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Historisch-encyklopädischer Grundriss der Landwirthschaftslehre / von Dr. Fraas
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Bienenzucht.

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sich beeifert, die wilde Bienenzucht von Wäldern und Haidcn in die zahmeüberzuführen und wettern Fortschritt bezielt. Nahe an 200 einzelne WerkeZählten wir bis auf die neueste Zeit über Bienenzucht und es ist kein Zweifel,die Bienenväter schwärmen gern im Gebiete unschuldiger Schreibseligkeit. Soweit deutsche Geschichte reicht, war Honiggewinnung ein Haupterwerbszweigder Freien, den sie durch Unfreie Zeidler, OiäelurU (wohl vonsiedeln ansiedeln") ausüben ließen. Die Gesetze der Gothen und Bajuvarier sorgtenfür Sicherung derZidelwaid" und der große Carl ließ schon halbzahmeBienenzucht auf seinen Gütern treiben. Aber die Cultur schritt vorwärts, derForst ward gebannt, der Axt ein Maß vorgeschrieben, die Waidbäume wurdender Zucht unterworfen, den Immen aber dieZeidelweide" verkümmert.Die Zeidler wurden den Waldbesttzern dienstbar. Vorzüglich und um so mehrkam die zahme Bienenzucht, namentlich bei den Klöstern, in Aufnahme.

Weitere Beengung ihrer Gerechtsame und die Forderungen der fortschrei-tenden Zeit drängten immer enger die Zeidler zusammen und vereinigte sieendlich in größere Gesellschaften eine Zunft bildeten sie längst, die sich selbstmit kaiserlichen Privilegien zu verschanzen wußte. So erhielt der älteste undausgedehnteste Zeidlerverein von Nürnberg schon 1350 von Carl IV. seinePrivilegien und gab seine Zeidlerordnung. Ueber alle Zeidler stand dort einOberrichter (Butigler), unter ihm der Zeidelmeister, der zu Feucht seinenSitz hatte, die Versammlungen leitete und Recht sprach. (Nürnberger Lebkuchen.)Auch im Brandenburg-Kulmbachischen existirte eine Zeidler-Gesellschaft, die imJahr 1398 vom Burggrafen Johannes mit Privilegien versehen ward. Ebensoentstand eine sehr beliebte derartige zu Hoyerswerda (!558) und die be-rühmte von Mus kau (1648), wie ähnliche in Brandenburg und Franken.Auch nahmen sich später die Regierungen der Bienenzucht an, was immer einschlimmes Omen für ihren Zustand war, denn nur bei sehr viel Sachkenntnißund Vorsicht mische sich Beamteuvolk erfolgreich in Dinge landwirthschaftlichenBetriebes, sonst aber macht bureaukratisches Dreinfahreu bei meist mangelnderErfahrung in der Regel solchen Culturzweigen vollends den Garaus. Unterihrem Schutze nun entstanden statt der Zcidlereien eigene Bienengesellschaftenin Brandenburg, in Franken, der Lausitz und in der Pfalz, bildete sich inSachsen eine Bienen-Actien-Gesellschast, erhob sich in Oestreich eine öffentlicheSchule für Bienenzucht (1770 bei Wien), wurden Bienenmeister angestellt, wieauch in Bayern und wurden Bücher über Bienenzucht verfaßt. Dieser großeEifer verfehlte auch nicht, die tüchtigsten Fortschritte für die zahme Bienenzuchtanzuregen. Schirach, Pastor zu Kleinbautzen, kann vor Allen als Reformatorderselben in der Mitte des vorigen Jahrhunderts betrachtet werden. Epochemachend wirkte die Entdeckung Schirach's, daß die Bienen auch künstlichdurch Vergrößerung der Zelle eine Königin aus einer gemeinen Larve machenkönnten, was Veranlassung zur freilich wieder verworfenen Lehre von den Ab-legern ward. Wirksamer ward für die zahme oder Schwarmbienenzucht desEngländers Gedde Erfindung der Magazin-Wirthschaft (1721), die verbessertvon Palte au in Metz (1756) und Mad. Vicat aus Lausanne, erst um dieMitte des 18. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit deutscher Bienenväter auf sichzog, dann aber auch von ihnen sehr verbessert wurde (Eyrich, Schirach,Christ, Riem). Uebrigens wird eine uralte Kastel-Magazin-Bienenzuchtvon Jllyrien angegeben (Hlube k).

Hornbostel entdeckte zuerst, daß die Bienen das Wachs aus einer be-stimmten Anzahl von Leibesringen ausschwitzten, Christ klärte die Lehre vonden Raubbienen und der Befruchtung aus. Wilhelmi bewies den NachtheilNeue Encyklopädie. Bd. I. Nr. 8. 13