Pflanzenkunde.
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Die mittlere gemäßigte Zone, jetzt die Sitze der herrschenden Völkerenthaltend, zeichnet sich vorzüglich durch hohe Entwickelung der Blatt- undGrünstoff-Bildung aus, durch perennirende Gräser auf Wiesen und Waiden,durch Wälder und künstlichen Futterbau; hohe Viehzucht scheint hier vor Allemangedeutet zu sein.
Endlich die kalte gemäßigte Zone und die kälteren Erdtheileüberhaupt zeichnen sich durch vorwaltende Wurzel- und Kryptogamen-Entwicke-lung aus. — So findet sich auch dasselbe Verhältniß an hohen Gebirgen, undalle ebengenannten Erscheinungen lassen sich daran stufenweise nachweisen.
Von Reichart, Trew und Ehrhardt an bis auf unsere Tage warenes insbesondere Mitglieder des Gartenbau-Zweiges der Landwirthschaft, welcheder taxonomischen Ordnung der Cultur-Pflanzen und ihrer Beschreibung vielZeit und Mühe widmeten. Je mehr man in das Gebiet des Praktisch-Brauch-baren übergriff, um so nützlicher wurden meist diese Bemühungen; je treuerman aber den strengen Grundsätzen rein botanischer Description anhing, um sorascher verlor man sich in haltlose Katalogisirung von zahllosen Varietäten ohneständiges Princip für Eintheilung und Merkmale. Kam dazu dann noch Täu-schung, mit oder ohne Absicht, die Industrie spcculirender Handclsgärtner undSamenhändler, grundlose Verbarstardirungssucht und Spielerei, so ist nichtzu wundern, wenn Glauben und Vertrauen des agricolen Publicnms auf diesenZweig landwirthschastlichen Fortschrittes längst wankend wurde, was doch in derThat ein sehr großes Uebel aus diesem Wege höherer Vervollkommnung ist.Ehrenvolle Erwähnung neben den schon Genannten verdienen noch vor VielenBöhmer, S. K. Schmidt und Whistling, insbesondere aber Metzger,der für ökonomische Botanik Epoche macht, und Zuccarini, der zuerst mit derscharfen Kritik tiefer Wifsenschaftlichkeit voranging.
Als ein sehr treffliches Werk neuester Zeit ist auch noch die ökonomisch-technische Flora Böhmen's zu nennen, die vom Gr. v. Berchthold und W. Benno(später M. Opiz) herausgegeben wird. So vorzüglich begonnen, ist dasselbedoch im wettern Fortschreiten zu weit in andere wissenschaftliche Zweige über-getreten, hat sich namentlich eines großen Theiles des Gebietes der Technikinsbe>ondere bemustert, kurz ist encyklopädisch geworden, nachdem es doch An-sangs gründlichste Erörterung der LpoeialR zu geben versprochen hatte.
Die Landwirthe Pflegen ihre Pflanzen einzutheilen in:
1) Zur Nahrung der" Menschen und Thiere dienende Samensrüchte;
2) zur Ernährung der Menschen und Thiere dienende Knollen-, Wurzel-und Gemüsesrüchte;
3) eigentliche Futter-Pflanzen;
4) Fabrik-Pflanzen.
In die erste Klasse gehören wieder:
1) Getreide,
2) Hülsensrüchte und
3) einige andere nahrhafte, Samen gebende Pflanzen.
Zu den Getreidearten gehören: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hirseund Mais; sie sind Gräser, d. h. Pflanzen mit meistens hohlen, mit Knotenversehenen Stengeln, langen schmalen Blättern, spclzigen Blumen und faserigenWurzeln. Jene davon, welche den Winterfrost ertragen können, heißen Win-(ergetreide; die bloß im Sommer gebaut werden können, Sommer-3 e t r e i d e.
Von den Hülsenfrüchten baut man in Deutschland: Feldbohnen, Wicken,Erbsen und Linsen; im Süden noch Kichern, Platterbsen und Lupinen. Ihnen