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Die Landwirthschaft.
der Bischof Conrad im Meißnischen, rheinische Kolonisten selbst in Brandenburg !Reben legten. Auch in Böhmen und Württemberg ist sein Anbau nicht minder !
alt. So denn war es in Kurzem gekommen, daß man am Rheine, am Neckar !
und in Franken, in Oestreich und Tyrol, selbst in Meißen, Thüringen undin der Mark Weinbau trieb und seine Ausdehnung wuchs noch im 16. Jahr- !hundert ganz offenbar.
Hätte man auch nur die Halste des Eifers, der Mühe und Zeit jemalsauf künstlichen Futterbau oder verbesserte Viehzucht, aus Wiesenbewässerungoder auf Seidenzucht selbst gewendet, als man der Rebe in den rauhen Lagen ikrätzererzeugcnder Weinländer, in Thüringen, Sachsen, Böhmen und Brandenburgwidmete, — wir müßten um gar viele Stufen höher stehen im Wohlstände,den der Ackerbau gibt. — Namentlich wollte Sachsen den Weinbau sorciren,Hauptkellereien wurden angelegt, Kurfürst August und Christian I. selbstnahmen sich darum thätigst an, die Einfuhr fremder Weine ward verboten, aberLandweinmeister und Weinordnungen konnten nicht Trost schaffen den aufAbsatz in's Ausland emsig spähenden Staatshaushaltern. Nicht minder mühteman sich dafür in Brandenburg ab, wo man den römischen Columella bereitszum Muster nahm; um Augsburg pflanzten die Fugger Reben und lelbst dieReichsgesetze nahmen sich um'den Weinbau an, nicht minder um den reinenWein selbst, der schon dazumal (im 16. Jahrhundert) vielen Verfälschungenunterlag. Doch erst im 18. Jahrhundert begannen Zelter's, Gökel'sund endlich Hahnemann's Weinproben in Uebung zu kommen. Der Eiferder Regierung war nun auch in's rechte Maß zurückgekommen und sie be-schränkte sich nun mehr auf Erzeugung guten, als eben vielen Weines. Demnach !
nun hob sich der Weinbau zu kunstmäßigerm Betriebe und nn 19. Jahrhundert !
haben wir selbst eine Wandergesellschast von Oenologcn erstehen gesehen. Greisenwir indessen dem Gange der Entwickelung nicht vor. Wie wir sahen, waren esmehr polizeilich-gesetzliche Vorschriften — sogenannte Weinbergsordnungen —, mitdenen man zuerst der Praxis über den Hals kam, 1578 aber kam man dochschon mit Unterrichtswesen und nahm dabei, wie eben erwähnt, in der MarkColumella zum Muster. Fürwahr auch konnte man damals wohl nichts Bessereserwarten, als zuerst die Alten wieder znr Grundlage zu nehmen und dannweiter zubauen. Dieß thaten Gartarolus (1565), Rasch (1581), Hornund Horst (1585). Eine der Hauptsorgen dieser und der Weinbauer des 17.Jahrhunderts ging aber vorzüglich auf Einführung edlerer Rebsorten, auf dieman allenthalben zuerst trachtet, ohne indessen zu bedenken, daß Boden undKlima die Sorten macht und somit auch wieder die erhaltene umändert. AmRheine hatten sich Rießlinger und Kleinberger ausgebreitet und im 17. Jahr-hundert kamen noch die Ruländer aus Frankreich dazu. Mehr gründlich alsalle Schriftsteller bisher den Weinbau behandelt hatten, griffen im 18. Jahr-hundert Gaupp, Knecht und Sprenger ihn aus. Die verschiedenen Me-thoden des Veredelns, wie sie größtentheils die Alten schon übten, dieFortpflanzungs- und Verjüngungs - Methoden derselben mit Schnittreisern, Ab-legern und Würzlingen kamen in ausgedehnten Gebrauch. Der Tausch und dasWandern der Reben dauern fort. Mit Erfolg wird das Niedrighalten derStöcke, wie es im südöstlichen Europa heimisch ist, versucht, aber leider nochimmer nicht hinlänglich eingeführt. Das Räuchern der Weinberge gegen Frostwird empfohlen. Mehr als 40 Rebsorten sind bereits in allgemeinster Ver-breitung.
Je weiter weg von ihrer Heimath, um so empfindlicher ist die Rebe gegenKlima und Boden. Noch bis zum 52. " n. B. cultivirt man in Europa die