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Die sandwirthschast.
rungen des Gcschlechtstriebes lasse man nicht zu junge Thiere zu, mäste sie niemals,gebe aber auf die erste Begattung nicht besonders viel. Kreuzt man, sosoll das männliche Thier bei jeder Wiederholung immer wieder ein Race-Thiersein, bis zwischen den Blendlingen und den zu erzielenden Raccn kein Unterschiedmehr ist. Dennoch werden diese durch Kreuzung erzielten Naceu endlich wieder inden TyPnS der natürlichen einheimischen Naceu zurückfallen, daher man sie vonZeit zu Zeit mit männlichen Nace-Thieren wieder auffrischen muß.
Die Materie des Thierkörpers ist im Allgemeinen entweder fest oder flüssig.Die festen Theile werden gewöhnlich in der Anatomie betrachtet, die flüssigen fallenmehr der physiologischen und chemischen Erörterung anheim.
Drei Grundbildungsformen gibt es vorzugsweise für die festen Gebilde —Faser — Lamelle und Nervenkügelchcn. Aus ihnen entstehen die organischen Ge-bilde oder Organe schlechtweg, als Zellgewebe, Häute, Gefäße, Drüsen, Nerven,Muskeln, Bänder, Knorpel, hornige Gebilde und Knochen.
Die Knochen dienen allen anderen Organen als Stütze und Grundlage.Sie bilden zusammen das Skelett, welches bei den Säugethieren in Kops, Rumpfund Extremitäten weiter zerfällt. Durch Bänder und Muskeln verbunden, werdensie znr Bewegnng geeignet. Es ist nicht unsere Sache, die einzelnen Knochen desSäugcthier-Skeletts hier namentlich aufzuführen, nur das wollen wir noch be-merken, daß das Verhältniß der Knochen zum Fleische angegeben wird, wie
1: 8 beim nngemästctcn Rinde;
1:14 „ gemästeten Rinde;
1: 4 bei Schafen und Hämmeln;
1:9 „ Enten, Gänsen, Hasen und Kaninchen;
1:7 „ Hühnern.
Die Knochen bestehen größtentheils aus phosphorsaurcm und kohlensauremKalke, sind also nicht zur Ernährung geeignet, woraus klar wird, daß man großeNaceu bei schlechter Ernährung in der Landwirthschaft nicht halten soll.
Als besondere Organe der BildnngSthätigkeit betrachtet man die Verd auung s-werkzeuge überhaupt, die AthmungS-Organe, Blutgefäße, Haut und Nieren.Außer der später zu erwähnenden Verdauung selbst fordert insbesondere der Magendie Aufmerksamkeit des Viehzüchters. Der Magen des Pferdes ist klein, daher ihmnahrhaftere und weniger voluminöse Nahrungsmittel gereicht werden sollen. Er hateinen Rauminhalt von 0,3 Kubik-Fnß im Mittel. — DaS Gegentheil ist mit demvierfachen Magen der Wiederkäuer der Fall, dessen Pansen oder Wanst 6,85 Knbik-Fuß hält, die Haube 0,23, der Löser0,5t und der Lab oder eigentliche Magen0,54 Knbik - Fuß.
Die im Pansen und der Haube befindlichen verschluckten und nicht verkantenNahrungsmittel kehren in die Mundhöhle zurück, und werden vertäut und mitSpeichel gemischt wieder in die übrigen Magenabthcilungeu zurückgestoßen.
Aus diesen Verhältnissen des Magens der Wiederkäuer folgt klar, daß siegrößere Futter - Quanta, auch weniger nahrhafte aufnehmen können, ja daß manihnen größere Massen schon zur Ausfüllung des Wanstes verabreichen nnd längereZeit zur Stillung ihres Appetites gönnen muß. — Der Magensaft wirkt erst eigent-lich auf jene durch den Speichel schon vorbereitete Zersetzung der Nahrungsmittel,Verdauung genannt — er bildet den Chymus. Reich an Salzsäure und Kochsalzüberhaupt, wie er ist, befördert vorzüglich auch das mit dem Futter gegebene Koch-salz die Verdauung und ein Zusatz desselben ist eine Hauptbedingung zum rechtenGedeihen. Gelangt der Chymus in die Därme, so nehmen die Milchgefäße darausden Chylus auf nnd sie haben dazu um so mehr Zeit, je länger die Gedärme selbstsind, wie z. B. bei Schafen und Ziegen der Fall ist. Umgekehrt gehen aus dem