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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die randwirthschast.

Es beginnt die Periode des französischen Zopfgeschmackes. Dieser Gartenstyl,für den bereits in den deutsch-niederländischen Gärten reichlich vorgearbeitetwar und den Quintenye und vorzüglich Le Notre in Frankreich ausgebildethatten, war bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts herrschende Mode. GroßeAlleen allüberall, bohe verschnittene Wände, Figuren in Hecken und Bäumen,Kolonnaden, Statuen, bizarre Spiel- und Wasserwerke neben Lusthäusern ausMuschelnschnecken, Porzellan-Scherben und buntem Glas rc. w. wurden nunsehr oft mit großem Eifer und noch größeren Ausgaben in Ausführung gebracht.Noch jetzt kennt unsere Zeit viele Anlagen der Art, theils mit nur wenigerAenderung, theils auch mehr ober weniger vollständig umgewandelt in den nunfolgenden, englisch-chinesischen Styl. Schon um 1720 hatten der Gärtner K entund nach ihm Brown in England Versuche zum Umstürzen des altenherrschenden französischen Stvls gemacht. Wilde Baumarten mit möglichst un-brauchbaren Früchten in effectreichen Gruppirungen und Kontrasten in Wuchs,Laubform und Farbe, Schlangen- und gebogene Wege mit Ruinen, Schweizer-hütten oder Gebäuden, die der Gruppirung entsprachen, kurz Nachahmung derNatur, nicht gerade selbst der schönen das waren die nun die garten-künstlerischeu Ideen befruchtenden Axiome. Indessen gingen die Engländer inNachahmung des Natürlichen zu weit, so daß sicher alle Kunst ein Ende gesundenhätte, wäre man in diesem Sinne fortgeschritten. Das fühlten denn auchKnight und Price und vertheidigten das Pittoreske der Natur, dem sichanfänglich Repton entgegensetzte. Wheatley, Langley, Mason,W a l p v l e.

Auch in Deutschland wollte man diesen Ideen nicht streng beipflichten undschon O. v. MünchHausen machte den Versuch, Blumen und Obstbänme denParkanlagen zu rette». Noch mehr that dieß und erfolgreicher Hirsch selb,der tüchtigste deutsche Gartenkünstler dieser Zeit. Erhöhung des Naturcindrucksdurch die Kunst, Erregung angenehmer Empfindungen, Abwechselung von An-höhen und Tiefen, Mannigfaltigkeit neben charakteristischen Gartcnparticendas waren die Grundsätze, "auf die er seine Lehre baute und aus denen mit schön-stem Erfolge nach ihm vorzüglich von Skell fortgcbant wurde, Ideen, denenwir die reizenden Gärten von München, Umformung jenes von Schwctzingenund anderer verdanken. Aber es führte uns bereits die Betrachtung garten-künstlerischer Thätigkeit zu weit und es ist Zeit, zum Obst- und Gemüsebauezurückzukehren. Da nun aber im 18. Jahrhundert hierin die bedeutendsten Refor-matoren erstanden, wie Reich ard, Lueder, Sickl er, Mayer rc. in Deutschland,Gentil, De Combe und Ehabot, vor Allen auch D u H amel de Mo n-ceau in Frankreich, so möchte es jetzt passen, auch der wissenschaftlichen Fort-schritte der Gartenkunst in historischer Entwickelung zu gedenken, ehe wir demObstbaue als vorzüglichem laudwirthschafttichen Antheil noch einen dvctrinellen ge-schichtlichen Schluß'geben.

Daß man im Obstbaue zunächst sich wieder an die schon vorhandenenMuster die Römer hielt, läßt sich erwarten. Das Pfropfen auf sehrverschiedene Gattung von Bäumen mit lügenhaften Angaben der Erfolge, derGlaube an sidcrische Einflüsse und daher das Besiimmcn gewisser Tage fürbestimmte Arbeit, griff ebenso herüber in den neuanflebenden Gartenbau keltischerund germanischer Nationen, wie andererseits wieder die vielfachen Fortpflan-zuugs-Mcthoden der Gewächse und die Vercdlungsart selbst, wie auch die ver-schiedenen Obst-Varietäten, die sich im Orient oder Italien erhalten hatten.Man kannte schon im 17. Jahrhundert vierzehn verschiedene Arten, Pflanzen zuerziehen (aus Blättern selbst, Abzweigen, Einbohren, Einsenken, Anheulen,