Pflanzen - Pathologie.
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mehr ausbreitet, ist eine unbestrittene Thatsache gründlicher Naturforschung.Woher aber die erste Ursache seines Entstehens? Ob durch seine eigenen Keim-körner, ob übergetragen von anderen Brandpilzen verschiedener in der Nähewachsender Pflanzen, ob endlich gar durch abnormes Verhältniß der alleinnährenden unorganischen Substanzen — oder, wie wahrscheinlicher wird, durchStörung der Ernährung und des Entwickelungs-Processes der Pflanzen selbst— das ist noch weiterer Beobachtung zum Entscheide hinterlassen. Gewiß sindstörende Feuchtigkeits-Verhältnisse, Temperatur-Extreme, fehlerhafte Boden-mischung und Düngung, zu große Bestocknng u. dergl. — Grundursachen üblenGedeihens überhaupt und dieser Krankheit insbesondere, nicht bloß aus derPilzentwickelung aus krank gewordenen Organen, sondern noch anderer, wenigerdurch Stanbpilz-Bildung charakterisiern Pflanzenkrankheiten.
Im Zusammenhange mit unseren Ansichten über vorherrschenden Einflußder klimatischen Constituenten — Wärme und Feuchtigkeit — aus Vegetationüberhaupt und auf Erkrankung derselben bei ungünstigem, weil allzuraschemVorherrschen ihrer Extreme oder, was dasselbe ist, ihres Charakters — zu-! sammenhängend mit der wichtigsten Wirkung der Bodenarten auf die Vege-tation durch die physikalische Seite ihrer Eigenschaften erklären wir alle, oben-genannten Krankheiten als in den vorherrschenden oder überwiegenden Ein-flüssen der Witterungs - Extreme gegründet, demgemäß auch mit diesen stärkerauftretend oder verschwindend, und nur heilbar durch sehr umfassende, groß-l artige Maßregeln, die aber freilich zumeist an dem Princip des höchsten Rein-ertrags scheitern.
! Gelbe, braune, rostfarbene Flecken, welche aus verschiedenen Theilen einergroßen Menge von Pflanzen vorkommen und kleine staubartige Körper bildend,die Pilze sind, nennt man Rost. Einige Abarten ausgenommen ist der Rostunserer Getreidearten, an denen er viel häufiger als Brand ist, niemals soschädlich als Brand.
Der sich entwickelnde Eicrstock des Roggens wird bei plötzlicher naßkalterWitterung — bei Extremen — gern krank, läßt dann einen pilzartigen Aus-wuchs aus sich wuchern, der selbst mit das Mutterkorn bildet.
Feuchtwarme, schattige Orte erzeugen bei Plötzlich eintretender naßkalterWitterung aus den erkrankten Blatt- und Stengelgebilden der PflanzenSchimmelbildnng, die man Mehlthau nennt.
Ebenso wirken Witterungs-Extreme auf Zersetzung der Pflanzensäste, Aus-scheidung süßen Stoffes aus den Blättern und Erzeugung vieler Blattläuse im! Gefolge — Honigthau.
Es ist eine alte Beobachtung, daß die Kartoffel nur in sofern vonder Bodenbeschaffenhcit ihres Standortes viel abhängt, als dieser die klimati-^ schen Jnflnenzien für ihr Gedeihen zu modificireu im Stande ist. Heißt sie! auch deßhalb die genügsame, so ist sie's erfahrungsgemäß doch keinesweges in
> Bezug auf das Klima. Wenn wir recht verstanden haben, so wurde von^ einem der größten Pflanzen-Auatomen nnd Pflanzeu-Physivlogen unserer Zeitbei der Versammlung der deutschen Land- und Forstwirthe in Gratz dieErklärung gegeben, daß kaum eine andere Pflanze als die Kartoffel, aus einerbestimmten Fläche — an Kraut und Knollen — so viele von der Cuticuladirect nicht überzogene Stellen habe, daß an diesen demgemäß eine sehr unmit-^ telbare Communication des Zeitlebens mit den umgebenden Medien stattfindenMüsse. Aber vor Allem ist der freie Einfluß der Atmosphärilien Grundsatz inder Theorie ihres Anbaues, lockerer und oft gelockerter Boden erste Bedingung.Wer denkt hier nicht an die atrin wordoruin der Alten? Wer nicht an die