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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Cultur der Cerealien.

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anderen Getreidearten ist sich, laut Münchner Docmnenten, in Bayern seitmindestens 4 Jahrhunderten ziemlich gleich geblieben, dergleichen sein Anbau;nur Roggen- und Haserbau nahmen zu.

Man unterscheidet gemeinen Weizen, englischen, hartsamigen und polnischen;dann Spelz, Emmer und Einkorn Winter- und Sommerfrucht. Man bautihn nach reiner Brache oder Hackfrüchten, nach Grünfutter-Gemenge und rechtgut in die Kleestoppel; sät 1^ 2 bayr. Metzen, erntet nach dem Roggendurchschnittlich 180 Garben mit 910 Ctr. Körnern und 20 Ctr. Stroh,was zunächst von Winter-Weizen gilt; mehr Samen fordert und weniger Er-trag gibt der Sommer-Weizen.

Im Spelz ist zwei Theile Kern und drei Theile Hülse, und damit wirdsein Verhältniß zum Weizen geregelt. Er wird in Hülsen ausgesät.

Bei einem gleichförmig vertheilten Regenniederschlage von 50 60" kannWeizen selbst auf Sandboden mit Erfolg gebaut werden. Ist dieß nicht derdeutlichste Beweis von dem höchst bedingenden Werthe der klimatischen Jnfluen-zien auf Pflanzengedeihen?

Gemeiner Roggen als Winter- und Sommerfrucht, und in Abart alsStauden- und Schilf-Roggen ist für Deutschland und das nordöstliche Europadie wichtigste Halmfruckt. Geringere Befleckung, früheres Schossen, frühereReife, geringere Empfindlichkeit gegen die Witterung, außer beim Blühen,sicheres Gedeihen aus Sand-, Torf- und Moorboden sind die charakteristischenCultur-Unterschiede in Bezug aus den Weizcnbau. Man sät 2 4 Metzen underntet 180 200 Garben mit 3 4 Schffl. Körner, ü 280 Psd. bahr., und24 25 Ctr. Stroh.

Zwei- und sechszeilige Gerstenarten mit bedeckten oder nacktenSamen und verschiedener Grauuenform sind uralte Cultur-Pflanzen Europa's.Ueber die Anwendung ihrer Abarten hat man als Norm aufgestellt, daß nackteGerstenarten wohl trefflich zur Mchlbercitung, aber nicht zum Brauen, zudiesem Behufe aber die schwere zweizeilige die 'beste sei, Wintergerste aber immittlern Europa eben so selten, wie im Süden häufig, ja fast allein im Ge-brauch sei. Sie folgt bei der Dreiselder-Wirthschaft nach Wintergetreide oderbei der Wechselwirth schaff nach behackten Brachsrüchten; Gerste von frischgedüngtem Lande lieben die Bierbrauer nicht. Man sät Ih)2 Metzen underntet 2 5 Schffl., ü 250 Psd. bayr., und 1216 Ctr. Stroh.

Rispenhafer und Fahnen Hafer, chinesischer, nackter und kurzer Hafersind die in Mitteleuropa verbreiteten Sorten, wo, wie schon in ältester ZeitHafer vorherrschend ist, den im Süden die Gerste ersetzt. Man unterjcheidetauch Früh- und Späthafer. Der Hafer ist die genügsamste Feldsrucht bei uns,und gedeiht selbst auf Sand- und Moorboden sehr trefflich, so daß man meinensollte, er wäre gleich mehreren seiner Verwandten auch einheimisch bei uns.Dennoch ist sein Äaterland dunkler, als das anderer Cerealien, wenn er nichtbloß durch Cultur aus verwandten Arten entstand. Er theilt mit Kartoffelnund Roggen sich in frische Unibrüche und nimmt meist die letzte Stellung inder Düngung ein, obgleich er bei besserer Behandlung oft sehr überraschendlohnt. Man sät oft nur auf die erste Sturzfurche 46 Metzen underntet 3 5 Schffl., L 180 Psd. mit 12-18 Ctr. Stroh.

Hohen amerikanischen und kurzen europäischen (besser asiatischen) Mais mitvielen Abarten baut man in besseren Klimaten und kräftigen Böden; bei guterBearbeitung aber hat man auch außerordentlichen Ertrag.

Rispen-, Kolben- und Blut Hirse sind die drei Hauptarten, die inCultur sind; ihre Varietäten werden meist nach der Farbe der Samenhülle