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Die Landwirthschaft.
Wurzeln und Knollen werden rvh oder gekocht, ganz und öfter zerkleinertgefüttert. Die Fütterung mit Branntweinschlempe und Biertrebern wird beson-ders nach dem Gehalte dieser Materialien an festen — nahrhaften — Stoffen zuberechnen sein, ohne aber die sonstigen Beimischungen der Schlempe bezüglich ihrerUnschädlichkeit für die Ernährung außer Rücksicht zu lassen. Die Nahrhaftigkeitder Schlempe wird am Besten mit '/g des Heues angenommen. Trocknen undnoch mehr das Einsalzen sind treffliche Mittel zur Conservirung der Futterstoffe.Man rechnet dabei auf 5—6 Ctr. Grünfutter 1—2 Psd. Salz. Ueberhaupt istKochsalz für unsere Hausthiere das einzig nothwendige Gewürz und man rechnetfür ein erwachsenes Stück Rindvieh jährlich 20—34 Psd. Kochsalz, — welchesaber das gewöhnliche Viehsalz meist nur zur Hälfte seines Gewichtes enthält.Die übrigen Bestandtheile lKalk, Gyps rc.) sind keinesweges für die Verdauungs-werkzeuge gleichgiltige Stoffe und schaden entschieden, wenn sie in etwas bedeu-tender Menge in den Magen kommen, wie z. B. bei verstärktem Salzgebrauchein der Mast vorkommen kaun.
Die Fütterung soll der Größe und der Zeit nach so gleichförmig als möglichsein — 2—3 Mal des Tages. Saftfuttter für Melkvieh und reichliche Tränke! —Von einem Futter zum andern nur allmälig überzugehen, ist eine besondere Regel,namentlich von der Winterstallfütterung zur Grünfütterung des Sommers.Das Grünfutter soll überhaupt täglich frisch nach Hause gebracht und nicht zu hochund zu lange aufgehäuft bleiben, blähendes Grünfutter werde mit trockenemgemischt; das zu lange werde geschnitten und nur portionenweise in längerenZwischenräumen vorgelegt. Auch vor der Tränke unmittelbar nach dem Zutheilendes Grünfutters und überhaupt vor aufblähenden Dingen hüte man sich!
Die Nutzungen des Melkviehes bestehen in der Milch, dem Kalbe unddem Dünger. Die Kuh wird nach dem Kalben nach 3—4 Wochen wiederrinderig, wenn das Kalb zeitig abgewöhnt und die Kuh gut genährt ward.Das Zulassen soll aber vor zwei Monaten nicht stattfinden. Die Kühe werdenbei guter Ernährung in allen Jahreszeiten brünstig. Am Besten ist sonst diePaarung in den Monaten Mai, Juni und Juli. Bis zum zwölften Jahrekönnen die Kühe zur Paarung verwendet werden und man kann in dieser Zeitaus 9 Kälber rechnen.
Gleich nach dem Kälbern gibt die Kuh zwar die meiste, aber die wässerigsteMilch, welche allmälig an Menge abnimmt, bis sie bei einer abermaligenTrächtigkeit 1—2 Monate vor dem Kälbern versiegt. Die Menge der Milch,die eine Kuh täglich oder jährlich gibt, hängt ab von der Menge und Beschaffen-heit der Nahrung, vom Alter der Thiere, der Race, der Beschaffenheit des Klima'sund der Wartung und Pflege. Wässerige, grüne und zuckerhaltige Nahrungsstoffe wir-ken mehr auf die Quantität, trockne und mehlige mehr auf die Qualität der Milch(Gerike). — Man nimmt im Allgemeinen an, daß eine mittelmäßig gute Kuh20—22 Maß Milch vom Centner des auf Heu reducirten Futters gebe, gibtsie unter 18 Maß, so ist sie nicht werth gehalten zu werden. Zwischen dem4—8ten Lebensjahre gibt die Kuh am Meisten Milch. Mäßig warmes undfeuchtes Klima sagt der Milcherzeugung zu (Galaktometer — Melkröhrchen,flehe oben). In den bei Weitem meisten Fällen ist die beste Milchverwerthungjene, wenn man die Milch gleich verkaufen kann, ohne an weitere Veredlungdurch Butter- und Käsebereitung gehen zu müssen.
Da wir oben schon von den Grundsätzen der Paarung hinlänglich gesprochenhaben, so mögen hier nur noch einige Lehrsätze über die Mästung des Rind-viehes stehen. Zunächst haben Alter, Geschlecht, Gesundheit und Anlage Ein-fluß hierauf und es gilt in dieser Beziehung daß sich weder zu junge, noch zu