Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
135
JPEG-Download
 

Pflanzenkunde.

135

wenn sie durch eine organische Haut bloß getrennt sind. Die daraus folgendeVolumen - Zunahme bedingt einen weitem Austritt der Flüssigkeit (Exosmose).

Die so in die lebendigen Zellen eingedrungenen Stoffe werden nun weiterdurch die Lebenskraft der Pflanze in wesentliche oder unwesentliche Pflanzen-bestandtheile umgeändert asstmilirt. Was und wie daraus vorzüglich dienächst häufigsten Verbindungen, wie Stärkmehl, Gummi, Zucker und Schleim,gebildet werden, harrt noch weiterer Entscheidung.

Mit der Bildung der assimilirtcn Stoffe ist ihre Verwendung für dieErhaltung und Vergrößerung der Zelle nothwendig verknüpft dieß ist Er-nährung (Nutrition) und hängt mit der eigenthümlichen Bewegung des Zellsastesin der Rotations-Strömung und Emulation innig zusammen.

Die Ursache der aussteigenden Bewegung der Saftmasse ist lediglich die-selbe, durch welche die Aufnahme der Nahrungsflüssigkeit von außen erklärtwird, also die Endosmose. Die Concentration des Zellsastes nebst seiner quan-titativen Ausbildung ist vorzüglich nicht bloß als Ursache, sondern auch alsrichtunggebend für die Saftbewegung anzusehen.

Der rohe Nahrungssaft gewinnt aber beim Aufsteigen immer mehr anKonsistenz, so daß er in den oberen Stammtheilen beträchtlich dichter ist, alsin den unteren. An diesen oberen oder besser peripherischen Theilen tritt zu-gleich durch die Athmung eine neue Umänderung des Saftes ein, die sichgründet, entweder bloß auf einen Austausch von Gasen, zwischen den Pflanzenund der Atmosphäre, oder auf eine Abgabe und Ausnahme von Gasarten, dievon der Kapacität der sie enthaltenden Pflanzensaste abhängt, endlich aus diezunächst durch den Lebens-Proceß der Pflanze herbeigeführten Bedürfnisse fürAusnahme und Abgabe luftsörmiger Stoffe. Diese Athmung geschieht nun durchdie Spaltöffnung der Blätter und der darunter liegenden Höhlen (Athem-höhlen. Unger).

Auf zweierlei Art entstehen Pflanzen: aus schon vorhandenen Keimen inSamen oder durch Urerzeugung.

Die Fortpflanzung der Gewächse überhaupt beruht auf der Selbstständigkeitund Fortpflanzungs-Fähigkeit der Zelle. Die Fortpflanzung selbst geschieht dem-gemäß, indem

1) die Fortpflanznngs-Zellen über alle Pflanzentheilc ausgebreitet erscheinen

und sich von der Mutterpflanze einfach oder in Gruppen vereinigttrennen Brnt-Zellen (Brutkörner, Zon^äm).

2) Die Fortpflanznngs-Zellen erscheinen nur an bestimmten Stellen der

Pflanzen und entwickeln sich da zu neuen Axen Knospen.

3) Die Fortpflanznngs-Zellen erscheinen in eigenen Organen der Pflanze

und trennen sich von der Mutterpflanze ohne weitere Entwickelungzu Zellen-Gruppcn Keim-Zellen.

4) Die Fortpflanznngs-Zellen, in bestimmten Organen entstanden, erlangen

ihre Entwickelung zum Keime nur durch die Mutterpflanze, worauf erstdie Trennung von derselben erfolgt Pollen-Zellen (Unger).

Die Bedingungen, unter welchen der lebensfähige Keim zur Entwickelunggelangt, sind Wärme, Feuchtigkeit und Sauerstoff-Gas, welche ihm durch Wasserund atmosphärische Lust zugeführt werden. Daß auch sonst der Same Lebens-kraft besitzen müsse, versteht sich von selbst. Diese Lebenskraft kann der sonstgut ausgebildete Same durch unterbrochenes Keimen, durch Gährung, durchstarkes Austrocknen und durch Alter verlieren. Kein Same keimt unter 0jeder Same keimt bei einer bestimmten Temperatur, daher in bestimmtenJahreszeiten.