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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Viehzucht Nindviehzucht.

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Nächst den besonderen Nahrungsstoffen ist auch das Wasser von besondermWerthe zum Fortbestehen des Thier-Organismus, dem es zur Bluterzeugungund Entfernung fremdartiger Stoffe (Urin, Dunst, Schweiß), Verhinderungder Austrocknung und Erhaltung der Milchabsonderung hilft. Es soll vermehrtund verbessert werden bei hoher Temperatur, größerer Anstrengung der Zug-thiere und reichlicher Milchabsonderung. In dem bei Weitem größten Theile desJahres ist die Temperatur der Atmosphäre in unserer Zone niederer als dieeigenthümliche Wärme der Thiere, denen also letztere dadurch entzogen wird.Ihr Ersatz ist um so nöthiger, je größer die Differenz ist. Die für unsereHausthiere passendste Temperatur scheint im Mittel 15" R. zu sein. Vorzüg-lich junge Thiere brauchen zu ihrer vollkommenen Entwickelung 1018° R. inStällen oder auf sonniger Waide; Thiere mit starker Hautbedeckung, z. B.Schafe brauchen höchstens 10 12° R. mehr sollen Mastthiere haben.Nicht uninteressant ist ferner die Betrachtung der örtlichen Verhältnisse bezüglichder Thierarten. So z. B- nennt man mit Recht Schafe und ZiegenGebirgsthiere, Pferde und Esel Höhenthiere, Rinder Niederungsthiere,Schweine Sumpfthiere. (Sturm.)

Rindviehzucht

Wenn auch nur mit Schwierigkeit die wilde Stammart unserer Rindvieh-Racen angedeutet werden könnte, so ist doch mit mehr Sicherheit anzunehmen,daß jedenfalls diese Art selbst in den Niederungen zunächst sich ausgehalten habenmuß, in den Niederungs-Racen also auch am Meisten Urtypus noch anzutreffensein wird. Unter den Gebirgs-, Niederuugs- und Land-Racen sind ausgezeichnetdurch großen Körper und Milchergibigkeit die holländisch-friesische, durch Mast-fähigkeit und Zugkraft die podolisch-ungarische, durch fette Milch in großerMenge die schwpzer, durch Genügsamkeit und Beleibtheit die tyroler Race; derLandschlag, gut gehalten, ist in den meisten Fällen der, welcher den größtenReinertrag gibt. Vorerst kommen in der Lehre von der Viehhaltung überhauptdie Fütteruugsgruudsätze zur Sprache und die Erfahrung hat festgesetzt, daß1) das Futter der Natur des Thieres angemessen sein soll, 2) soll das Vieh außerdem Futter zur Lebensfristung auch noch Nutzungsfutter erhalten und 3) mußzwilchen dem Volumen und der Nahrungskraft des Futters ein passendes Ver-hältniß bestehen. Man rechnet nun für 1 Ctr. lebendes Gewicht 1* 1"/» Psd.

Heuwerth Conservations-Futter; 2'/,3 Pfd., falls das Thier noch einen Nutzengeben soll. Im guten Wiesenheu steht das Verhältniß der nährenden Stoffe zumUmfange in einem angemessenen Verhältnisse und 1 Ctr. Heu nimmt in mäßigzusammengedrücktem Zustande einen Raum von 18 Cubik-Fuß ein. Braucht eineKuh 20 Psd. Heu täglich, so nehmen diese Cubik-Fuß ein und füllen denWanst vollkommen aus. Endlich werden aus 1 Theil trockne Substanz 34,selten 5 Theile Wässerigkeit gerechnet und eine zweckmäßige Zusammensetzung,Abwechselung und Vorbereitung des Futters bezielt.

Das Rindvieh wird in Deutschland den Winter über im Stalle gefüttert, imSommer ebenda oder auf der Waide.

Die Winterfütterung beschränkt sich größtentheils aus Häcksel, Wurzel- undKnollenfrüchte und die Abfälle bei den Gewerben.

Der Häcksel (Stroh und Heu in verschiedenen Verhältnissen gemischt) wird rohoder gekocht oder selbst in einem gewissen Zustande der Gährung gefüttert.Körnerfrüchte werden vor ihrer Anwendung mit Vortheil geschrotet und meist nurden anderen Futtermaterialien zugesetzt.