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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschast.

sollen untermMesser fallen oder schon in denKnospen abgedrückt werden,wenn man die unnöthige Entwickelung derselben bemerkt.

4) Der Schnitt werbe bei uns in Deutschland vorgenommen, wenn der Saft zusteigen beginnt. Er werde sehr glatt geführt, schief von unten nach obenund zwar aus der entgegengesetzten Seite eines Auges.

Wiesenbau.

Ob zwar nur als Reste ehemaliger Schönheit, so doch am Meisten Leben ver- >leihend sind der allerdings alternden Natur nur Wald und Wiese geblieben, j

Mögen auch die weiteren Wasserflächen des Oceans, der klare Sternenhimmel des !

Südens und felsig romantische Küsteugelände, mögen die mit Schnee und Eis be-deckten , riesigen Gebirgsmassen des Festlandes mit Gletschern in rosiger Gluth derMorgensonne, oder das einsame Thal mit dem sich mitten d'rin schlangelndenFlüßchen, der stille bezaubernde See, die endlose Fläche luftspiegelnder Ebenenmögen sie alle des Reizes genugsam entfalten, sie würden dennoch werthlos sein,fehlte ihnen der schönste Schmuck, die Perle im Kranze, das nächste, den Menschenan all' Dieß bindende, Glied der Pflanz enwelt wechselv oller Schmuck!Dieser noch unverfälschte Schmuck aber heißt Wiese und Wald.

Sich den letztem zu erhalten, hat das civilistrte Menschengeschlecht derJetztzeit vielleicht zu spät schon einsehen gelernt und ohne weitere Forschungvorerst mit Recht alle Forstzucht auf den Naturzustand zurückgedrängt, obgleich esnicht bald gelingen wird, den Urwälderbestand anfliegen zu lassen, wenn auch derHumus von der Landwirthschaft geliefert würde, was indirect ohnedem schon derFall ist. Aber was mit Schrecken der Forstmann bereits einsieht, wird der Land-wirth bald begreifen müssen, daß nämlich nicht Ein Reiz der Natur zerstört wird,ohne die übrigen mitzuentstellen oder besser gesagt, daß kein Theil ohne Schadendes Ganzen verletzt wird. Es versuchen die Einen sich mit Steinkohlen, wiederAndere mit Kunst- und Wechselwiescn zu helfen aber die ersteren reprvducirensich nicht und wir zehren vom Capitale die anderen aber können nur aus Kosten !des Ackerbaues existiren, der doch bei zunehmender Bevölkerung, namentlich für !den Bau der nöthigen Cerealien nur Ausdehnung, nicht aber Beschränkung erlaubenwill. Wo aber natürliche Wiesen bestehen sollen und in der That sind sie auchmeistens dahin schon verdrängt da sind es klimatische oder Bodenverhältnisseeigener Art, welche anderem Fruchtbaue entgegen sind; so die Alpenmatten undhohe Gebirgswaiden in steiler Lage und die Usergelände der den Ueberschwem-mungen so oft ausgesetzten Ebenen.

Wenn man unter natürlicher Wiese jede mit wildwachsenden, perennirendenPflanzen dicht überzogene Fläche verstehen will, so finden sich dergleichen kräuter-reiche Stellen allenthalben auf dem ganzen Erdenrunde. Sie finden sich in denThälern und Ebenen der gemäßigten und kalten in den Meeresniederungen,sumpfigen Flußufern und Oasen der heißen Zone; sie fehlen nicht in den end-losen Steppen Mittelasten's, der Heimath perpetueller Nomadenwirthschaft, nichtauf den Hochgebirgen der Tropen und subtropischer Länder und, wie in derOase der libyschen Wüste, so grünt noch aus den nördlichen Alpen Skandinavien'sdie vom Schneewaffer reichlich getränkte Matte. Wer hat nicht von den Urwäldernim Innern Amerika's gehört, ohne dabei sogleich an das Seitenstück jenes in intoxroerhaltenen Schmuckes der Natur, an die Urwiescn zu denken, welche als Savan- !nen oder Prairieen endlose Flächen bedecken, deren mannshohes Gras eine eigene