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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirlhschast.

Abfallen der Beeren zu hindern, ist bezüglich seiner Vortheile noch proble-matisch. Im Süden wird alljährlich zweimal, im Frühlinge und Herbste, beiuns dreimal, im April, dann nach dem Blühen und im Juli oder Augustumgegraben. Durch längeres Hinausschieben der Ernte wird der Zuckergehaltvermehrt, wie die Säure vermindert, werden die Kämme trockener und gebenbeim Pressen keinen Bitter- und Gerbestoff ab, die Bälge werden mürber.'

Gartenbau

Es würde sich wenig ziemen, wollten wir bei encyklopädischer Behandlungder Landwirthschaftslehre von künstlichen Gartenanlagen, von Park-Scenerieen,zierlichen Venustempeln oder dunklen Erynnien-Hainen, von Lilienbeeten in ge-stickter Manier oder von Rosengebüschen L In lösn Halln reden, dergleichensei hier fern von uns; aber von den Kraut- und Obstgärten der alten undneuern Zeit, vom dicken Kappus- und Kraußkohl, von großartigem Zwiebel-,Meerrettig-, Süßholz-, Kümmel-, Anis- und Korianderbau, von ausgedehntenAepfel- und Birnen-, Kirschen-, Pflaumen- und Zwetschgenanlagen müssenwir sprechen, denn sie sind nichts weiter als höher gesteigerte Landes - Cultur,sie finden sich in einzelnen Theilen Europa's als dominirende Bodenbewirth-schaftung und haben zunächst die höchste Entwickelung derselben znm Handels-und Fabrikpflanzenbaue vorbereitet, ja und noch überdicß handelt fich's bei ihnenum höhere Bodenrente, um Reinertrag!

Freilich hatte schon Albertus Magnus im 14. Jahrhundert im Garten-baue sich ausgezeichnet und war selbst durch seinen Wintergarten in Gefahr ge-kommen, als Zauberer mit dem Leben zu büßeu. Auch C. Agrippa aNettesheim schrieb darüber Manches in der klülosopllla oeoulta und wasdie angehenden Landwirthe Siculus Flaccus, Frontinus und Petrusde Crescentiis selbst (1471 zu Augsburg gedruckt) hiefür, zumal in denmit den Italienern im Handel verkehrenden größeren süddeutschen Reichsstädten,denen Luxus nicht fremd war, thaten - wie nicht weniger die Sorge der Klösterfür schöne Gärten, mit Olsstbäumen und Heilpflanzen, ist mehr allgemein,als im besondern Nachweis bekannt.

Schon die ältesten Gesetzbücher germanischer Völker nehmen die Obstbäumein Schutz, wie wir oben gesehen haben; eine Graslandumfriedung nahe demHause war wohl der erste Garten mitteleuropäischer Völker (Zioorllajaräin,Zarten). Diesem schloß sich eine sorgfältige Bodenbearbeitung zur Aufnahmegewisser, viel Pflege verlangender Gemüsearten an; unter diesen pflanzte maneinzelne wohlriechende, seltener durch Blumeupracht als durch medicinische Eigen-schaften ausgezeichnete Pflanzen. Darauf auch deuten die Würzbüscheln zurchristlichen Weihe, die Artemisien (Unotomnn und ^dsMtlllnm), Inula Ileleiiium,Eisenkraut und Osterluzey (Verdona oklleinalis und ^ristoloeiiia elsrimtitis) , wieman sie noch jetzt im vereinigten Obst-, Gemüse- und Blumengarten der Land-leute finden kann und zwar nicht bloß in Deutschland, sondern in ganz Europa.Ausschließlich Blumengärten allein und Orangenhaine kannten die Araber zuerst,aber Steifheit in der Anlage ist europäische Erfindung, zunächst von den Rö-mern zur Geltung gebracht.

Obstbau war's also, dem man in ältester Zeit wie im Mittelalter diegrößte Sorgfalt widmete. Forst- und Holzordnungen des 16. Jahrhundertsnehmen ihn wiederholt in Schutz, der schon oft von uns gerühmte Kurfürst