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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Cultur der Cerealien rc.

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werden jedoch leicht von Reifen und Nachfrösten, wenn nicht getödtet,doch in ihrem raschem Wachsthume gehindert, und gedeihen noch in einemSommergetreide-Klima, wenn die nothwendige Feuchtigkeit gegeben ist, welchesie aber vorzüglich gern in der Atmoiphäre lieben. Sie finden sich bis zum71° nördl. Br. und zu einer Elevation selbst von 5000' bei 4547° nördl.Br. cnltivirt, und gedeihen vorzüglich in jenen Ländern gut, welche eine feuchteAtmosphäre und einen trockenen Boden haben, wie dieß überhaupt bei allenRübenarten sich zeigt. ^

Daß die Beschaffenheit des Bodens bedeutende Modifikationen in demErtrage herbeizuführen im Stande ist, unterliegt wohl keinem Zweifel, unddaß sowohl die des Bodens als auch jene des Düngers einen höchst verschie-denen Geschmack in den Rüben veranlassen kann, ist erwiesen.

Die Saat der Runkelrübe kann entweder durch unmittelbare Saat aufdas Feld oder durch Versetzen im Garten gezogener Pflänzchen geschehen.Die unmittelbare Saat muß in trockenem Klima und Boden dem Versetzen derjungen Pflänzchen vorgezogen werden, da man aus Erfahrung weiß, daß diegleich in das Feld gesäeten Rüben weniger empfindlich gegen anhaltende Trockenheitsind, indem sie in ihrer ersten Vegetationszeit sogleich der Tiefe zustreben, undvon dort die nothwendige Feuchtigkeit beziehen, während die gesetzten sich mehrnach den Seiten ausdehnen und daher leicht von Trockenheit leiden;bei feuch-tem Klima oder Boden ist jedoch das Versetzen der Pflänzchen vorzuziehen, dadieses in eine Zeit fallt, in der alle übrigen dringenden Frühjahrs-Bestellungs-arbeiten schon vorüber sind, und man nun Muße zu dieser Arbeit hat, wäh-rend die unmittelbare Saat eine Drängung in den übrigen nothwendigenArbeiten und eine Verspätung der einen oder andern Saat leicht veranlassenkann; ferner kann man bei eintretenden Reifen oder Nachfrösten die jungenPflänzchen im Gartenbeete leicht schützen durch Bedeckung mit Stroh rc.rc.,was auf freiem Felde nicht ausführbar ist.

Die unmittelbare Saat verdient in den meisten Fällen theils ihres gerin-gern Kostenaufwandes,^ theils ihres größern und sicherern Ertrages wegen denVorzug vor dem Versetzen, was einen größern Aufwand erforderlich macht,bejanders durch das Begießen bei eintretender Trockenheit, und eine geringereErnte zur Folge hat.

Wird die unmittelbare Saat oder das Versetzen der Pflanzen vorgenom-men, so müssen beide Arten der Saat in Reihen geschehen, weil die Runkel-rübe während ihrer Vegetation eine Lockerung und Reinigung des Feldes ver-langt, welche entweder mit der Haue oder den gewöhnlichen Brachwerkzeugen,denk Scbänfel- und Häufelpflüge vorgenommen werden kann.

Bei der Saat braucht man 22*/r Pfd. Samen und beim Versetzen unge-fähr 1 Pfd. in ein Gartenbeet zu säen, und erntet 200250 Ctr. Wurzeln,welche einen Zuckergehalt von 610°/» in der Regel zeigen, und 5060 Ctr.Kraut, sammt übrigen Abfällen, im frischen Zustande.

^ Von der Ste ckrüb e, auch Kohlrübe, Dorsche rc. rc. genannt, unterscheidet

man eine Abart mit gelbem und eine mit weißem Fleische, welch' letztere weniger^ empfindlich gegen ungünstige klimatische und Cultur-Verhältnisse, aber auch weni-ger nahrhaft als erstere ist, die meistens nur zur Speise für Menschen gebaut! wird. Die Cultur ist die gleiche wie bei der Runkelrübe. Sie verträgt

I einen sehr bündigen Boden, besonders in wärmeren Klimaten und verlangt eine

starke frische Düngung, wie überhaupt alle Krautrübcn.

Der Ertrag ist nur etwas geringer, als der der Runkelrübe.

Die Wasserrüben, weiße Rüben, Weiß-, Stoppel- und Brachrüben,Neue Encyklopädie. Band I. Nro. 2 . 10