desselben. Der günstigste Fall ist, wenn man bei vorhandenem Gefälle dasWasser zum Abzüge, anderes aber auch wieder Behufs der Bewässerung znn, Zuflüssebringen kann, denn Nichts ist bei Entwässerung mehr zu vermeiden, als aus derWassersucht in die Dürrsucht zu fallen, zu welcher sich Moorerden ohnedem so sehrneigen. Vor Allem auch muß man mit sich im Reinen sein, wozu die entwässerteFläche ferner am Besten benützt werden könne, ob nämlich zu Feld, Wald oderWiese. Darnach ändern sich dann bedeutend die Entwässerungs-Pläne. Für dieUmwandlung in Ackerfeld sprechen günstiges Klima für Cerealienbau und derdiesem zusagende Boden, vor Allem Fähigkeit, mit Ackerwerkzeugen jeder Zeit be-liebig bearbeitet werden zu können. An, Häufigsten ist Mangel an mineralischenBestandtheilen des keine Bindung besitzenden Bodens ein großes Hinderniß derUmwandlung der Moorflächcn in Ackerland und lassen sich solche Bodenarten aus derNähe oder dem Untergründe ökonomisch beischaffen, so ist das ein großes Glück.

Ueberschuß an Feuchtigkeit, auch nach der Entwässerung noch, läßt meist nurmehr Wiese,,-Anlage zn, welche weder für Klima noch Boren oder Bearbeitungso empfindlich ist, ja zum größten Vortheile einschlägt, wenn die Feuchtigkeits-Verhältnisse bis zum beliebigen Bewässern wieder geregelt werden können.

Wald-Anlagen in theilweise entwässerten und ausgetorsten Moorenhaben zwar den Vorzug der wohlfeilsten Einrichtung und die größte Hoffnung aufspätere gute Verwerthung, allein man muß wohl den Nachwuchs des Torfes ineiner bestimmten Zeit mit jenem des Holzes als beide Brenn-Material liefernd