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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
Entstehung
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169
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Wiesenbau.

16 S

So denn hat sich bis anf die neueste Zeit der Wiesenbau immer mehr gehobenund Kurhessen hat selbst durch das von Zelter beregte und wohl auch ver-faßte Wiesenbewässerungsgesetz sich eine schöne Stelle in der Geschichte agricolerGesetzgebung erworben. Allenthalben eifert man zwar dafür, aber über das Wie?der Einführung ist man in Verwirrung gekommen und läßt sich schon von den aufgrundloses Herkommen und zweifelhaftes Reckt gestützten Gegenreden sogenannterWasserbesitzer abwendig machen, da es doch gilt, viele Tausende erhöhten Erwerbeszu erwirken, ohne daß dadurch wichtige Interessen der Einzelnen verletzt würden.Die Einführung großartiger, aus die ganze Feld- und Wie-sen-Cultur sich erstreckender Bewässerungssysteme ist bei demnotorischen Vorschreiten des Trockenklima's und vorwaltendenextremen Witterungs-Charaktereu znr unabweisbaren Noth-wendigkeit geworden, soll nicht sürder noch rascher zunehmen die Zahl derBesitzlosen und Hungerleider!

Die Lehre von den Wiesenbildern, die uns die Botanik gibt,von der Wiesen-anlage, Wiesenpflege und deren Ernte, endlich vom Verhältnisse des Wiesen - zumAckerlande — das sind die Haupttheile, in welche die Lehre vom Wiesenbane zerfällt.

Außer den Grundregeln, die uns die Pflanzenkunde über die Wiesen undWeidepflanzen überhaupt gibt, sind für die Landwirthe noch vorzüglich wichtig zubemerken, daß für Weiden die Pflanzen welche viele Wurzelblättcr haben und gernwieder uackwackseu, den Tritt der Thiere und schlechten Boden — bei gewöhnlichenmageren Weiden — gut vertragen und der zu weidenden Viehgattung anpassend sindgewünscht werben.

Auch auf Wiesen soll das Bodcngras (—wurzclblattrciche Weidegräser)nicht fehlen, soll die Pflanze feinfaserig und süß, endlich blattreiche und zarte Sten-gel haben, schnell wachsen, bald und gleichzeitig <— einige für Wiesen, andere fürGrummet —) blühen und reifen, also früh- und spätblühende.

Die Lehre vom Wiesenneubaue begrenzt sich in den Regeln über tiefe und guteBodenbearbeitung, selbst Düngung und der geschickten Auswahl des Samens dernach Boden und Klima zu beurtheilenden Pflanzenart; mau säe lieber dicht als zudünn und bringe den Samen nur oberflächlich unter, vorzüglich auch mit Benutzungder Walze. In unserm Klima geschieht die Grassaat besser zeitig im Frühlinge, istdieser trocken, im Herbste. Es hat sich vortheilhafter gezeigt^ ein Gemenge vonGrasarten und Wiesenpflanzen überhaupt zu säen, als eine Art allein. Beweidenoder Abmähen der gebildeten Decke im ersten Jahre ist sehr förderlich, falls es dieKraft der Pflanze und die Konsistenz des Bodens gestatten.

In der Lehre von der Wiesenpflege spielt, wie wir oben erwähnt, die Be-wässerung die Hauptrolle, mit größtem Rechte, da Wasser nicht bloß Nahrungs-stoft ist und sehr viele nährende Substanzen aufgelöst enthält, sondern auch dieErnährung vorzüglich vermittelt und noch obendrein eine oft sehr bedeutende MengeSchlammtheile mit sich führt, deren Absatz die Krume selbst dauernd verbessert.

Nichts verbessert den Boden so nachhaltend und lohnend,als die Bewässerung, weil hier der sonst so theure Düngerumsonst gegeben wird, jede bleibende Minderung der Ausga-ben um so viel den Werth des Bodens erhöht, als die Mul-tiplikation dieser Minderung mit der dem landesüblichenZinsfüße entsprechenden Capitalzahl beträgt.—

Indessen nicht vom Bewässern durch ablausendes Regenwasser von Hügeln undHöben oder aus Dörfern und Miststätten soll die Rede sein, sondern von der künstlichenNachahmung der großen Flußüberströmungen, die wir in vielen fruchtbaren Thälernfast alljährlich wiederkehren und eine äußerst üppige Wiesenvegetation hervorrufen sehen.