Weinbau.
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Reben im Großen, unter dem 45. ° sMst noch bei 380G Elevation. VorAllem schützt Reife des Holzes gegen hohe Frostgrade. Trockener und warmerBoden unterstützt in Mitteleuropa sehr das Gedeihen der Rebe, feuchter, aberkalkhaltiger, selbst bindender Boden ist im Süden beliebter, obgleich der Wein-stock auch in seiner Heimath an sonnigen, trockenen Hängen die süßeste Traubegibt. Wild wachst er in Griechenland und Kleinasten an rieselnder Quelle imWaldschatten zwischen Kalkfelsengestein und im fruchtbaren Alluvium, ohne in-dessen auch dort gute Trauben zu liefern. Südliche Lagen, in Hängen von25 — 30° Neigung, Schutz vor Wind und Nähe von Flüssen oder der Meeresagen dem Weinbaue allenthalben zu. Zwar weniger, aber doch auch Düngungheischt selbst im Süden das Weinland, von künstlicher Bewässerung gar nichtzu reden; gute Bearbeitung mit wenigstens 2 Fuß tiefen Rigolen verlangtallenthalben die Rebe. Den besten Dünger gibt Compost-Erde, demnächstRindermist, sonst sollen alle Mistarten vor der Anwendung erst wohl abge-fault sein.
Sehr reich an verschiedenen Methoden, Reben fortzupflanzen, sind dieWeinbauer, aber praktisch bewährt hat sich doch nur die Vermehrungsart durchStecklinge oder Ableger. Ersteres geschieht am Erfolgreichsten durch Anlageeiner Pflanzschule bei uns; im Süden ist sie überflüssig. Nicht minder reichan Vercdlnngsarten zeigt sich die Oenvlogie, aber trotz aller Künstelei undtiefem Ergründen hat sich doch herausgestellt, daß in unserm Klima fast nurdas Pfropfen unter der Erde mit einiger Sicherheit vorgenommen werden könne,jedenfalls aber die Pfropsstelle nicht völlig mehr verwachse und daher das Ge-pfropfte in einen Ableger umgewandelt werden müsse, soll die Sache Bestandhaben. Die Praxis wird somit nie besonders großen Gebrauch von der Ver-mehrung durch Pfropfen machen, da durch Steckreiser derselbe Zweck viel leichterund sicherer erreicht werden kann.
Außer der treffenden Auswahl der Rebsorten, die mehr in's Besondereund von sehr vielen Umständen Abhängige geht, ist vor Allem eine richtigePflege, welche den Weingarten hebt. Diese umfaßt die Erziehungsart derReben (den Schnitt), das Einstützen, Geizen, Ringeln, Bearbeiten und Düngen.
— Die Lehre über den Schnitt ist äußerst reich und ausgedehnt. Mag mannun aber Kopf-- oder Schenkelschnitt allein oder beide zugleich, Zapfen- oderBockschnitt anwenden, mag man die Rebe kurz über der Erde — als Zwerg-baum — oder an Stäben, auf Geländern oder Bäumen und Spalieren rc.ziehen — immerhin stellen sich folgende Erfahrungssätze als erwiesen voran:
Wo guter Boden und sonnige Lage Spalierzucht erlauben, ist diese ent-schieden die vorzüglichste, da sie das größte Quantnm bei bester Qualität gibt
— vorausgesetzt, daß man auch die passende Rebe dazu nimmt, zumal stark-treibende. Im südlichsten Europa, wo bei lehr großer Hitze Beschaffung derTraube und des Bodens von Vortheil ist, paßt die zwergbaumartige Zucht amTrefflichsten und auch in den günstigsten Klimaten und Lagen Mitteleuropa'smöchte sie sehr zu empfehlen sein. Wenig zu empfehlen ist strauchartiges Ziehen.Kurzer, mittlerer und langer Schenkelschnitt geben nach der Modistcation dermitteleuropäischen Local-Klimate die entsprechendsten Erziehungsarten. DerSchenkelschnitt mit Bogen, der Lautcnbacher Schnitt, der Kopfschnitt mit Bogenund der wahre Bockschnitt werden von Hlubek für die Ideale deutscher Neben-erziehungsarten erklärt. Selten ist Ausgeizen nöthig und Einstützen ist immerschädlich.
Das von Hauenschild (1820) in Oestreich wieder aufgebrachte Ringeln,um die Traube eher zur Reife zu bringen und übermäßigen Sastzufluß und