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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Cultur der Cerealien rc.

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Man erntet 6 6*/r Ctr. gebrochenen und 4 4^ geschwungenen Flachs.

2-2V- Werg.

2 1-/2 reingehechelten Flachs.

Daß der in bestem Zustande geerntete Lein durch seine sernere Verarbeitung,dem Rösten, Brechen, Schwingen und Hecheln, theilweise und sogar ganz ver-dorben werden kann, unterliegt keinem Zweifel, daher alle diese Arbeitenmit größter Genauigkeit vollführt werden müssen.

Das in Belgien übliche Verfahren ist folgendes: Der geraufte Lein wirdauf dem Felde stehend getrocknet, hierauf nach Hause gebracht, geriffelt undsortirt. In diesem Zustande wird er 1 2 Jahre aufbewahrt und dann imfließenden Wasser geröstet; nur selten wird der grüne Lein geröstet und dannim stehenden Wasser. Der geröstete Lein wird in Kapellen getrocknet und dann10 30 Tage gebleicht, hierauf an der Sonne getrocknet, geschlagen und ineigenen Flachsöfen gedörrt; nach diesem folgt das Brechen, Schwingen undHecheln auf die bekannte Weise.

Der Hanf bietet manche Vortheile in der Cultur dar, und ist auchweniger empfindsam als der Lein. Das Jäten fällt bei diesem ganz hinweg,da er das Unkraut durch sein rasches Wachsthum leicht unterdrückt undden Boden unter Schatten hält. Er gehört zu den zweihäusigen Pflanzen;seine männliche Pflanze, Bästling oder Hanfhahn genannt, gibt einen feinern undlangem Stengel, welcher auch früher reift und daher auch früher geerntetwerden muß, das sogenannte Fimmeln, als die weiblichen Stengel, die wegender spätern Reise der Samen länger auf dem Felde bleiben müssen, undgröbern und dickern Bast geben.

Der zur Saat zu verwendende Same soll und kann auf ganz leichte Weiseeigens gezogen werden, indem man einigen Samen entweder zwischen Reihen-saaten oder auf sonstigen freien Platz säet, welcher hohe und wegen der allsei-tigen Besonnung sehr verästelte Stengel mit vielen, großen und keimfähigenSamen erzeugen wird.

Wie beim Lein muß auch hier bei beabsichtigter Basterzeugung die Saatsehr dicht geschehen, damit die einzelnen Pflanzen im Schlüsse, das ist im gegen-seitigen Schatten, aufschießen und lange, nicht sich verästelnde Stengel bilden,welche den sogenannten Spinnhanf geben, der wie der Lein behandelt wird.Will man aber Schleißhans erzielen, von dem der Bast, nachdem er auf Wiesengeröstet wurde, mit der Hand abgezogen wird, so muß dünner gesäet werden,damit sich dickere Stengel, die auch einen dickern und gröbern Bast haben,bilden können.

Hanf eignet sich besonders für eine Brachfrucht, da sowohl eine frischeStalldüngung als Kompost- und andere Düngermaterialien zu seinem raschen,und sichern Wachsthume sehr viel beitragen, und er sowohl durch seine starkeBodenbeschattung, als auch durch seine tiefeindringenden Pfahlwurzeln das Feldlockert und von Unkraut rein hält, was aber nur in für Hanfbau sich günstigaussprechendcn Verhältnissen stattfindet, welche durch ein etwas wärmeresKlima und durch Boden, wie ihn der Lein verlangt, bedingt sind. Ein mürber,humusreicher Boden, auch fruchtbare Neubrüche und Kleestürze in feuchtwarmemKlima, sagen ihm besonders zu; deßgleichen ausgetrocknete Teiche und Fluß-niederungen, unter welchen Verhältnissen er oft eine Höhe von 1015' erreicht,welche Höhe jedoch wegen der zu starken Verästelung nicht mehr für Basterzeugung,sondern lediglich nur für Samenerzielung noch als brauchbar angesehen werdenmuß.