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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Die Landwirthschaft.

wandelt und mit Fntterkräutern bestellt werden. Nicht bloß die Jetztzeit, sondernauch die ganze Geschichte der Landwirthschaft zeigt die Richtigkeit des Aussprnches >des großen Thaer, daß der Werth der Wiesen den Stand des Ackerbaues einer.Gegend anzeige je höher er stehe, um so niederer dieser und umgekehrt.

Moreau de Ionnes that kaum einen Schritt weiter, wenn er die Behauptungso stellte, daß in jenen Ländern der (europäische) Ackerbau immeram Höchsten stehe, in welchen der Anbau der künstlichen Futter- >

pflanzen am Meisten verbreitet sei. Griechenland und Rom bauten in der jZeit ihrer höchsten Blüthe sehr viele Futterkräuter an, von denen viele in neuerenZeiten dort nicht einmal mehr dem Namen nach bekannt sind. Aber jene hoch inder Agrikultur stehenden Länder sind deßhalb doch noch nicht auch die wohlhabendstendurch die ganze Volksmasse, wennauch die in Künsten und Wissenschaften ansge-bildetsten!

Aus uralter Zeit sind noch zwei Wirthschaftsweisen bis auf unsere Tage ge-kommen, deren man hier Erwähnung thun muß, obgleich sie eigentlich unter demCapitel der Wirthschasts-Systeme erörtert werden sollen. Das ist nämlich jener Ueber-gang aus dem Weideleben des Halbnomadeu in den vorherrschenden Ackerbau, wieihn die Egarten - Wirthschäst der süddeutschen Gebirgsländer und die Koppel-Wirthschaft des norddeutschen Flachlandes zeigt. Man baut eben in dem ge-düngten Graslandumbruche 3 4 Jahre Ackerfrüchte und läßt dann das Landwieder ebenso lange oder bei den Koppeln noch länger znr Weide liegen. Obumfriedet oder nicht, ändert nicht das Wesen.

Von den Weiden.

Hier ist der Ort, noch nachträglich jener Flächen zu gedenken, die zwar in derUrzeit die ersten landwirthschaftlichen Bestrebungen der viehzuchttreibenden Nomaden,aber nur selten eine besondere Cultur als solche sahen. Es sind die Weideländereien,vielfach angefeindet, wo nicht gar ohne alles Recht aus Berufung verurtheilt. Den-noch gab es seit je und wird es für immer Weiden geben, so lange es Flächen gibt,die, wie Moor-, Haide- und Alpenland, zu nichts Besserem zu benützen sind. Auch >Fettweidcn gibt es, wohl nur unter sehr bestimmten Gründen gerechtfertigt.

Vor Allem sind es Moorgründe, die gerne als Weide benützt werden, obgleichihnen nur schlechtes und ungesundes Futter abgewonnen wird. Bedenkt man dabei >

den schon an und für sich spärlichen Aufenthalt der Thiere aus solchen feuchtenGründen mit schlechtem Master und ungesunden Dünsten, obendrein das Einsinkender Weidethiere rc., so muß man gestehen, daß solche Weiden oft besser gar nichtbenützt würden, es sei denn, um Streu zu gewinnen.

Die größten Vorzüge und in jeder Beziehung den geringsten Widerspruchgegen ihre Benützung bieten die Alpenweiden, wo wegen steiler Lage oder klima-tischer Verhältnisse eine andere Nutzung meist gar nicht Statt finde» kann.

Alle Weiden lassen sich durch zweckmäßige Pflege zu höherm Ertrage bringen,wie insbesondere durch Regulirung der Feuchtigkeitsverhältnisse, Vertheilung desWeidedüngers und Einführung einer zweckmäßigen Weideordnung. Weiden, dieso mager sind, daß mehr als 6 Morgen zu einer Kuhweide erfordert werden, werdenzweckmäßiger als Schafweide benützt. Man rechnet, daß, wenn für eine Kuh 3 MorgenWeide nothwendig sind (für die Weidezeit), zu einer Pferdeweide an demselbenOrte 41/2 Morgen, zu einer Ochsenweide 4 Morgen, zu einer Fohlenweide 2^Morgen, zu einer Kälberweide I V. Morgen und zu einer Schafweide Morgenerfordert werde. Je nach den Viehracen ändert sich dieß freilich bedeutend ab.