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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

nothwendige große Empfindlichkeit des unterirdischen Kartoffel - Rhizoms gegenextreme Witt'erungs - Erscheinungen ? Auch die in vielen landwirthschaftlichenZeitschriften neuerlich geäußerte Meinung, daß Frost das Kartoffelkraut imAugust zerstört und Die Knollen krank gemacht habe, spricht für uns, nur wardie Wirkung der Temperatur-Extreme noch über 0° nicht gerade die des Eis-srostes. Mögen in der Atmosphäre vorhandene Pilzsporen oder Jnsectenlarven,mögen unbekannte Aenderungen der Mischungsverhältnisse der atmosphärischenLuft, zu große Wasseraufnahme, oder Uebermaß an Stickstoff den Erschei-nungen der Kartoffelfäule zur Seite gehen, oder selbst als entferntere Ursachenmitgelten, uns genügt darin die Meinungen von sehr großen Autoritäten füruns zu haben, vorzüglich aber auch aus dem analogen Berhalten vieler andererGlieder der Pflanzenwelt, wild oder cultivirt nachweisen zu können, daßhäufigeres Auftreten der Wittcrungs-Extreme, im Connex sich mehrend, vongrößter Bedeutung für Beantwortung dieser Frage ist.

Wenn doch unter so vielen sich widersprechenden und allem Pressen inein System widerstehenden Beobachtungen einige allgemeine und constante sind,wie z. B. plötzliches Erscheinen der Krankheit in den durch Extreme der Wärme *)und kalte Nässe ausgezeichneten Monaten Juli und August (wie in den vor-hergehenden Jahren bei extremer Nässe und Kälte überhaupt), heftigstes Er-scheinen auf den Gebirgen im Süden, wo dieselben Extreme in der Regel !schon häufiger als in den Niederungen find, vorzugsweiscs Ergriffensein derfrüheren, in den genannten Monaten schon mit Knollen versehenen Kartoffeln(während die Spätsvrtcn durch frühere Trockenheit aufgehalten, nun erst Knollenansetzten, daher auch weniger gut reiften, aber der Krankheit mehr entgingen) -die Erfahrung, daß die unter Schuß von Bäumen (an Waldsäumen) gepflanztenKartoffeln gesund, während andere, die daneben der Witterung mehr exponirt, ^krank waren, endlich die historische Parallele, welche zeigt, daß in den Jahren1778 und 79 dieselbe Krankheit in Belgien (Oudenaarde) (Bot. Zeitung 35.1846 aus dlotioo sur In ologue äö In POIMNS st6 torro, pur It. 6. Ou Llortisr. .Lruxolles, 1845) seuchenartig verbreitet war, aber nach drei Jahren, ohne Hilfe ider gekrönten Preisschriften, wie es scheint, von selbst verschwand, daß aberdas Jahr 1779, gemäß meteorologischer Beobachtungen, dem Jahre 1846 amAehnlichsten war <Prof. Stieffel, Münchn. polit. Zeitnng) soll dieß Allesunseren Ansichten und den Folgerungen daraus keinen Halt zu geben im Standesein? Freilich ist damit die proximu «muss nicht erschöpft, wir aber möchtenwissen, bei welcher Theorie nicht noch eine Frage mehr bliebe?

Pflanzenkunde. I

An Nichts hat die Landwirthschaft seit je mehr gelitten,'als an einem !Uebermaße blähender und unverdaulicher Lehren, welche ihr, von oft kaum ge-borenen, jedenfalls aber noch unreifen wissenschaftlichen Hilfsschwestern, oderauch selbst von bevormundender Superklugheit kecker Adepten der Staatslenker-schaft und ihren Gesetzen geboten, ja oft ausgenöthigt wurden.

So kaum aus dem Bedürfnisseerdbauender" Menschen, also aus demAckerbau vor Allem erwachsen, entwich raschen Schrittes, doch erst vom huma- i

*) Noch selten sah man vielleicht sr> allgemein doppeltes Treiben und Blühen von Bäu-men in so großer Ausdehnung als dieses Jahr (184U), wo wir von Wien bis Münchenblühende Kastanien-, Aepfel- und Birnbäume an Straßen und Wegen in Menge sahen.Ebenso in Berlin (siehe allgemeine Gartenzeitung).