Pflanzenkunde.
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uistischen Mittelalter verführt, — die Pflanzenkunde aus den heimathlichenFluren, denen sie entsprossen war, warf sich in taxonomischcs Gepränge luf-tiger Systeme, schuf sich eine schwülstige Hofsprache oder Terminologie, verlegtesich vor Allem aus genaueste Untersuchung ihres Reiches mit dem stärkstenMikroskop, aber selten nur warf sie dem wichtigsten Bedürfnisse des verlassenenAckerbaues einige helfende Blicke zu, selten und erst ganz spät gelang es, dieanatomisch-physiologischen Verhältnisse des Pflanzcnlebens, die geographisch-geschichtlichen Momente desselben und ihren Chemismus, oder endlich die prak-tische Application ans Pflanzenbau überhaupt ihrer Gunst zu empfehlen. Unddoch ist es nur dieses, was uns zunächst, — die Erwerbssüchtigen! — regeTheilnahme erwirbt. Darauf allein auch legen wir hier Gewicht und begnügenuns mit der Plünderung des für uns brauchbaren Schatzes in der Physiologieund Anatomie, der Beschreibung ökonomisch nutzbarer Pflanzen und den geo-graphischen Verhältnissen derselben.
Im Anfange des 17. Jahrhunderts hatten bereits die Forschungen einesGrew (si 1711), Malpighi (st 1694) und Leuwenhök (j- 1723) be-gonnen, durch mikroskopische Untersuchungen der Pflanzcn-Anatomie und Physio-logie die nöthige Stütze zu geben. Auch praktischen Nutzen suchte Chr. Wolflch 1754) daraus für die Landwirthschast zu ziehen, freilich in sehr vereinzeltemStreben in Deutschland, aber nicht so in England, wo Bradley und Blair,vorzüglich aber Steph. Hales (si 1761) noch sehr werthvolle Versuche ange-stellt haben.
Des großen Linnä Erscheinen selbst trug nur dazu bei, die Hauptrichtungder Botanik jener Zeit geradezu auf die weitwendigste Description zu fixiren,Und bis in's 19. Jahrhundert blieb sie oberste Aufgabe dieser Wissenschaft.Freilich geschah inzwischen Tüchtiges von Needham (si t781), von denSaussure's und von Bonnet, und vor Allen der Praktische Du Hamel deMonceau, endlich Mirbel, Link, Nudolphi, Treviranus, Kiefer,Du Trochet, Mayer, Mohl, Schletden, Unger rc. legten den Grundzu dem so glanzvoll sich hebenden Neubau ächt wissenschaftlicher und brauchbarerbotanischer Forschung.
Der Pflanzeukvrper, lehrt diese neueste Forschung, besteht aus mehr oderminder deutlich unterschcidbaren und häufig auch mechanisch trennbaren kleinenTheilchen, den Elcmentar-Theilen, oder Elementar-Organen, deren eineElementar-Form die Zelle ist. Die Zellen verschmelzen oft in ein neues, vonihnen dann sehr verschiedenes Ganzes, das man dann abgeleitete Elcmentar-Drgane oder Gefäße nennt.
Man unterscheidet sehr verschiedene Formen von Zellen; ihre Grundformist aber die Kugel, ihre Wand eine dünne, wasserhelle Haut, an der man selbstMit den besten Instrumenten weder eine körnige, noch eine faserige Strukturerkennen kann. Die Zelle wächst durch Einschiebung neuer Urtheilchen zwischendie bereits vorhandenen und durch Anlegen ähnlicher Theile an die Innenseitever Zellhaut, welches oft bis zum Verschwinden des Lumen der Zelle geschieht.
Auch an der Außenseite der Zellhaut geht eine Absonderung von Zellstoffvor sich, wodurch ein gleichartiges Häutchen oder eine Art Ueberzug (entieulu)gebildet wird.
Die Zellen verbinden sich zu Geweben, die nach ihrer Form und Verbin-dungsweise verschieden sind (Merenchyma und Parenchyma, Fasergewebe, oderProscnchyma). Als Ansangstheile der Oberhaut, die ganz aus Zellen besteht,Werden Warzen, Borsten, Haare, Schuppen und Dornen betrachtet. In derOberhaut befinden sich die Spalt-Oeffnungen. Endlich bilden mehrere gehäufte