138 Die Landwirthschast.
schließt sich das im 15. Jahrhundert nach Deutschland gebrachte Haidekorn unddie neuere Qninoa an.
In die zweite Klasse gehören Kartoffeln, Rnnkeln, verschiedene Rüben undKohlarten.
In die dritte die bloß zur Fütterung brauchbaren, wie Klee, Lncerne undEsparsette rc.
Die vierte Klasse zerfällt weiter in Oel-Pflanzen, Gespinnst-Pflanzen,Färbe-, Gewürz- und Arznei-Pflanzen rc.
Cultur der Cerealien.
Jahrhunderte lang ward im Anbau dieser mehlverlcihenden Körnerfrüchtekein Fortschritt gemacht. Ueberwiegt in der Zeit der Völkerkindheit bei ihnenimmer die Fleischnahrung (i. e. die Viehzucht), so sehen wir bei weiteren Fort- !schritten in staatlicher Entwickelung, insbesondere aber bei der Vermehrung derPopulation, eine bedeutende Zunahme vegetabilischer Kost, meistens auch aus iKosten der Waide-Flächen, und baut man nicht künstliche Futterstoffe und 'Kräuter, so nimmt Viehhaltung doppelt schnell ab. Sollte diese vorwaltendevegetabilische Nahrung der landbanenden Klassen in der Zeit der Leibeigenschaftnicht von großem Einflüsse auf ihre moralische Entwickelung gewesen sein, zumalin Mittel-Europa, wo Klima und Vegetation zunächst auf Viehzucht, nicht aufKörnerbau, den Menschen verwiesen zn haben scheinen? — Jetzt zwar soll esder Fruchtwechsel und Futterbau nachträglich in Einklang bringen, aber schmäh-lich reimt sich ängstliches Suchen nach Mehl-Surrogaten zur Beförderung der >Fleischeskost!
Als Gesammt-Resultate der Forschungen bis in die neueste Zeit erscheinenin Bezug auf den Getreidebau:
1) In Ländern, in denen der Winter 5 — 6 Monate dauert, kann das
Wintergetreide nur ausnahmsweise angebaut werden.
2) Zur Saat ist immer der reinste und vollkommenste Samen zu nehmen,
doch nicht der neueste. !
3) Frühsaaten sind im Allgemeinen besser, als späte; — 4 Wochen vor
Winter ist der letzte Bestellungs-Termin.
4) Samen von Gegenden, wo durch Klima und Boden begünstigt ist, der-
selbe oder vielmehr die Pflanze besser gedeiht, zum Samenwechsel
zn nehmen, sind vorzüglich räthlich.
5) Dichtsäen ist besser, als dünn bestellen.
6) Tief pflügen vor Winter zur Samenbestellung, und gute Lockerung
überhaupt, beweis't sich sehr empsehlungswerth.
7) Der Dünger werde nur seicht untergebracht, der Boden aber nicht hohl
gelegt.
8) Man berechne den Düngerbedarf so, daß derselbe im trockenen Zu-
stande die Hälfte der trockenen Ernte beträgt. l
9) Winter- und Sommerbau sollen so bestimmt sein, daß die Arbeiten !
gleichförmig für's ganze Jahr vertheilt sind.
10) Den nöthigen Hausthieren soll das nöthige Futter reichlich gewährt
werden können.
Das angesehenste Cereal bei uns ist der Weizen jetzt, wie ehemals derSpelz, aber nur wenig begünstigt Germanien's Klima seinen Anbau, wenn auchder Boden dafür häufiger paßt. Der Werth des Weizens gegenüber den