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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Cultur dcr Cerealien.

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Madia, obgleich oft empfohlen, findet fich äußerst selten in Cultur, unge-achtet sie eine nur drei Monate lange Vegetationsdauer hat und ein rauhesKlima zu ertragen vermag. Ihr sagt besonders ein kräftiger, reiner, kalkhal-tender Boden zu.

Das leichte Ausfallen ihrer Samen, sowie das Zusammenkleben der Sten-gel und die dadurch begründete schwierige Trocknung möchten wohl die Haupt-ursachen, nebst dem geringen Werthe ihres Strohes sein, welche ihrer weitemVerbreitung entgegenstehen.

Sehr zweckmäßig wird sie als Hackfrucht gebaut, obwohl sie auch breit-würfig gesäet werden kann.

Man säet 5 Pfd. und erntet 2 3 Schsfl. Körner und 6 9 CtrStroh.

Der Fenchel fordert wegen seiner 34 jährigen Dauer einen tiefen,von Natur aus oder durch Düngung kräftigen Boden in geschützter Lage, ineinem warmen, nicht zu feuchten Klima. Man zieht ihn entweder in Garten-beeten zu jungen Pflänzcken heran und versetzt diese dann aus das Feld, oderman säet ihn sogleich in Reihen aus seinen bestimmten Standort und verziehtihn, nachdem er groß genug geworden ist.

Man rechnet lO Psd. Aussaat und erntet 912 Ctr. Samen und 25 30Ctr. Stroh.

Der Kümmel, der auch wildwachsend vorkommt, hat eine der des Fen-chels ähnliche Cultur, ist aber nur 2jährig.

Er fordert einen mürben, kräftigen und tiefen Boden, der auch nicht anzu großer Nässe leiden darf; frische Düngung verträgt er nicht. Man säetbei der Reihensaat 56 Pfd. und erntet im Durchschnitt 810 Ctr. Samenund 1824 Ctr. Stroh.

Der Anis verlangt ein warmes Klima mit trostreichem, kalkhaltigemBoden; zu viel Feuchtigkeit im Boden oder in dcr Atmosphäre verträgt er,sowie eine frische Düngung nicht.

Man baut ihn daher gewöhnlich, seines leichten Mißrathens wegen, untereine andere Frucht, z. B. Möhren, da er einjährig ist, und zwar in diezweite Düngertracht.

Der Samcnbedarf beträgt 10 Pfd. und die Ernte 47 Ctr. Samen und1820 Ctr. Stroh.

Koriander kommt in sehr beschränkter Ausdehnung vor, da auch dessenVerbrauch ein sehr geringer ist.

Er verlangt ein warmes, trockenes Klima, einen tiefgründigen, kräf-tigen, nickt zu'stuckten Boden, und verträgt eine frische Düngung nicht.

Man säet 24 Pfd. und erntet 911 Ctr. Samen und 1822 Ctr.Stroh.

Die Runkelrübe theilt sich nach der Farbe und Gestalt der Wurzelnund der Blätter in eine Menge Spielarten, welche unter 2 Hauptarten ge-bracht werden könnten, nämlich u. in solche mit langen walzigen Wurzelnund großen Blättern und b. mit runden oder länglichen Wurzeln und meistkleineren Blättern; ferner kann man sie nach der Farbe des Fleisches und mehroder weniger Herauswachsen über die Erde in weitere Unterabtheilungen bringen.Am Zweckmäßigsten möchte wohl die Classificirung derselben nach ihrer techni-scken Verwendung sein, da sich auch hiernach deren Culturweise zu richten hat,und vielleicht so lauten würde: 1) solche, welche zur Zncker-Fabrication be-stimmt sind, und daher die Aufgabe haben, möglichst viel Zucker im Saftezu enthalten, also konsistenter Natur zu sein, und die Gewinnung des