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Die Landwirthschaft.
Die Ernte, welche gewöhnlich im zweiten, höchstens im dritten Jahrevorgenommen wird, beträgt 40 — 50 Ctr. trockene Wurzeln, welche dannauf der Krappmühle zu Pulver vermahlen und so in den Handel gebrachtwerden.
Die Eich orte oder Wegwarte kommt wildwachsend in ganz Deutschlandvor und verträgt ein rauhes Klima, wenn sie nur einen tiefen und kräftigen Bodenhat. Sie steht in der Reibe der Cafsee-Surrogate oben an und gibt eine Erntevon 20 — 30 Ctr. trockener Wurzeln, welche im frischen Zustande 100—120Ctr. wiegen.
Die Erd mandel, gleichfalls ein Caffee-Surrogat, verlangt ein warmesKlima mit mürbem, lockern: Boden, gehört daher nur den wärmeren Himmels-strichen an. Sie setzt Haseluußgroßc Knollen an, welche getrocknet und ge-mahlen den bekannten Mandel-Caffec und auf ihren Oelgehalt, der nicht geringeProcente betragen soll, verarbeitet, ein vortreffliches Speiseöl geben.
Der Safran, dessen hochrothe Blüthennarben sowohl als Arznei-, wieauch als Gewürz- und Farbestoff benützt werden, ist ein mehrjähriges Zwiebel-gewächs. Er gedeiht vorzüglich in einem guten Wein-Klima auf lockerem,mürbem, humusreichem Boden, der wo möglich einen Schuh tief gelockert seinsoll. Unmittelbar zu Safran wird nur selten gedüngt. Die Fortpflanzunggeschieht mittelst Zwiebelchen, welche sich an dem alten Stocke gebildet haben.Länger als zwei Jahre bleibt eine Pflanzung selten stehen. Man erntet10 —16 Pfund getrocknete Safran-Blumen.
Vom Tabak unterscheidet man drei Arten, den virginischen, Bauern- undMaryland-Tabak, welche wieder in mehrere Varietäten zerfallen, die größten-theils nach der Farbe der Blume sich charakterisiren. Erstere finden sich häufigercultivirt, als letzterer.
Der Tabak gedeiht bis zum 58. ° n. B. und erlangt seine beste Qualitätin einem wannen Klima mit humusreichem, tiefem, mürbem Boden, der mög-lichst von Unkraut rein sein muß, um größer:: Arbeitsaufwand zu verhindern,da der Tabak mit der Hand bearbeitet werden muß.
Bei den: Tabaksbaue hat man besondere Rücksicht zu nehmen auf den Zweckder Cultur, ob nämlich Rauch- oder Schnupftabak erzielt werden soll.
Wird Rauchtabak gebaut, so soll er wo möglich auf einen sandigen, lockernBoden gepflanzt und mit vegetabilischem oder Compost-Dünger gedüngt werden;daher diesem besonders Kleeumbrüche oder Nenbrüche zusagen.
Dagegen soll Schnupftabak, auf Thonboden gebaut, und mit animalischem,stickstoffhaltigem Dünger gedüngt, in seiner Qualität bedeutend gewinnen.
Alkalien in: Boden sagen überhaupt der Tabakspflanze zu, daher sichihr so vollkommenes Gedeihen auf den: durch Brennen gerodeten Boden derWälder von Amerika erklären läßt.
Die Fortpflanzung geschieht durch Samen, welcher von eigens gepflegten,nicht geköpften und ausgegcizten Pflanzen genommen wird, indem zuerst diejungen Pflänzchen in Gartenbeeten erzogen und dann in Reihen aus das freieFeld gesetzt werden.
Äußer der Bearbeitung während der Vegetation muß auch das Köpfenund Ausgeizei: der Pflanzen vorgenommen werden, welch' letztere zwei Arbeitenin der Absicht, vollkommene Blätter zu erzielen, ausgeführt werden; man begnügt .sich mit 6—10 Blättern an einer Pflanze.
Die Ernte beträgt 8 —10 Ctr. getrockneter Blätter und 4—6 Ctr. Geizund Sandgut.
Geiz werden die in Folge des Köpfens aus den Blattwinkeln hervorkam-