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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Gartenbau.

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setzen geschieht im Allgemeinen im dritten und das Veredeln im vierten Lebens-jahre immer seien die Reihen 24 Fuß, die Pflanzen unter sich 12 Fußentfernt. Trockener, lockerer und kräftiger, rigolter Boden ist auch für die Bered-luugsschulen am Geeignetsten, insbesondere wenn er der Sonne recht ausgesetztist und die Nässe leicht abzieht.

Die gewöhnliche Veredlung der Obstbänme besteht in der Uebertragung eineredlen Knospe aus den zu veredelnden Baum

1) durch Einimpfen der bloßen Knospe (Oculiren), oder

2) eines Zweiges mit Knospen (Pfropfen),

3) der bloßen abgestreiften, mit Knospen versehenen Rinde (Ringeln).

Der Arten zu pfropfen gibt es soviele, daß Thouin und Noisettean 202 Arten angegeben und beschrichen haben. Man unterscheidet vorzüg-lich das Pfropfen in den Spalt, hinter die Rinde, das Copuliren in denRehsuß und das Anklappeu. Immerhin aber gelten als Hauptrcgeln für alleVeredlungsarten, daß die Edelreiser von kräftigen, fruchtbaren Bäumen genommen,an der Sonnenseite der Bäume abgeschnitten und an kühlen, feuchten Orten aufbe-wahrt werden; die Veredlung selbst geschehe au trüben, windstillen Tagen und dieWunde werde jederzeit mit Baumwachs verstrichen oder bloß verbunden. Nach derVeredlung beschäftigt man sich vorzugsweise mit der Formirung der Däumchen undKronenbildung, je nachdem man Hochstämme, Mittel- oder Zwerg- und Busch-bäume will. Eines der wichtigsten Dinge des Obstbanmzüchters ist geschicktesVersetzen der Setzlinge an ihren zukünftigen bleibenden Standort. Dazu sollendie Löcher wenigstens vier Wochen vor der Verpflanzung gemacht und den Atmo-sphärilien ausgesetzt sein. Die absolute Entfernung derselben von einander nimmtHlubekzu 1218' bei Zwerg-, zu 1824' bei Mittel- und zu 2436' bei Hoch-stämmen an. Sie sollen sich im ausgewachsenen Zustande mit den Aesten nichtberühren. Je bindender oder sandiger der Boden, je größer die Krone des Bau-mes ist, um so weiter und tiefer sollen die Löcher sein niemals unter 2' Tiefeund 3' Breite. Der Spätherbst ist im Allgemeinen die beste Zeit zum Versetzen.Dabei nun müssen alle beschädigten und kranken Theile an Krone und Wurzelentfernt und die Krone selbst im entsprechenden Verhältnisse zur Wurzel eingestutztwerden.

Die Aeste sollen im Allgemeinen aus einige Zolle und die Gipfel auf einenJahrestrieb eingestutzt werden. Für die Tiefe des'Einsetzens gilt die frühere Tiefeals Vorbild, d. h. der Baum soll nicht tiefer gesetzt werden, als er schon stand.Erdwälle um die Bäume zum Auffangen, nicht Ableiten! des Wassers sind sehr zuempfehlen. Alle Wurzelsasern sollen so ausgebreitet werden, wie sie es vorherschon in natura waren, sie werden mit guter Erde so bedeckt, daß keine Räumeentstehen, im trockenen Frühlinge jedenfalls angeschlämmt und die Hochstämme ander Nordseite mit Pfählen versehen.

Der verständige Baumschnitt geschieht nach folgenden Regeln:

1) Alles, was dürr ist und der Wurzclausbrcitung nicht entspricht, Alles was

die symmetrische Vertheilung der Aeste und Zweige stört, muß unterdem Messer fallen.

2) Allzu üppiges Wachsthum muß durch kürzern Schnitt verhindert werden

und wiederum wird besseres Wachsthum durch den Schnitt erzeugt. Allzu-große Aeste, die schon über 34 Jahre alt sind, hüte man sich, derschwer oder gar nicht mehr vernarbenden Wunde halber, zu entfernen.

3) Man lasse den Bäumen nicht zu viel Fruchtholz, namentlich dem Stein-

obsts nicht, wenn dieses von Holzknospen nicht begleitet ist, und alle außerden Sastbewegungsperioden sich entwickelnden Aeste Wasserschosse