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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Sandwirthschast.

in Anschlag bringen und die klimatischen Einflüsse nicht vergessen, die durchWälder erzeugt werden, vorzüglich auch die größere Zurückhaltung von Feuchtigkeit,die dadurch an ohnedem überseuchten Stellen leicbt wieder gesetzt wird.

Was weiter sich durch meteorische Einflüsse, Ucbcrschwemmnngen, Verhee-rungen durch Thiere, durch Steine, Gestrüppe, Unebenheiten rc. dem Ackerbauentgegenstellt, gehört der kleinern landwirthschaftlichen Doctrin an und findethier keine passende Berücksichtigung.

Bodenbearbeitung

Die Kenntniß der BodenbcarbeitungS-Werkzeuge und ihres richtigen Ge-brauches umfaßt den wichtigsten Theil der landwirthschaftlichen Jnstrumentalistikund der Agrologie.

Eine jedenfalls sehr praktische Eintheilung der Bodenbearbeitung und derdazu nöthigen Werkzeuge ist die bekannte: 1) tief lockern und ganz wenden,2) tief lockern ohne zu wenden, 3) tief lockern und theilweise wenden, 4) ober-flächlich lockern, 5) pulvern und krümeln und 6) ebnen und zusammendrücken.

Wendung mit tiefer Lockerung geschieht zunächst, um dem Boden jenenZustand zu geben, in dem er für den Samen zum Keimen, wie zur Entwickelungder Pflanzen überhaupt am Passendsten ist, auch um die Erde mit den Atmo-sphärilien in bessere Berührung zu bringen und die in den Untergrund gezogenenbefruchtenden Stoffe wieder an die Oberfläche zu heben, ferner um Grasnarbenzu vertilgen, Samen unterzubringen und Knollen zu ernten, Unkraut zu zer-stören, Dünger zu bedecken und mit dem Boden zu mischen. Wenn nicht amBesten, so doch am Wohlfeilsten geschieht dieß zur Zeit mit dem Pfluge, derdabei die Aufgabe erfüllt, einen Erdstrcifen von bestimmter Breite und Tiefehorizontal mit der Oberfläche und perpendicnlär vom festen Lande abzutrennenund bei der Wendung mehr oder weniger zu lockern.

Wir haben nicht nöthig, hier weit zurück in die Geschichte des Pflugeszu greifen, da wir schon oben darüber Vieles angeführt haben; aber derHauptgegenden, von denen aus eine Reformation dieses nothwendigsten land-wirthschaftlichen Geräthes ausging, sowie der Hauptarten desselben überhauptwollen wir doch noch gedenken.

England ist's vor Allem, dem man frühe Vervollkommnung landwirth-schastlicher Instrumente zuschreibt und, wie wir gleich sehen werden, die Nie-derlande nicht minder. Schon von Fitzherbert, der im 16. Jahrhundertschrieb (1532) (siehe oben), wird der schottische Schwingpflug als gemeinangegeben. Auch die diesem ähnlichen englischen Schwingpflüge sind dort schonvon uralter Bekanntschaft. Indessen waren die alten normännischen und angel-sächsischen Pflüge Räderpflüge.

Blythe zeichnet (1652) mehrere englische Schwingpflüge ab, die zumaldem noch jetzt üblichen plnin plouZll ähnlich waren. v. H annn nimmt an, daßhiernach zuerst durch Foljambe die Rotherham-Pflüge gemacht worden seien.

Nach Amos war es aber ein gewisser L um uns, der zuerst den Pflugnach mathematischen Grundsätzen erbaute und diese Kenntniß in Holland er-langt haben soll (1730). Er hielt sein Verfahren geheim und nahm ein Pa-tent darauf. Aber Pashley, ein Pflugmacher zu Kirkleathem, kannte diesePflüge und erbaute mit seinem Sohne zu Rotherham die berühmten Rother-hamer- oder Patent- oder holländische Pflüge. Nach Anderen wurden indessen