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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Künstliche Wechselwiesen.

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Eoburg unv des Fürsten v. Fürsteilberg 1784 der Adelsbrief als Ritterdes römischen Reichs vom Kleefelde übersandt. Er starb 1787 ohne reichergeworven zu sein.

Die Lucerne ist die werthvollste der gewöhnlichen Kieearten, sie wird beifortschreitender klimatischer Aenderung in Mitteleuropa ebenso Terrain gewinnen,als der Rvthklee davon verlieren dürfte. Sie gedeiht nur auf tiefgründigem Bodenvorzüglicher Qualität, mit sehr artbarer Unterlage ohne Wasser im Untergründe.Mit etwas Kalk vermischter Thon- oder Lehmboden der Alluvionen, vorzüglich derSchwemmboden der Flußthäler, dabei ein günstiges, mindestens Wintergetreide-Klima, eignen sich zu ihrem Anbaue am Besten. Sie wird mit Cerealien zugleichmeist ausgebaut in tief gelockertem und voll Unkraut wohl gereinigtem Boden,breitwürstg oder mit Säemaschinen, selbst verpflanzt wird sie, die Saat muß wiebeim Rothklee nur sehr seicht untergebracht werden, was jedoch durch den Feuchtig-keitszustand der Krume modiflcirt wird. Dornegge». Man säet 1012 Pfundauf den bayrischen Morgen und erntet im Maximum 60 80 Ctr.

Der Rothklee verlangt auch einen bindenden, Feuchtigkeit haltenden Boden,bei guter Unterlage, doch ohne dieselbe Tiefe wie die Lueerne zu heischen. GegenKälte ist er viel weniger empfindlich, als die Lucerne, und wenn er nur hinlänglichatmosphärische Feuchtigkeit hat, wie er sie in seiner Heimath den Alpenplateau'sdes südlichen Europa hat, so ist sein Gedeihen nicht schwierig. Man säet 810Psd., wie eben bei der Lucerne gesagt ward, und liebt es, während seiner Vegetationihm Gvps und Dünger überhauvt zu geben. Das Gypsen geschieht gern über diebethauten Pflanzen und bei trüber Witterung, zunächst im Frühlinge, wenn die Ve-getation beginnt; das Gypsen im Herbste hat man weniger Vortheilhaft gefunden.Pfarrer Mayer von Kupferzell ist der Apostel des Gypsens gewesen (1769).

Wo weder Klee noch Lucerne mehr gedeiht, wächst noch gut der Esp er, wenner nur Kalk in der Krume findet. In gutem Boden ohne Kalk, selbst in humus-reichem Quarzsandboden gedeiht er aber auch. Freilich gibt man ihm diesen Bodennicht, weil er auch mit schlechtem vorlieb nimmt, was indessen seine Grenzen hatund leider nur zu oft in zu großer Ausdehnung angenommen wird. Man säet60 80 Psd. auf den Morgen, wenn er in Hülsen eingeschlossen ist. Lucerne undE>par>ette erlangen erst im 3.4. Jahre ihre vollkommene Entwickelung und dauernnach Beschaffenheit des Bodens 612 Jahre und darüber, der Rothklee aber nur34 Jahre.

Die Aberntung der Kleewiesen geschieht, will man Grünfutter haben, ohnealle Schwierigkeit; anders aber, falls man Kleeheu bereitet. Da zeigt sich denn,baß die zarten Blätter und Blüthen viel eher trocknen und bei weiterer Behandlungabspringen und verloren gehen, als die dicken grünen Stengel, denen eine langeandauernde Witterung zum völligen Trocknen vergönnt stin muß. Man hat daherdas Trocknen des Klee's auf Stiefeln (Hisfeln) und Gerüsten, auch selbst die Bil-dung braunen Heues mit viel Vortheil in Uebung gebracht.

Will man Kleesamen erzielen, so geht dieß zwar bezüglich des Trocknens leichtervor sich, hat aber sonst manches Widrige, vor Allem aber ist zu bedenken, daß durchSamengewinnnng die Heuernte vermindert und die Kraft des Bodens sehr in An-spruch genommen wird. Man erntet leicht 1'/? 2 Ctr. vvm bayrischen Morgen.Der Esper gibt 23 Schffl. Samen. Leichter ist die Samengewinnung bei derLucerne.

Stach den Erfahrungen der neuern Zeit kann man als 'entschiedenen Grundsatzannehmen, daß Wiesen, welche wegen zu großer Feuchtigkeit nicht zum Ackerbauegeeignet sind oder durch Bewässerung eine unpntgeldliche Düngung erhalten, esauch bleiben sollen, solche hingegen, die dieses nicht haben, sollen in Ackerland ver-