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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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155
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I Weinbau. 155

wenden Nebentriebe und Sand- oder Erdgnt die untersten Blätter an jederTabakspflanze genannt.

^ Die Weberkarde, auch Kardendistel und Weberdistel genannt, wird

wegen ihrer Distelköpfe cnltivirt, welche zum Rauhen des Tuches gebrauchtwerden.

Sie ist eine zweijährige Pflanze, verträgt ohne besondern Nachtheil auchminder günstige Cultur-Verhältnisse, gedeiht aber in einem feuchtwarmen Klimaauf humusreichem, tiefem und lockerm Boden am Besten.

Bei der Webcrkarde ist es wohl nicht Aufgabe, viele und kleinere, sondernwenigere und größere Köpfe zu erzeugen, was aber jedoch nur in für sie gün-stigen Verhältnissen stattfinden wird. In dieser Absicht werden auch die kleineren,unvollkommneren Köpfe schon frühzeitig entfernt, und nur 3 — 6 Köpfe vonden stärksten stehen gelassen.

Die Düngung wird gewöhnlich der Vorfrucht gegeben.

Der Same wird entweder unmittelbar und zwar in Reihen sogleich auf dasFeld gesäet, in welchem Falle die Karde aber dasselbe zwei Jahre einnimmt,oder er wird in Gartenbeete gesäet und erst nach der Ernte einer Vorfrucht als! Pflänzchen auf das Feld gebracht. — Letzteres ist zwar in sofern vortheil-hafter, als man auch im ersten Jahre eine Ernte erhält, aber weit unsichererund geringern Ertrag gebend, als ersteres Verfahren.

Die Ernte muß vorgenommen werden, wenn der größte Theil des einzelnenKopfes blüht, weil hier die Spreublättchen am Geschmeidigsten sind; da aberdie Blüthezeit der Köpfe nicht sich auf einige Stunden oder Tage beschränkt,so dauert selbe oft 6—8 Woche». Das Abschneiden der gehörig reifen Köpfemuß um so gewissenhafter zur rechten Zeit vorgenommen werden, als nach demgänzlichen Verblühen derselben die Spreublättchen leichter brüchig werden unddaher in ihrem Gebrauchswerthe sich vermindern.

Man erntet 40 — 60,000 Stücke, welche zn je 1000 Stücken zusammen-gebunden in den Handel kommen.

Weinbau.

Seit durch des Kaisers Probus Gnade römische Söldner an den GrenzenGermamen's Weinreben legten, ist es selbst den verheerendsten Völkerstürmenjener barbarischen, wie den nicht minder oft culturfeindlichen Kriegen der jüngernZeit nimmer gelungen, diesen vorzüglich beliebten Culturzweig deutscher Völkerzu vernichten. Was aber rohe Gewalt nicht vermochte, das konnte die Ver-feinerung der Zunge allgemach und sicher erwirken, denn der Weinbau ist offenbargegen die Ausdehnung, die er in Deutschland in alter Zeit hatte, bedeutend inengere Grenzen gerückt. Daß selbst Britannien zu Römer- und herrschenderKlosterzeit Weinbau trieb, ward schon gesagt, auch welche rapide Fortschritte erin dem so günstigen Frankreich machte, hahen wir oben erwähnt. An römischeGeschichten schließen sich Mönchs-Chroniken an und schon im 8. Jahrhundert findetsich Weinbau an der Werra und um Lorch, und wie der große Carl ihn be-förderte, ist allgemein bekannt. Doch aber ließ sich Ludwig der Deutsche beider Theilung des Frankenreiches noch einige Weingegenden jenseits des Rheinesgeben, lediglich der Gaumenpflege halber, was freilich den diesseitigen Weinschon in Schatten stellt. In Franken wird schon im 12. und 13. Jahrhundertder Weinbau erwähnt und im 14. endlich geschah es, daß in unbedachtem Eifer