Pferdezucht.
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Zeit, der sich babylonisches und kappadokisches Blut, erst spät noch arabischesanschloß.
Mit sehr vielem Grunde werden die Pferde nach dem größern oder geringernVorherrschen der Nerven- und Muskelthätigkeit — in denen ja ihre edelstenEigenschaften (Kraft, Ausdauer, Muth, Leichtigkeit, Schnelligkeit nnd Gelehrig-keit) wurzeln, in 2 Hanptabtheilnngen gebracht. In der ersten stehen die edlenoder morgenläudischen Racen—reines Naturprvduct (arabisches, persisches, ber-berisches, syrisches, englisches Vollblut rc.)von ihnen bilden die Moldauer undWallachen, Ungarn, Polen, Russen rc. den Uebergang zu den gemeinen abend-ländischen mehr Phlegmatischen Racen, in denen als Haupt-Typen die Friesen undFlanderer, Andalusier, Neapolitaner, Lombarden, Normannen, Holsteiner, Dänen,Burgunder rc. bekannt sind. Charakterlos zwischen beide fällt der gemeine Land-schlag, der sich bald jenen Uebergangsbildern, bald mancher abendländischenHaupt-Race mehr nähert.
Als Grundansicht zur Bestimmung der Pferdefütterung und Pflege dient,daß das Pferd einen verhältnißmäßig kleinen nnd einfachen Magen hat, somitmehr nahrhaftes als voluminöses Futter bedarf, es kann auch in kürzeren Zwi-schenränmen wieder gefüttert werden. gegen Hitze, Kälte und Nässe ist das Pferdweniger empfindlich als das Rind, und Sumpfpflanzen—sogenannte saure Gräser —sind ihm weniger schädlich als anderen Grasfresser». Seine Krankheiten tragengern den Charakter der Phlogosis an sich.
Im 3. oder 4. Jahre werden die jungen Stuten rossig und dieß äußert sichdurch 8—14 Tage fort. Man läßt sie aber erst im 4. Jahre zu. Haben sie auf-genommen , so schlagen sie darauf jeden andern Hengst ab. Man braucht sie mitErfolg bis zum 20. Jahre ihres Lebens zur Zucht. Außer den schon oben angegebenenRegeln gelten noch für die Paarung der Pferde insbesondere 1) nur Gleiches mitGleichem zu paaren und niemals — selbst schöne — Blendlinge oder künstlicheRacenpserde den natürlichen oder constanten vorznzieben. 2> Bei zu großen Ver-schiedenheiten der Aeltern ist meistens Unfruchtbarkeit oder fehlerhafte Bildung desErzeugten die Folge. Diese Verschiedenheiten sind aber sowohl bezüglich des Al-ters und Temperaments, als auch bezüglich des Habitus zu beachten. 3) Wenndiese Regeln nicht beobachtet werden können, dann hüte man sich vor Allem, Kreu-zung vorzunehmen, da ihre Resultate sicher schlecht ausfallen.
Für den Landwirth möchten zunächst die polnischen und ungarischen PferdeBeachtung verdienen.
Bezüglich der Aufzucht gilt, daß die Fohlen wenigstens 5—6 Monate langsangen nnd neben der Mutter eine sonnige, trockene und geschützte Weide genießensollen. In späterer Zeit ist immer wieder die gut gelegene Weide die Hauptsacheund nur sehr allmälig wird ihnen Körnerfutter (—- Hafer bei uns, Gerste inSüdeuropa, Asien und Arabien) gereicht. „Trockene, hochgelegene Weiden, Frei-heit im Stalle, eine reichliche und kräftige Ernährung und eine späte Verwendungsind als die Grundbedingungen einer edlen Pferdezucht anzusehen."
Für die Fütterung hat Weide nkeller folgenden Bedarf festgestellt:
6— 7 Pfd. Heu und 9 Pfd. Hafer bei mittleren Reitpferden.
» » » „ „ 13 „ „ „ großen „ „
9—10 „ „ „ 13 „ „ „ Kutschpferden.
14—15 „ „ „ 18—22 „ „ „ Frachtpferden.
Diese ist in 3 Portionen vertheilt möglichst rein vorzulegen. Der täglicheFutterbedarf beträgt im Durchschnitte den 20. Theil des lebenden Gewichtes Heu.Auf 10 Pfd. Hafer rechnet man hiebet.gern 12 Pfd. Heu und 4 Pfd. Häcksel. DasFutterstroh verhält sich zum Streustroh wie 3:5 und das Streustroh beträgt den