170
Die Landwirthschast.
Wir brauchen kaum noch zu erinnern, daß die Wirkung des Wassers aus dieVegetation wieder sehr verschieden ist, je nach der Menge pflanzennährender Stoffe,die es enthält, nach der Temperatur die bis zu 24" R. nur immer wirksamer wird,ja selbst die Vegetation zu einer Zeit thätig erhält, wo die Kälte der Atmosphäresie an unbewässerten Stellen längst unterdrückt hat; nach der Geschwindigkeit, derMasse und dem Wechsel neuer Ströme, in denen Wasser über die Pflanzen geleitetwird, endlich nach dem mehr oder weniger trockenen Zustande der Atmosphäre, derBeschaffenheit der Dammerde und ihres Untergrundes , zuletzt nach der Zeit selbst,in der Bewässerung vorgenommen wird.
Fließt das Wasser über die Grasnarbe, ohne an irgend einem Orte stehen zubleiben, so heißt dieß Ueberrieselnng. Sie wird künstlich erwirkt durch denRückenbau oder bei günstiger abhängiger Lage durch den Hangbau. Aufstauungdes Zuflusses, Zulcitnngs-, Vertheilungs - und Ueberschlagsgraben, wie Ab-zugsgraben sind Grundcinrichtungen, denen ein genaues Nivellement vorausgeht.Breite und Hohe der Rücken sind noch wenig bestimmt, doch bleibt wohl eine Breitevon 70' und 120' Länge das äußerste Maß. Daß diese Rücken nur bei sonst ebenerLage des Terrains nöthig sind, bei zureichender Neigung aber der Hangbau genügt,versteht sich von selbst. Oft auch ist eine Verbindung beider vom besten Erfolge.Beim Rückenban stehen die Ueberschlaggräben senkrecht auf den Zuleitungs- oderVertheilungsgräben, beim Hangbau aber laufen sie mit diesen parallel.
Bleibt das Wasser längere Zeit aus der Grasnarbe stehen und wird nach Will-kür abgelassen, so beißt dieses Ueberst a uun g. Die Wiese wird dazu mit einemDamme umgebe», in welchem 2 Schleusten, am Höchsten — für Zufluß — und amNiedrigsten zu Abfluß angebracht werden. Starke Dämme, Wässerungszeit bei ru-hender Vegetation, vorzüglich da, wo Bodenverbesseruug durch Schlamm bezwecktwird, völliger und rascher Abfluß des Wassers, das nie mit der Narbe zur fauligenGährung kommen darf, daher genaue Berücksichtigung der Temperatur sindHauptpunkte für die Ueberstauungslehre.
Wenig Berücksichtigung hat bis jetzt noch eine Methode der Bewässerung ge-sunden, die für Gegenden der gemäßigten Zone, welche an extremen atmosphärischenNiederschlügen leicht leiden, von besonderer Wichtigkeit ist, da sie das Maß nichtso rasch überschreiten läßt und besseres Auskommen mit den atmosphärischen Ereig-nissen der Art verspricht. Es ist die Anst a n n n g. Man läßt zu dem Behufe dasWasser in Gräben stehen, ohne daß dasselbe überfließt und rechnet auf die Capillar-Anziehung des Bodens. Diese Bewässernngsart kann natürlich und gerade amPassendsten auch während der Vegetationszeit statt finden, nicht bloß für Wiesen,auch für Feldfrüchte, für die sie in der Lombardei auch wirklich in Uebung ist.
Um den Werth der Bewässerung zu bestimmen, dient kein besserer Anhalts-punkt, als der Preis des Düngers, den man zur Erzielung desselben Effectsgebraucht hatte, festzustellen.
Als Dünger-Materialien wendet man für Wiesen an: Stalldünger, die Exkre-mente der Hausthiere und Menschen im festen und flüssigen Zustande, verschiedenevegetabilische und thierische Abfälle, endlich noch besonders mineralische Körper.
Man hat lange über die Verwendbarkeit des Stallmistes zur Wiesendüngunggestritten und zuletzt den Grundsatz festgestellt, daß die Verwendung dessel-ben unzweckmäßig ist, wenn man bei seiner Anwendung die Heu-production nicht um die Hälfte des angewandten Stallmistesvermehrt, d. h. wenn nicht für jeden Ctr. Stallmist ein halberCtr. Heu mehr erhalten wird, — weil eben ein halber Ctr. Heu einen gan-zen Ctr. Stallmist erzeugt und sich so der Düngerbedarf nicht auf Kosten der Fel-der ersetzt.