Wiesenbau.
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Schöpfung birgt, wie der Urwald die seinige? Wer hörte nicht von den im äthiopi-schen Hochlande, in Kordosan und Darfur — am Rande der Wüste hinziehenden,afrikanischen Savannen, der üppig grünenden Küste des jetzt trocken liegendenGrundes des Indischen Sandmeeres ? Wer nicht von den schon berührten SteppenNord- und Mittelasien's, deren Vegetation die nie versiegenden Quellen halbwilderNomandenvölker nährt, deren Urgeschichte der Anfang der Culturgeschichte derl Menschheit ist?
Wie der Urwald wohl zahlreiche Feinde in der ihn bewohnenden Thierweltkennt, aber nur von der Hand der cultivireuden Civilisation unerreicht bleibt, soweiden aus der Urwiese zwar zahlreiche Hccrden von Herbivoren, aber die Waideist nocb nicht dem regelmäßigen Betriebe landwirthschaftlicher Nachbarn unterstellt,— beide bergen Schätze von humosen Erddecken, ob der Waldnutznng zum From-men, ist zu bezweifeln und nicht minder, ob der Savanne, da die Nahrungsfähig-keit des Grases nicht mit seiner Höhe gleichen Schritt hält.
Aber abgesehen von den Urwiesen, bleiben uns noch andere mit den Wiesenunserer Zone vergleichbare Flächen zu betrachten übrig, deren wesentliche Verschie-denheit von jenen jedoch sogleich in die Augen fällt. Sind es vorzugsweise pcren-nircnde Grasarten, deren dichter Stand und üppiges Wachsthum eine künstlicheAberntung gestatten, welche das wesentliche Merkmal einer mitteleuropäischen Wiesei ausmachen, so sind sowohl die buschartig, ja baumartig hoch wachsenden Gräser derTropen, die Bambnsen und sogenannten Punngräser durch mehr holzartigen Stengelbildung, wie die durch tropische oder häufige Regen milder Winter in dersüdlichen, gemäßigten Zone (Südeuropa) hervorgelockten einjährigen Gräsermannigfaltiger Arten durch ihre Dauer zunächst davon unterschieden.
Wiesen im wahren Sinne des Wortes finden sich also bloß in der gemäßigten^ Zone, wo krautartiges Wachsthum und Perennität ihren Charakter sowohl in derEbene, wie aus dem Gebirge bilden, während diese Eigenschaften nur an denGräsern der Hochgebirge in der heißen, wie vollständig nur in den Ebenen derkalten Zone angetroffen werden. Wenn wir überhaupt die gewöhnliche Zonen-eintheilung landwirthschastlich adaptirt ausdrücken sollten, um zur Benützung dernatürlichen Vegetation nähere Winke zu erhalten, —was wohl auch für dieI richtige Stellung der Wiesen von Einfluß, so mochte dieß so geschehen können,
! wie wir schon oben bezeichneten und was für unsere Zone den Ausdruck gibt:
Gemäßigte Zone — höchste Entwickelung der Stengel- und Blattbildung —gras- und krauterrciche Tristen — höbe Entwickelung der Zucht der Herbivoren,die hier mehr begünstigt ist, als in den anderen Zonen.
Wir sehen somit, daß unserm Erdstriche vorzugsweise jener Zweig desPflanzenbaues natürlich empfohlen ist, der in höchster Entwickelung der Stengel-und Blattgebildc landwirthschaftlicher Cnlturpflanzcn seinen höchsten Ertrag sucht.Futtcrbau also, nicht Frück'tccrzcugung sollte demgemäß in den Vordergrund unsererCultur treten und die Geschichte der Landwirthschast zeigt auch, daß vom Dritt-thcilc der Fntterbanflächc wir im reinen Fruchtwechsel aus die Hälfte gekommenfind, ja daß ein Fortschreiten zum Uebergewichte der Viehzucht über den Pflanzen-bau in der intensiven Wirthschaft allzu deutlich ist.
Sind also in der That eigentliche Wiesen nur in der gemäßigten Zone zufinden, so ist diese Erscheinung wohl nur im Klima, als Product der Wärme undFeuchtigkeit, zu suchen. Obgleich höbe Wärme- und Feuchtigkeitsgradedie Vegetation im Allgemeinen am Meisten begünstigen, so gilt dieß doch nicht für> die krautartigen Gräser, welche wohl Feuchtigkeit — aber nur geringe Wärme-grade zunächst zum Gedeihen fordern. Die klimatischen nnd zum Theil agronomi-schen Verhältnisse unserer Zone begründen eine fernere Abtheilung der Wiesen,