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Die Land wirthschaft.
Ein anderes sehr wichtiges Moment für die angewandte Pflanzenkundeentspringt aus der Betrachtung der Verhältnisse der Pflanze zur Erdoberfläche,oder genauer, ihr Vorkommen, den Verbreitungs-Bezirk und die Vertheilungs-weise der Pflanzen, sowie auch die Vegetations-Verschiedenheit der Erdoberfläche,mit Berücksichtigung der äußeren Momente — kurz aus der Pflanz en-Geographie und den Untersuchungen über den Ursprung der Pflanzen undihre spätere Veränderungen, was Gegenstand der Pflanz engeschichte ist.
Wie Temperatur und Feuchligkeits - Zustand, Druck und Bewegung derLuft, elektrische Zustände und der Boden auf die Pflanzen wirken, wie dem-gemäß nach den Orten verschieden die Verhältnisse ihres Vorkommens undihres Verbreitungs-Bezirkes und ihrer Verthcilungs-Weise seien, endlich wie dieGesammt-Vegetativn bezüglich ihrer Vertheilung in den verschiedenen Erdtheilensich verhält, — ward theoretisch und in musterhaften Beispielen durch eine Reiheder ausgezeichnetsten Männer, wie v. Humboldt, Wahlenberg, Shouw,L. v. Buch und de Candoll e gezeigt. Nicht gering ist in der That die Bedeu-tung dieses in neuester Zeit so sehr gepflegten Wissenschafts-Zwciges für Ackerbau,Forstwesen und die gewöhnliche Gärtnerei; „denn die Grundlage aller dieser ist„die Kenntniß der Verhältnisse zwischen den Pflanzen und den äußeren Mo-menten, welche durch Erfahrungen über das Vorkommen und die Verbreitungs-„Bezirke am Besten erläutert werden. Die Frage, welche Gegenden als Wald,„welche als Acker oder Wiese zu benutzen sind, welche fremde Bäume und„und Kräuter mit Vortheil in ein Land eingeführt werden können, und eine„Menge ähnlicher Fragen werden durch Hilfe der Pflanzen-Geographie beant-„wortet. Es ist indessen nicht zu läugnen, daß aus dem jetzigen Standpunkte„der Wissenschaft jene von der Land - Oekonomie, Forstwirthschast und Garten-kunst unterstützt wird." (Shouw.)
Die von uns selbst besonders in Pflege genommene Zeitgeschichte derPflanzenwelt hat insbesondere auch nachgewiesen, daß die in der Zeit verän-derten Konstituenten des physikalischen Klima's — Wärme und Feuchtigkeit —als Hauptbedingungen des Pflanzengedeihcns auch ein bedeutend vermehrtesAuftreten der Witterungs - Extreme zur Folge haben, daß demzufolge altherge-brachte Cultur-Arten oft dem Ausgehen nahe gebracht oder mindestens sehrerschwert werden, und daß eine wohlgeordnete Benützung dieser Erfahrungs-sätzc nicht bloß viele sonst unerklärliche Erscheinungen in der Landwirthschaftaufhellt, sondern auch sehr brauchbare Anhaltspunkte für Aufnahme neuer Cultur-Pflanzen und Cultur-Methoden überhaupt, und für das Verlassen alter an dieHand gibt.
Man hat zwar nach der Elevation die Cultur-Pflanzen verschieden ver-theilt, aber nach dem Klima sie noch selten gründlich einzutheilen versucht.Es ist nicht unwichtig, in dieser Beziehung folgende Charaktere der Vegetationnach der Zone festzuhalten (siehe oben).
Unter den Tropen bemerken wir ein hervorstehendes Ausbilden derSamentheile und der Befruchtungs-Werkzeuge.
Zunächst also in den Keim-Zellen, in besonderen Organen mit verschiedenen,die Befruchtung bedingenden Theilen — Samen-Bildung und Keimkraft, hoheEntwickelung der Fortpflanzungs-Organe überhaupt.
Von den Wendekreisen bis zu der kalten gemäßigten Zoneherrscht Fruchtbildung vor; es sind hier die Länder des edelsten Ackerbaues;Bäume, Sträuche und Kräuter tragen reiche Früchte, denn es sind die günstigstenLänder des Landbaues, wo alle und die edelsten Cerealien in höchster Vollkom-menheit, wo Rebe, Oliven, Maulbeerbäume, Datteln, Feigen rc. herrlich gedeihen.