Buch 
Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
Seite
162
JPEG-Download
 

162

Die Landwirthschaft.

in Folgendem zusammengestellt werden, da des landwirthschaftlichen Gemüse-baues schon bei dem Pflanzenbaue genauer gedacht ward. Reich an ausgezeich-neten Männern hierin ist unser Jahrhundert. Daß nicht bloß die Versamm-lungen deutscher Land - und Forstwirthe immer eine sehr wohl besuchte Sectionfür Obst- und Weinbau bilden, sondern selbst eine önologisch-pömologische Gesell-schaft wandernd alljährlich ihre besonderen Versammlungen zumal da hält, wozu erforschende Produkte Anhalt geben zur Schlußfassung und geschärftem !

Deciston, auf keine Weise aber ihre lehrreichen Besprechungen da halten will,wo ihr materielles Substrat nicht erzeugt wird ist uns allen bekannt. Alsberühmte Männer verdienen Erwähnung v. Babo, Metzger, Ungemach,Hlnbek, Seitz, Christ, Diel, Dietrich, Speuner, Hinkert u. A.Baumann in Bollweiler; Burdin in Turin. Den brillantesten Uebergangin die neueste Zeit hat aber Thouin und Noisette in Frankreich ge-bildet.

Nicht wenig zahlreich sind vorerst die verschiedenen Versuche der Pomologengewesen, ihr Object das Obst nach stichhaltigen Principien zu ordnenund in Abtheilungen zu bringen. Die Meisten vereinigen sich indessen in derAnsicht, daß der Geschmack die beste Grundlage zu Eintheilungeu biete. Nachder Beschaffenheit der Früchte überhaupt aber theilt man sämmtliches Obst in .Kernobst (Aepfel, Birnen, Quitten rc.), Steinobst (Pflaumen, Kirschen,Aprikosen, Pfirsiche, Nüsse und Mandeln), Beeren obst (Wein-, Johannis-beeren, Stachelbeeren und Feigen) und endlich Schalenobst (Kastanien).

Lage und Boden, Düngeranwendnng, Vermehrungs-und Veredlungsart,sowie Pflege der Bäume in verschiedenen Lebcnsperioden bilden die Haupttheileder Cultur-Lehre der Obstbäume.

Bis zum 640 nördl. Br. besteht Obst-Cultur und zwar gehen Aepfel- undPflaumen am Nördlichsten hinauf, ihnen zunächst stehen Kirschen, dann Birnen,darauf unterm 52° Weiustock, Pfirsiche und Aprikose (in geschützter Lage),unterm 47° Kastanien und unterm 45° Feigen. Immerhin sei die Lage fürObstbäume geschützt, zumal gegen rauhe Winde. Auch ist trockener, warmer,lockerer und kräftiger Boden allgemeine Bedingung zur Auswahl für den Stand-ort, zumal für Stein- und Beerenobst. Am Besten noch vertragen Zwetschgeneinen feuchten Standort und manche Aepfel. Naß-gallichter Boden ist allenverderblich. Nur Hochstämme wachsen gut aus bündigem Boden; diese ziehenauch sonst durch ihre ausgebreitete Krone viel Nahrung aus der Lust und sindmehr mit einem magern Boden zufrieden, als Zwergbämne. Letztere müssennur auf bestimmten Grundlagen gezogen oder veredelt werden; ausJohannis-äpfelstauden Aepfel, aus Quitten Birnen, auf Mandeln Pfirsicheund Aprikosen, aus den Mahaleb-Halbbaum Kirschen. Je öfter Obstbäumetragen, um so mehr Kraft muß ihnen im Boden gegeben werden. Dießgeschieht auch sonst am Besten durch Beimengung gut abgefaulten Düngers oderKompostes mit der gelockerten Erde um den Baum herum, jedoch da, wo seineSaugwurzeln anfangen und nicht unmittelbar am Stamme. Vermehrung derObstbäume durch Samen, seltener durch vollkommen gebildete Wildlinge ausWäldern, am Wenigsten durch Wurzeltriebe und Stecklinge ist das sichersteVerfahren zur Erreichung höherer Vervollkommnung. Mittel-edle Sorten gebenden besten Samen oder wilde geradezu, nur ist der letzteren Wachsthum mei-stens zu langsam, auch ihr Auflaufen oft ungewiß. Doch ist die beste Methodezur Saat immer jene, welche sich der von der Natur befolgten am Meisten annähert. !

Aus der Samenschule in die Vermittlungs - oder gleich Pflanzschule ist I

der gewöhnliche Weg der weitem Behandlung der Sämlinge. Das Ver-