Milchviehzucht — Schafzucht.
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alte Thiere gern mästen, Ochsen nnd Nonnen leichter als Stiere und Kühe,gesundes und kräftiges, mit den Zeichen der Mastfähigkeit (weiche Haut, schwam-miges Zellgewebe, langer, tonnenförmig gewölbter Leib, leichte Knochen rc.) ver-sehenes Vieh eher, als sehr mageres und kraftloses. Weiden, Heu nnd Grün-sutter mästen langsam, am besten Getreide, Oelkuchen und Abfälle aus Brauereien,Brennereien rc. Vorbereitung des Futters durch Einweichen, Anbrüheift, Schro-ten, Schneiden und Kochen rc., nebst geschickter Abwechselung, Salzgabe, Ruheund Reinlichkeit sind sehr zu empfehlen.
Man unterscheidet halbe und ganze Mästung; — sie dauert in der Regel3—6 Monate. Erfahrungsgemäß beträgt die mittlere Gewichtszunahme einesMastochsen an Fleisch per Tag 1,1 Pfd.
Die Nutzungen der Mästung bestehen in dem Dünger, der Werthszunahmedes Thieres durch Vermehrung von Fleisch und Fett. Dadurch müssen die Aus-gaben gedeckt werden. Nimmt man die Dauer der Mästung mit 120 Tagen anund die tägliche Futtermenge mit Einschluß der aus Heu reducirten Streu zu40 Pfd. im Durchschnitte, so ist der ganze Futterbedarf 48 Ctr. Heu, woraussicher 100 Ctr. trefflichen Düngers erhalten werden. Die bleibenden Ausgabenfür Verzinsung des Ankaufs - Capitals, des Gebäude- und des Stallgeräthe-Capitals, der Wartung und Pflege, Salz rc. werden durch den Dünger reichlichgedeckt, aber die Auslagen für Futter nnd Streu müssen durch die Gewichts-zunahme zurückerstattet werden. Man nimmt auf 100 Pfd. lebenden Gewichtesim halbgemästeten Zustande 55—60 Pfd. Fleisch und 5—6 Pfd. Unschlitt, zu-sammen 60—66 Pfd. — im ganz gemästeten Zustande aber 60—70 Pfd. Fleischmit 6—10 Pfd. Unschlitt — also 66—80 Pfd. Fleischgewicht an, das Gewichtder Haut beträgt auf 100 Pfd. Fleisch — 9 —15 Pfd.; ein Centner Heuerzeugt aber 5—8 Pfd. Gewichtsmchrnng im lebenden Zustande — nnd dem-gemäß erhält ein Viehmäster circa 30—48 Kreuzer für den Centner verfüttertenHeues, wenn das Pfund lebenden Gewichts um 6 kr. bezahlt wird (Ziert.)
Mangel an künstlichem Futterbaue, plan- und sinnlose Durchkreuzung, Ver-nachläßignng der Inzucht und Aufzucht, mangelhafte Verwendung der Ochsenund noch mehr der Kühe zur Arbeit sind die hauptsächlichsten Ursachen desniedern Standes der Rindviehzucht in den meisten Ländern Europa's.
Schafzucht
Wer von den großartigen Veränderungen überzeugt ist, welche die organi-sche Welt durch die Umänderungen ihrer Bedingung zur Existenz, oder jeneder Cultur zumal in der Zeit erlitten hat, der wird es unschwer begreifen können,wie aus einem Thiere wie dem Muslon das ihm in jeder Beziehung so nahestehende zahme Schaf entstehen konnte. Die fruchtbare Nachkommenschaft nachder Paarung beider, die gleiche Stimme, selbst beiden gleiche Krankheiten sprechennicht minder dafür, als der Lieblingsaufenthalt beider auf grasreichen Gebirgs-höhen des Südens. Auch der A r g ali istwohl von beiden wenig wesentlich verschieden.
Von besonderem Werthe für landwirthschaftliche Viehhaltung ist seit je dasSchaf den Nomaden gewesen und keine andere Thicrgattnng hat mehr die Eigen-schaften des Wanderns in ihre Natur aufgenommen.
Von den Schafen vor Allem galt der alte Spruch: uxrieolas eolltrariur»pustoris pruepositum! — Daß indessen Schafzucht und Schafhaltung, zumalals Schasmast (in England) oder aus feine Wolle gezogen (in Deutschland) fürhöhern landwirthschaftlichen Betrieb sehr von Werth wurden, daß sie selbst füreinige Decennien die Präponderanz agricoler Strebungen für sich gewannen, ward