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Die Landwirthschaft.
tirt werden soll. — Eine frische Düngung soll zu Lein nicht gegeben werden, dahiedurch nur ein grober Bast erzielt werden kann und man viel Unkrautgesäme mitderselben in das Feld bringt; sollte aber wegen Mangels eines entsprechendenFeldes deßungeachtet zum Lein gedüngt werden, so muß entweder der Düngerschon im Herbste auf und in das Feld kommen, oder im Frühjahre ein schon ganzzersetzter Dünger genommen oder auch gehörig vorbereiteter Compost angewendetwerden. — Den geeignetsten Platz findet Lein entweder nach starkgedüngten Brach-früchten oder nach gut gestandenem Klee, welch' letzterer, wie bekannt, Reinheit,Lockerheit und Kraft in das Feld bringt, und sohin die Bedingungen des voll-kommenen Gedeihens des Leines erfüllt.
Bei keiner Pflanze ist der Samenwechsel häufiger, aber auch nothwendiger,als beim Lein, da es nur Aufgabe jener Gegenden, in welchen der Lein gleichsam zuHause ist und daher vorzüglich gedeiht, sein kann, Samen zu erziehen, und ihndann an die übrigen, weniger für Leinbau geeigneten Gegenden abzugeben, daman aus Erfahrung weiß, daß ein in jenen Gegenden gewachsener Same, auchin ungünstige Verhältnisse gebracht, noch einen verhältnißmäßig bessern Erfolgerzielen läßt, als ein an Ort und Stelle selbst erzogener, und dieses ist um soleichter auszuführen, als ohnehin Samen- und Basterzeugung in der Culturvon einander getrennt werden müssen; — dieser Unterschied muß sowohl schonbei der Samenwahl und der Saat, als auch in der Zeit der Ernte gemacht werden.— Beabsichtiget man vorzüglich Samenerzeugnng, so wird man besser Klang-als Schließlein wählen, eine dünnere Saat führen und mit geringer Rücksichtdie Reise des Samens erwarten; bei Erzielung von feinem, langem Baste da-gegen wird man Schließlein wählen, dichter säen, und auf Samenaewinnungverzichten. Am Zweckmäßigsten wird aber, wie es auch in der Praxis geschieht,in den dem Leine schon etwas zusagenderen Gegenden die Samen- mit der Bast-erzeugung verbunden, und zu diesem Zwecke der Mittelweg von obenangeführ-ten zwei Culturweisen eingeschlagen, also eine Mitteldichte Saat, und eine nichtzu frühe aber auch nicht zu späte Ernte vorgenommen.
Den unter minder günstigeil Verhältnissen gewachsenen Leinsamen kannman, wie bekannt, entweder durch natürliche Austrocknung, nämlich mehrjährigeAufbewahrung an trockenen Orten, oder durch künstliche in seiner Qualität ver-bessern und ihn so zur Aussaat tauglicher machen.
Bei ausgedehnterem Leinbane theilt man gewöhnlich seine Saat in dreiPerioden ein, eine Partie im März als Früh-, eine zweite im April alsMittel- und eine dritte im Mai als Spätlein, wodurch man eine Aushilfe durcheine Partie bei dein Mißrathen einer andern beabsichtigt und auf dieseWeise eine gänzliche Mißernte zu vermeiden sucht. Der Lein wird auch imAugust als Winter- und Mitte Juli als zweite Frucht (Halblein genannt),besonders in Süddeutschland, angebaut; ersterer gibt aber nur in einem Win-ter, in welchem die trockenen ungefrorenen Felder spärlich mit Schnee bedeckt sind, undletzterer bei günstiger Herbstwitterung einen entsprechenden Ertrag.
Der Samenbedars wechselt, je nach der beabsichtigten Samen- oder Bast-erzeugung zwischen 2—4 Metzen; .jedoch wieder mit Berücksichtigung der aufdie Saat mehr oder minder günstig einwirkenden Umstände, die da sind,kräftiger, feuchter oder trockener, loser Boden, frühe oder späte Saat u. s. w.
Man erntet 70—60 Ctr. grünen Lein.
29 „ getrockneten Lein.
23 '/r „ Stengel und 540 Pfd. Samen mit 22°/g Oel.
17—18 „ geröstete Flachsstengel.
14—15 „ gebleichte „