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Die Landwirthschast.
in ihnen befindlichen Zuckers zu erleichtern und zu verwohlfeilern. —Diesen Zweck erreichen zu können, darf keinesweges zu der Runkelrüben-sorte, welche hierzu gewählt wurde, frische Stalldüngung gegeben werden,
da dadurch eine größere Volhäftigkeit bei Zuckerarmuth und eine gesteigerte
Bildung von Salzen, besonders Ammvniaksalzen, herbeigeführt wird, wasfür die Zucker-Fabrication von Nachtheil ist; — sondern sie muß wo möglich ^in ein mit vegetabilischen Stoffen gedüngtes Feld gebracht werden, da diese !Stoffe es sind, welche vorzüglich auf die Znckerbildung befördernd einzuwirkenim Stande sind, was sich schon aus der Chemie leicht erklären läßt, indem
der Zucker vegetabilischen Ursprunges ist und in diesem Falle weniger von .
animalischen oder anorganischen Stoffverbindungeu abzuhängen scheint. — Manwird daher bei ebengesagtem Zwecke die Runkelrübe nicht als Brachfrucht ,
bauen, sondern am Zweckmäßigsten in die zweite Düngertracht. Den geeignetstenPlatz würde sie auf Kleeumbruch finden, indem hier der Boden durch vegeta-bilische Ueberreste in hohen Kraftzustand versetzt ist, allein hiezu wird sich seltenJemand, der die Rüben an eine fremde Zucker-Fabrik verkauft, der geringen ^Rente wegen verstehen. — Die bisher sich für die Zuckcr-Fabrication am Bestenbewährende Sorte ist die weiße, schlestsche Runkelrübe; — 2) solche, welchezum Futter gebaut werden, bei denen vorzüglich die Größe des Ertrages ver- Ibunden mit den Erzcugungskosten in Berücksichtigung gezogen wird, da es sichhier darum handelt, eine möglichst große Masse (ohne besondere Rücksicht auf denZuckergehalt) um die geringsten Kosten zu erzeugen, was nur durch die Dar-reichung von hinreichend vielen, ja überflüssigen Nährstoffen erreichbar ist.
Die Bedingungen zur möglichsten Erreichung dieses Zweckes sind daher: einetwas feuchter, mürber, tiefgründiger Boden, Kalk und Thon in einem ent-sprechenden Verhältnisse enthaltend, mit wasserfreier Unterlage nnd eine hinrei-chend starke Düngung, sowie auch die Bearbeitung während ihrer Vegetation;
— alle diese Bedingungen können aber am Zweckmäßigsten nur durch den Anbauals behackte und gedüngte Brachfrucht ihr dargeboten werden, daher man überalldie Runkelrübe zum Futter in die Brache gebaut findet. Für diesen Zweckeignen sich unter allen Spielarten noch die rothen am Besten; — 3) solche,welche als Gemüse in dem Garten angebaut werden; bei diesen ist die gleicheAufgabe wie bei den unter 1. angeführten, gegeben, nämlich einen größern !Zuckergehalt in denselben hervorzurufen, was jedoch bei Garten-Cultur weitleichter geschehen kann, als bei dem Anbau im Großen.
Eine fernere Verwendung der Runkelrüben ist die zur Branntweinbrennereiund Esfig-Fabrication, welche jedoch die gleichen Bedingungen hinsichtlich derCultur machen, wie die Zncker-Fabrication, da auch bei diesen 2 Arten der Ver-wendung der Zucker es ist, welcher eine Verarbeitung erleidet, in erstermFalle nämlich durch Zersetzung in Alkohol nnd Kohlensäure, in letzter»: auchnoch durch Umbildung des Alkohols in Essigsäure.
Bei Ausführung der unter 1. angeführten Cultur wird jedoch nicht nurallein ein größerer Zuckergehalt, sondern auch ein konsistenteres Zellgewebeerzielt werden, welch' letzteres einen bedeutenden Einfluß aus längere Haltbar-keit der Rüben auszuüben vermag, welcher Umstand bei großen» Vorratheeinen eminenten Vortheil darbietet. Im Gegensatze zu diesem halten sich, wieman aus Erfahrung weiß, die in die Düngung gebauten Rüben weit kürzereZeit in unverdorbenem Zustande, auch unter gleicher Aufbewahrungsart wievvrhergenannte.
Was hinsichtlich des Klima's die Runkelrüben im Allgemeinen anbelangt,so können zwar die jungen Pflänzchen einen ziemlichen Grad von Kälte ertragen,