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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschast.

Den erforderlichen Samen von 2 3 Wetzen säet man am Zweck-mäßigsten, wie den Lein, auf 6 Fuß breite Beete, nm bei ersterem das Fim-meln, bei letzterem das Jäten, ohne durch vieles Herumtreten im Felde zu vielzu schaden, von den gebildeten Furchen aus vornehmen zu können. -

Man erntet gewöhnlich 4 6 Ctr. geschwungenen Hanf, und 1 2 Schsfl. >Samen, der im Mittel 25 °/o Oel enthält.

Vom Saflor, dessen Blüthe als Farbematerial benutzt wird, unter- I

scheidet man den dunkelrothen oder orientalischen und den blaßrothen oderdeutschen Saflor.

Da der Saflor in seiner Blüthezeit höchst empfindlich gegen ungünstigeWitterungseinflüsse, besonders Naßkälte ist, so setzt er zwei Bedingungen an !das Klima, wenn er gedeihen soll, nämlich ein baldiges Frühjahr, damit durchseine Saat wo nicht im März, längstens Mitte April die Blüthe in die MonateJuli und August fallen kann, da die nächstfolgenden Monate schon zu ungünstigfür sie werden, und eine trockene Wärme in den bezeichneten Btüthenmonaten,damit durch gehörige Intensität des Lichtes die Blüthe sich vollkommen ent-wickeln und so den Anforderungen, die an sie als Farbepflanze gemacht werden, !entsprechen kann. Auch der Boden soll so beschaffen sein, daß er eine früheBestellung nicht durch zu große Nässe im Frühjahre verhindert und während derbetreffenden Blüthemonate, also znr wärmsten Jahreszeit, seine Feuchtigkeitauch nicht ganz und gar verliere und nicht völlig austrockne, sondern einengewissen Feuchtigkeitsgrad immer beibehalte; diese Bedingungen vermag einhumusreicher, kalkhaltender, mürber Lehmboden oder ein Nicderungsboden insonniger Lage am Ehesten zu erfüllen.

Eine frische Düngung muß zu Saflor vermieden werden, weil er dannzu sehr in Blatt und Stengel wächst und zu kleine und wenige Blüthenköpfeansetzt, die auch dann in der Regel später blühen.

Die Saat, welche breitwürstg oder in Reihen geschehen kann, wechseltzwischen 15 und 10 Pfund; Setzpflanzen sind weniger häufig. Die Ernte derBlüthen beträgt im getrockneten Zustande 60100 Pfd. und der Samen1 2 Schsfl., die zum Futter oder Oelschlagen verwendet werden können und22 o/o Oel enthalten. Derjenige Sanien aber, der znr Saat bestimmt wird,muß von solchen Pflanzen gewählt werden, deren Blüthen nicht abgenommenwurden, weil durch die Entfernung der Blüthen nur taube Samen gebildetwerden.

Der Wau, seines gelben Farbestoffes halber cnltivirt, ist eine zweijährigePflanze und kommt wild wachsend auf trockenen Standorten vor. Manunterscheidet Winter- und Sommerwau, welch' ersterer zwar eine größere Erntegibt, aber verhältnißmäßig geringern Farbestoff enthält und in einem niederernPreise steht, als der Sommerwau.

Er gedeiht in einem feuchtwarmen Klima auf einem lockern, kalkhaltenden,kräftigen Boden am Sichersten und Besten. Am Zweckmäßigsten ist es, wennder Boden schon ein in hinreichender Kraft stehender ist und nicht erst durchfrische Düngung dahin gebracht werden muß, weil diese einen nachtheiligenEinfluß auf die Qualität des Farbestoffes haben soll.

Der Sommerwau wird sehr frühzeitig mit einer Sommergetreidesruchtausgebaut.^.

Gleich nachtheilig, wie beim Lein, ist auch beim Wau, besonders Winter-wau, der für sich allein ausgebaut wird, das Unkraut, weil durch dessenVorhandensein der Werth der Ernte bedeutend gemindert wird; nm nun dasFeld rein zu erhalten, muß dicht gesäet werden, wodurch auch ein anderer