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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschast.

Bon allen nach Untergang des weströmischen Reiches der Barbarei verfallenenLändern des südlichen Europa war es allein Spanien, wo sich am Längsten derAnbau der bei den Römern so geachteten Lucerne Mcdica erhielt; oder war sie,wie erweisbar scheint, durch die Araber, die ihre Cultur übten, erst wieder dahin gebrachtworden? ZllUst'usu, Nikla ^llüllu. Aus Spanien war sie wieder nachItalien gekommen, wo ihr Anbau 1544 erwähnt wird. Um 1565 ward der ersteSame davon in die Niederlande geschickt und der Ausdruck Hercsbach's (1573)deutet auch auf seine Herkunft aus Italien. C aes alpin nennt sie zum ersten Male(1587) Lucerne, (Uueert, Imusorcko) und es ist kein Grund vorhanden, dieß vornCanton gleiches Namens in der Schweiz herzuleiten.

Auch Esparsette scheint schon von 1567 (Dalechamp) in Frankreichzuerst im Anbaue gewesen zu sein. OlivicrdeSerres spricht (1600 ) trefflichvon ihrer Cultur. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts verbreitete sich die Pflanzein Deutschland.

Es ist eine gewöhnliche Annahme, daß sich Schubart von Kleefeld das größteVerdienst um Einführung des Kleebaues und des künstlichen Futtcrbaues überhaupterworben habe. So wenig wir dieses in der Hauptsache was nämlich Abschaffungder Feudal-Hindernisse und kühnes Eingreifen in die praktische Ausführung betrifft bestreiten wollen, so verlangt doch die Unparteilichkeit als Grundlage historischerForschung zu bemerken, daß sein Wirken sich zunächst nur aus Sachsen selbst, janur aus einen engern Kreis beschränkte, daß aber wohl durch seinen Feuereifer undseine Verbindungen die Aufmerksamkeit für diesen Gegenstand allgemein reger wurde.Schon Riem erklärt I. G. Leopoldt für den ersten Lehrer des Kleebaues imGroßen in die Brache (1750) und W. Medicus will diese Ehre Zink viudicirtwissen., Patullo, Stapfer, am Meisten aber Beruhard erwarben sich nichtgeringere Verdienste darum und von Kohlenbrenner wird um 1769 der Kleebauals schon längst bekannt in Bayern geschildert und eine kurfürstliche Verordnungvon 1762 empfiehlt Aufhebung der Brache und Kleeanbau.

Ph.Ad. Ulrich, (Professor juris et ruris) zu Würzburg, baute seit 1717 Kleeund 1739 selbst im Großen. Schon vorher, im 17. Jahrhundert, war der Kleebauam Rheine vcrallgcmeint worden.

I. Chr. S chub art war zu Zciz in Sachsen am 24. Febr. 1734 geboren.Sein Vater war Zeug- und Leinweber daselbst. Scbnbart entwickelte früh-zeitig Talente, beim Mangel tieferer Schulbildung aber mehr für den Schreibtisch,als für höhere Dinge. Mit seiner Bekanntschaft mit höheren Justiz-Beamten undOfficieren im schlcsischen Kriege und vorzüglich mit seiner Tbeiluabme an dem damalssehr regen und einflußreichen Frcimanrcrwescn begann sein Glück, das eine reicheHeirath vollendete.

Er kaufte sich einige Rittergüter (Würchwitz), und da er mit dcm Elende desgemeinen Landbauers bekannter ward, begann auch sein Streben, dem abzubeißendurch bessere Cultur und jene der Futterkräutcr vorzüglich, dann aber noch mehrdurch kräftige Unterstützung des bereits allenthalben auflodernden Kampfes gegenden Feudal-Drnck. Die Zeiten waren ihm günstiger, als man sonst glauben will,und die Tage eines J o sep h's II., Friedrich's des Großen, selbst einer Katha-rina und Maria Theresia werden vergeblich von der Neuzeit zurückersehnt.Trotz seiner Widersacher in Sachsen zunächst und auch größerer Landwirthe bliebdie Mehrzahl dieser auf seiner Seite, zumal seit er die Preisfrage der königl.preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin über Futterban 1782 gelösthatte. Er schrieb in 4 Theilen ökonomisch - cameralistische Schriften verschiedenenmeist das oben Berührte betreffenden Inhalts. In Oestreich vorzüglich wardSchubart's Bestreben sehr geschätzt und ihm durch Empfehlung des Herzogs von