Künstliche Wechselwicscn. 171
Der Stallmist ist vor Winter auszuführen und im Winter durch Dorneggenrc. zu verkleinern und zu vertheilen.
Der Pferch wirkt auf Wiesen, zumal aus feuchte, sehr rasch, aber ohne An-imier. Auch die Gülle wirkt sehr schnell und noch auffallender als der Pferch, aberauch nur auf feuchten, lehmigen Gründen zunächst. Man rechnet Vr—1 Maß auf1 ill Fuß. Ihre Wirkung ist noch weniger anhaltend als die des Pferches.
Auch Malzkeime und Scheuerabfälle, Brechagen, Ruß und Knochenmehl,Horn, Klauen rc. wirken vortrefflich, am Nützlichsten werden für Wiesen aber vor-züglich solche Abfälle bcnützt, denen wegen vieles Unkrautgesämes die Zumischungzum Felddünger zu wehren ist.
Ganz besondere Wirkung äußern vor allen auf Wiesen auch die mineralischenDünger-Materialien; unter ihnen Holzasche zunächst —, aber mehr auf feuchte alstrockene Wiesen; weniger wirkt Tors- und Braunkohlenasche oder schon ausgelaugteAsche. Zum Zerstören des Mooses und saurer Gräser und zur Erzeugung süßerblattreicher Wiesenpflanzen und Kleearten vor allen trägt Asche viel bei und nichtminder der Gyps unter bestimmten Verhältnissen. Im Allgemeinen ist aber derGyps, wie die Abfälle der Salinen — mehr für künstliche Kleewiesen geeignet.Besser für natürliche Wiesen ist noch gebrannter Thon und Mergel, Kalk undBauschutt.
Der Rohertrag der Wiesen ist sehr verschieden. Es gibt dreimähdige Wiesen miteiner Production von 60 Ctr. und mehr, während Haide- und Moorwiesen kaumZ—4 Ctr. geben.
Künstliche Wechselwiesen.
(Kleewicscn.)
Fruchtwechsel, Stallfütterung und Brachanbau — die drei Losungsworte land-wirthschastlichen Fortschrittes unsers Jahrhunderts — worauf anders gründen siezunächst und was gibt ihnen die Möglichkeit der Ausführung vor Allem als dieKunstwiescn, der künstliche Futtcrbau neben Anbau von Wurzeln und Knollenfrüch-ten ? Schon lange indessen war ihr Anbau bekannt und unmerklich fast war er schonweit vorgeschritten, ehe schreibende und theoretisirendeLandwirthe steh seiner bemäch-tigten und neue Systeme daraus bauten, mit Recht und auch mit Erfolg, denn siehatten bereits die Erfahrung zur Grundlage. „Kommt es dem Staate aus Men-schenvermehrung an, sagt Schwerz, so gebührt allerdings der Kartoffel, kommtes ihm aber auf Wohlstand an, so gebührt ohne Gleichen dem Klee der Vor-zug!" Nach W. Medicus' trefflicher Geschichte des künstlichen Futterbaues istDodonaeuS, Professor und Botaniker zu Leiden, der Erste , der 1566 vomKleebaue spricht, da er vom Wicscnklee sagt, es werde auch bei den Brabanterneine Abart dieses Klees angebaut.
Zu derselben Zeit überreichte Camillo Tarello ein Memorial über denKleebau dem Senat von Venedig, der es 1767 drucken ließ. Es verbreitet sichüber den Kleebau im Brescianischen und daß er hier noch älter war, beweistAug. Gallo in einem schon 1550 erschienenen Werke. Es dürfte aber noch Zweifelobwalten, ob das triloxlio jener Italiener wirklich Rothklee war —; von Lucernewird er indessen unterschieden.
^ Heresbach kennt noch keinen Kleebau (— außer dem der Medica „v uelsche
Kleen" —) aber in C o lerus' Werk (oä. 1645) ist vom Wicsenanbaue mit Klee dieRede. Doch erst im 18. Jahrhundert kann von ausgedehnter Einführung des Klee-baues gesprochen werden.